Für uns das Beste – fürs Volk die Reste (Symbolbild:KI)
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Politiker opfern sich auf – Gewichtszunahme unvermeidlich

Wie rank und schlank waren manche Herrschaften noch, als sie in den Bundestag oder ins Europa-Parlament einzogen. Wahlkampf, Marktplätze, Händeschütteln, Hunderte Termine. Das verbrauchte Kalorien. Aber dann … Berliner Nächte sind lang.

Viele Abgeordnete kamen aus ganz normalen Berufen – oder aus gar keinem. Morgens Butterbrot in die Tupperdose, mittags Kaffee aus der Thermoskanne. Dann kam das rettende Mandat über die Liste. Schon nach einem Jahr aufopferungsvollen Wirkens lohnt der Bildvergleich. Die Wangen werden voller, das Jackett spannt und die Knöpfe geraten unter Druck.

Kaum ist das Abgeordnetenbüro bezogen, treffen Einladungen kistenweise ein. Firmen, Verbände, Banken, Versicherer und Stiftungen wollen dringend mit dem Abgeordneten reden. Natürlich könnten sie ihn auch ins Büro bitten. Mineralwasser, zwei Kekse, Anliegen vortragen, fertig. Aber die Spielregeln sind anders. Und das schlägt aufs Gewicht.

Speisen zum Wohle des Volkes

Wer einem Volksvertreter etwas ins Ohr flüstern möchte, muss sich etwas mehr Mühe geben. 19 Sternelokale rund um den Bundestag sind nicht zufällig dort.

1. Weißwurst für den Mittelstand

Ein bayerischer Verband lädt ins Hopfingerbräu am Brandenburger Tor. Vier Weißwürste, Brezn, süßer Senf und drei, vier Weißbier.

„Das mit den neuen Vorschriften, lasst das mal. Unsere Leute haben genug Papier auf dem Tisch.“

Gedanken- und geistesbeschwert zurück im Abgeordnetenbüro bedarf das Gehörte nun der Verdauung. Gut, dass dort eine Ledercouch steht. Normale Arbeitnehmer haben so etwas selten. Im Parlament dient sie selbstverständlich ausschließlich dem Nachdenken zum Wohle des Volkes.

2. Austern für den Strom

Ein Energiekonzern lädt zum Abendessen. Vor dem Steinbutt kommen Austern. Vielleicht mag der Abgeordnete Austern gar nicht. Trotzdem muss er sie schlürfen. Man möchte bei Tisch schließlich nicht als Banause gelten.

„Wenn kein Wind weht und keine Sonne scheint, brauchen wir trotzdem Strom. Baut endlich Kraftwerke.“

Auch solche Opfer gehören zum Mandat.

3. Trüffel von der Industrie

Tagliolini mit weißem Trüffel, danach Kalbsrücken und Barolo.

„Noch ein Formular, noch eine Auflage und die nächste Fabrik bauen wir eben woanders.“

Nach dem dritten Rotwein spricht es sich eben leichter.

4. Hummer fürs Auto

Hummerbisque, bretonischer Hummer und ein gut gekühlter Chablis.

„Das mit dem Verbrenner-Aus lasst das mal. Die Leute wollen die Autos doch noch kaufen.“

Am nächsten Morgen klingt der Satz in der Fraktion plötzlich erstaunlich vernünftig.

5. Rehrücken für die Bauern

Gänseleberterrine, Rehrücken, Serviettenknödel und Spätburgunder.

„Wenn ihr noch eine Vorschrift draufpackt, steht auf manchen Höfen bald nur noch der Briefkasten.“

Beim Schokoladensoufflé lässt sich darüber trefflich nachdenken.

6. Rinderfilet für den Standort bietet der Mittelstandsverein

Rinderfilet, Kartoffelgratin, kräftiger Rotwein.

„Strom zu teuer, Steuern zu hoch, Genehmigungen zu langsam. So baut doch keiner freiwillig bei euch.“

Eine unangenehme Botschaft. Zum Glück verlangt ein gutes Filet gründliches Kauen.

7. Kaviar beim Bankenverband

Kaviar, Rinderfilet und Bordeaux.

„Wenn Berlin noch ein paar Milliarden braucht, reden wir darüber. Geld ist schließlich unser Geschäft.“

Der Staat braucht Geld, die Banken haben es. Selten ergänzen sich Sorgen so harmonisch.

8. Seezunge für die Rente vom Versichererverband

Seezunge in Champagnersauce, dazu weißer Burgunder.

„Die gesetzliche Rente allein wird das nicht schaffen. Macht doch eine Aktienrente. Dann verdient das Geld wenigstens mit.“

Noch etwas Sauce hilft beim Abwägen.

9. Lammrücken von der Pharmaindustrie

Tatar, Lammrücken und französischer Käse.

„Wenn ihr bei neuen Medikamenten jeden Euro dreimal umdreht, forschen die Firmen eben woanders.“

Nach dem Fernet-Branca wirkt manches Problem schon erstaunlich übersichtlich.

10. Zum Frühstück nach New York

Wirtschaftsministerin Katherina Reiche nahm sogar den Atlantik auf sich. Zum Frühstück in NYC Trüffelrührei mit Speck vom texanischen Wildschwein. Zwischen Kaviar und Champagner erzählt es sich leichter, welche großen Geschäfte heute mit der deutschen Rüstungsindustrie möglich werden.

Der Beruf verlangt es

So wird aus dem einstigen Butterbrotesser zwangsläufig ein Kenner von Beurre blanc, Trüffel und Jahrgangsweinen. Nicht aus Genusssucht. Der Beruf verlangt es.

Und dann warnt ausgerechnet der jeweils amtierende Gesundheitsminister vor Adipositas. Dabei übersieht er offenbar die eigentliche Risikogruppe. Unsere Parlamentarier müssen sich tagein, tagaus durch Aperitif, Silberbesteck, mehrere Gänge, Wein und Digestif kämpfen. Der Bürger sieht nur die zusätzlichen Pfunde.

Die aufopferungsvollen Termine dahinter sieht er nicht. Zum Wohle!

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