Letzte Woche machte die „Zeit“ sich Gedanken über den allzu sorglosen Gebrauch von Sonnencreme. „Fachleute verschiedener Disziplinen“ haben sich nämlich eine zehn Jahre alte Studie noch einmal angesehen, bei der 55 Teilnehmer sich in Florida stundenlang an den Strand legten, um herauszufinden, wie gut Sonnencreme mit hohem Lichtschutzfaktor die Haut schützt. Das Ergebnis war, dass einige einen so starken Sonnenbrand bekamen, dass sie abbrechen mussten. „Auf Basis der (…) identifizierten Evidenz kann nicht eingeschätzt werden, ob Sonnenschutzmittel einen ausreichenden Schutz vor Hautkrebs bieten“, lautet das Fazit der Experten aus dieser und anderen Studien. „Wieso zweifeln die Wissenschaftler“ und „Vertrauen wir der Sonnencreme zu sehr“, lauten nun die bangen Fragen der „Zeit“. Eine repräsentative Umfrage des Sozialforschungsinstituts Infas in Kooperation mit der „Zeit“ ergab, dass zwei Drittel der Menschen in Deutschland davon überzeugt seien, dass Sonnencreme vor Hautkrebs schütze.
Für die Forschung sei es ziemlich schwierig, nachzuweisen, dass Sonnencreme vor Hautkrebs schütze. Der entstehe nämlich erst Jahrzehnte, nachdem die Haut geschädigt wurde. Die „Wissenschaft“ ist sich uneins über die Wirkung von Sonnencreme. Manche Untersuchungen zeigen einen Schutzeffekt, andere kommen zu dem Schluss, dass sie das Hautkrebsrisiko sogar erhöht. „Die genauen Ursachen sind unklar. Es könnte aber sein, dass eine falsche Anwendung und ein falsches Sicherheitsgefühl diesen Effekt erklären“, meint die „Zeit“. Das falsche Sicherheitsgefühl sei „die wohl größte Hautkrebs-Gefahr“. Viele Menschen glaubten, sie seien durch Sonnencreme rundum geschützt, und würden sich dann den ganzen Tag an den Strand legen. Obwohl man eingestandenermaßen nicht weiß, ob Sonnencreme Hautkrebs fördert, beklagt man, dass immer noch viele Menschen einen zu geringen Lichtschutzfaktor (LSF) verwenden würden. Der wird allerdings von Laboren nach sehr unterschiedlichen Kriterien bestimmt. In der aktuellen Leitlinie für Hautkrebs würden die Fachleute nun im Einklang mit der EU vorschlagen, nur noch vier Stufen auf der Verpackung anzugeben, nämlich „niedriges“, „mittleres“, „hohes“ und „sehr hohes Schutzniveau“.
Völlig widersprüchliche Einschätzungen
Der wirksamste Schutz sei natürlich, „erst gar nicht in die Sonne zu gehen“. Das wolle aber kaum jemand. Wenigstens mittags sollte man aber im Schatten bleiben. Und sich „stundenlanges Rösten“ zu jeder Tageszeit verkneifen. Der zweitbeste Schutz sei Kleidung, die die Haut abdecke. „Wer also nicht drinnen bleiben und auch keine lange Kleidung tragen möchte, sollte unbedingt zur Tube greifen. Und zwar ordentlich“, lautet dann das Fazit dieses ellenlangen, mäandernden Artikels, der verschiedene Expertenmeinungen abfragt. Dieses Machwerk ist typisch für das „Folgt der Wissenschaft“-Lager der Mainstream-Journaille. Dass es „die Wissenschaft“ nicht gibt, unterschlägt man gerne, obwohl gerade dieser Text mit seinen diametral entgegengesetzten Vermutungen genau dies bestätigt. Wie absurd das Ganze ist, zeigt ein Vergleich mit dem WDR-Wissenschaftsmagazin „Quarks“, das vor zwei Jahren apodiktisch vermeldete: „Sonnencremes schützen uns mehr als sie schaden“. Immer wieder werde vor schädlichen Inhaltsstoffen in Sonnencremes gewarnt. Drei schützenden Stoffen werde zwar nachgesagt, sie seien schädlich, das stimme aber nicht. „Im Gegenteil: Das Risiko ist größer, wenn wir uns nicht eincremen oder zu wenig. Denn Sonnencreme schützt uns vor gefährlichen UV-Strahlen“, hieß es weiter.
Gerade die Medien, die ihrem Publikum während Corona oder beim Klimawahn unermüdlich einhämmern, sie sollten gefälligst der „Wissenschaft“ folgen, liefern also selbst völlig widersprüchliche Einschätzungen, die natürlich „wissenschaftlich fundiert“ sind. Dass die Einschätzungen bei Corona und Klima ähnlich verschieden waren, wird aber nicht erwähnt. Man pickt sich die „Wissenschaft“ heraus, die gerade zu dem ideologischen Narrativ passt, dass man den Menschen unterjubeln will und beschimpft Abweichler dann als „Wissenschaftsleugner“ – obwohl deren Ansichten sich meist ebenfalls auf Wissenschaftler stützen können, die mindestens ebenso qualifiziert sind wie die der Gegenseite. Ein Vergleich mit dem Sonnencreme-Text der „Zeit“ und den völlig gegenteiligen Empfehlungen von „Quarks“ bringt dies perfekt auf den Punkt.























