Kliniksterben in Deutschland (Symbolfoto: Privat)
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„Gesundheitsreform“ der Bundesregierung: Jede zweite Klinik insolvenzgefährdet

Bedrohte Kliniken: Die im Zuge der sogenannten “Gesundheitsreform“ daherkommende Krankenhausreform mit Sparmaßnahmen der Bundesregierung droht, bewährte Strukturen bundesweit einzureißen. Die Spezialisierung und Konzentration von Leistungen wird überall vorangetrieben – mit gravierenden Folgen für zahlreiche Kliniken. Dieszeigt sich etwa in Potsdam besonders deutlich: Das St.-Josefs-Krankenhaus schließt die Gynäkologie und Geburtshilfe, obwohl die Bettenauslastung zuletzt bei 78,3 Prozent lag und zuvor sogar 84,4 bzw. 81,2 Prozent erreichte – weit über dem landesweiten Durchschnitt. Ob das dortige Ernst-von-Bergmann-Klinikum die zusätzlichen Patientinnen ohne Qualitätsverlust aufnehmen kann, bleibt unklar. Die Landesregierung verweist lediglich auf Aussagen der Träger und lässt zentrale Fragen zum 5. Krankenhausplan unbeantwortet. Gespräche über die Umstrukturierungen sollen erst im Juni 2026 geführt worden sein.

Kritiker sprechen von der vorsätzlichen Zerstörung bisher funktionierender Versorgungsstrukturen. Bürger und Mitarbeiter seien mit einem “schalen Beigeschmack” zurückgelassen worden: Sie müssten um die stationäre Behandlungsinfrastruktur bangen. Wer gut ausgelastete Abteilungen abbaue, müsse erklären, wie die Versorgung künftig sichergestellt werde – statt sich hinter Trägeraussagen zu verstecken.

Abgehängte ländliche Regionen

Potsdam ist kein Einzelfall. Bundesweit droht eine Welle von Schließungen und Abteilungsabbau. Im Juni 2026 schlossen allein in Baden-Württemberg mehrere Häuser, darunter die Steinlach-Klinik in Mössingen und die Helios-Rosmann-Klinik in Breisach. In Niedersachsen stellt das St.-Bernhard-Hospital in Brake Mitte August den Betrieb ein – 350 Beschäftigte verlieren allein hier ihren Job. In Brandenburg schließen neben Potsdam weitere Abteilungen, etwa die Kinderklinik in Ludwigsfelde; das Krankenhaus Wittstock droht Anfang 2027.

Die Deutsche Krankenhausgesellschaft warnt: Durch zusätzliche Sparmaßnahmen könnten bis 2030 rund die Hälfte der Standorte insolvenzgefährdet sein. Experten rechnen mit dem Wegfall von 400 bis 500 klassischen Klinikstandorten. Besonders ländliche Regionen verlieren wohnortnahe Angebote, Anfahrtswege verlängern sich, und Personalabbau droht. Die Reform zielt auf höhere Qualität durch Bündelung in Leistungsgruppen, doch der Preis ist der Verlust bewährter Strukturen. Transparenz und klare Sicherungspläne für die flächendeckende Versorgung sind dringend nötig – sonst zahlen Versicherte weiter hohe Beiträge für immer weniger Angebote. (TPL)

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