Ist die Lage der deutschen Kommunen inzwischen schon so verzweifelt, dass ihre Bürgermeister allmählich die Nerven verlieren? Das könnte man angesichts des Ausrasters von Freibergs Oberbürgermeister Philipp Preißler in einem Leipziger Hotel vermuten. Am Donnerstag drehte dort der erst seit Ende Juni amtierende Oberbürgermeister der sächsischen Bergstadt offenbar aus unerfindlichen Gründen durch; wie unter anderem die “Welt“ berichtet, soll er in seinem Zimmer randaliert haben. Nach übereinstimmenden Medienberichten und Bestätigungen der Stadtverwaltung beschädigte der 41-Jährige Teile dabei der Inneneinrichtung und warf Gegenstände aus dem Fenster. Die Polizei wurde alarmiert und versuchte den Kommunalpolitiker in Gewahrsam zu nehmen. Der leistete dabei “erheblichen Widerstand” und verletzte zwei Beamte leicht.
Schließlich wurde der OB aufgrund seines “psychischen Ausnahmezustands“ mit dem Rettungswagen in die Leipziger Uniklinik gebracht; ein Bluttest wurde angeordnet. Ob Alkohol oder Drogen im Spiel waren, ist bislang noch unklar. Die Polizeidirektion Leipzig ermittelt wegen Sachbeschädigung und Widerstands gegen Vollstreckungsbeamte. Die Polizei selbst gab die Identität des Beschuldigten offiziell nicht bekannt, doch Zeugenberichte und auch eine offizielle Verlautbarung der Stadt Freiberg bestätigten die Beteiligung ihres Stadtoberhauptes. Preißler befinde sich im “Urlaub” und sei “privat in Leipzig” gewesen.
Rasche Aufklärung gefordert
Ein Vertreter des Rathauses erklärte: „Wir sind fassungslos und schockiert … Wir hoffen, dass es allen Beteiligten gut geht.“ Preißler selbst war für die Medien nicht erreichbar. Der parteinahe Kandidat der Freien Wähler Mittelsachsen hatte die Oberbürgermeisterwahl bereits im Oktober 2025 im zweiten Wahlgang mit knapp 46 Prozent gewonnen, konnte das Amt wegen einer Anfechtung jedoch erst Ende Juni 2026 antreten. In Freiberg wächst nun der politische Druck auf den Stadtchef in Anbetracht dieses verstörenden Verhaltens. Dass sich die Freien Wähler „tief betroffen“ äußerten und Freiberger Bürger in den sozialen von einer „großen menschlichen Tragödie“ sprechen, deutet auf private Hintergründe von Preißlers Ausraster hin. Die CDU-Fraktion verlangt nun jedenfalls rasche Aufklärung und eine Sondersitzung des Stadtrats.
Landrat Sven Krüger betonte, man nehme die Schilderungen ernst, stehe Preißler aber “menschlich zur Seite”. Rechtlich bleibt der Oberbürgermeister vorerst im Amt – die Unschuldsvermutung gilt. Die Stadt bereitet ein Statement vor. Ob der Vorfall Konsequenzen für die Amtsführung hat, hängt von den Ermittlungsergebnissen ab. In der 41.000-Einwohner-Stadt herrscht jedenfalls Betroffenheit über den rätselhaften Eklat ihres neuen Stadtoberhauptes. (TPL)























