Früher war Winfried Kretschmann (78) selbst ein Maoist, wegen der Mitgliedschaft in diversen marxistisch-leninistischen Gruppierungen drohte ihm aufgrund des Radikalenerlasses ein Berufsverbot als Lehrer. Seine Politik als grüner Landesvater beziehungsweise Ministerpräsident von Baden-Württemberg von 2011 bis 2026 kann getrost als fragwürdig bezeichnet werden. Aufgrund des bevorstehenden bahnbrechenden Wahlerfolges der AfD in Sachsen-Anhalt äußerte Kretschmann dennoch die Befürchtung, dass der klassische ewig Vorgestrige den Deutschen immer noch im Blute stecken könne: „Ich vermute, 15 Prozent der Bevölkerung sind einfach Nationalisten“, so der jetzige Politik-Ruheständler. Wo diese Wählerschaft vorher war: „Nichtwähler, bei anderen Parteien, das weiß ich nicht“, so Kretschmann weiter.
Genau hier sieht der 78-Jährige einen wichtigen Ansatzpunkte: Wer der AfD bekämpfen will, der müsse sich auf diejenigen konzentrieren, welche die Partei bislang noch nicht gewählt haben, aber mit der Opposition sympathisieren. Hingegen können man nicht alle AfD-Wählerschichten gleichermaßen erreichen. Als Grünen hätte man ihn gewählt, weil er „gutes Handwerk, das Bestreben, die Gesellschaft zusammenzuhalten, Gelassenheit und Ruhe“ vereine, so Kretschmanns Einschätzung über sich selbst.
Kretschmanns Schlafstörungen
Dass Migration ein ausschlaggebendes Thema sein könne, will der Grüne gar nicht ausschließen. Das Thema sei ein „Trigger“, ein Auslöser, besonders wenn die Zuwanderung im großen Ausmaße passiert. Dann könne es schon mal zu Konflikten kommen. Skepsis, Neugierde, Aggression, Kooperation: All diese eigentlich typisch menschlichen Verhaltensweisen würden dann hervorgerufen werden. Kretschmann dazu: „Wer diese archaischen Dinge mobilisiert, kann höchst erfolgreich sein.“ Ausgerechnet er setzt auf die Argumentation als politisches Gegenmittel gegen den Rechtsruck. Und forderte er selbst während der Corona-Hysterie noch ein konsequentes Durchimpfen der Bevölkerung ein, so gibt er heute zu, Fehler gemacht zu haben und nimmt Äußerungen zurück, gerade mal drei Jahre später.
Dass der 78-Jährige Schlafstörungen habe, räumte er in einem anderen Interview ebenfalls ein. Das Reaktorunglück im japanischen Fukushima ebnete den Grünen damals den Weg in den Landtag von Baden-Württemberg. 15 Jahre reichten dabei vollkommen aus, um das ehemalige Musterländle in jeder Hinsicht herunterzuwirtschaften. Mit der Nachfolge von Wunschkandidat Cem Özdemir ist das Kapitel noch lange nicht zu Ende geschrieben.























