Fast neun von zehn arbeitslosen jungen Syrern sind ohne Berufsabschluss, bei den Afghanen ist es geringfügig weniger – ein bundesweites Strukturproblem. Beispiel Niedersachsen: Dort verfügen laut Antwort der Landesregierung auf eine Anfrage des fraktionslosen Abgeordneten Jozef Rakicky 87,8 Prozent der arbeitslosen Syrer und 84,5 Prozent der arbeitslosen Afghanen im Alter von 25 bis 34 Jahren über keinen Berufsabschluss. Selbst unter den sozialversicherungspflichtig Beschäftigten dieser Altersgruppe sind es 47,0 bzw. 51,6 Prozent. Die rot-grüne Landesregierung könne die Wirksamkeit ihrer Integrationsmaßnahmen nur unvollständig und nicht zielgruppenscharf belegen, kritisiert Rakicky. Wer ständig vom Fachkräftemangel spreche, dürfe bei solchen Zahlen nicht zur Tagesordnung übergehen.
Beratungsstellen und Modellprojekte reichten nicht, wenn klare Zielmarken und Erfolgsquoten fehlten. Integration müsse auf Sprache, Ausbildung und anerkannte Qualifikationen zielen, sonst drohten Arbeitslosigkeit, Niedriglohn und Transferbezug. Bundesweite Daten des Mikrozensus 2025 bestätigen das Bild: 74,5 Prozent der Syrer und 72,1 Prozent der Afghanen im Alter von 25 bis 34 Jahren haben keinen beruflichen Abschluss. Bei Somaliern liegt der Wert gar bei 85,8 Prozent, obwohl diese quantitativ weniger relevant sind.
Learning by doing?
Zum Vergleich: Bei den Deutschen, denen trotz derzeit täglich rund 1.000 vernichteten Industriejobs angeblich jener “Fachkräftemangel“ droht, mit dem die wiederholt umetikettierte Prekariatszuwanderung (von “temporär Schutzsuchenden“ über integrationsdürstende Vielfalts- und Rentensicherer bis zu hochqualifizierten Fachkräften der Zukunft) bis heute gerechtfertigt wird, sind nur 13,9 Prozent ohne Abschluss – wobei der Anteil ohne die mitgerechneten (Doppel-)Passdeutschen deutlich geringer wäre, denn unter den hier lebenden Ausländern (treffender: noch nicht Eingebürgerten) sind es 42,1 Prozent ohne jede Qualifikation.
Das Bundesbildungsministerium, das sich inzwischen anscheinend eher als zusätzliches Integration- oder Entwicklungsministerium zu verstehen scheint, findet das alles gar nicht weiter beunruhigend – und weist darauf hin, dass in Syrien und Afghanistan kein duales Berufsbildungssystem wie in Deutschland existiere. Viele Berufe würden deshalb dort ohne formelle Ausbildung ausgeübt, weshalb “fehlende formale Abschlüsse” nicht gleichbedeutend seien mit fehlenden Kompetenzen. Soll wohl heißen: Einfach mal machen lassen, verlassen wir uns doch auf die Zusicherung der Zuwanderer, die sind bestimmt ehrlich! Ansonsten gilt dann eben learning by doing – vermutlich auch bei Berufen wie Ärzten oder Ingenieuren? Mit den Deutschen kann man’s ja machen. (JS)























