Würde es sich bei diesem Polit-Drama um Schach handeln, würde man nach diesem Zug von schachmatt sprechen – indem man den König zum Bauernopfer macht. So einen Zug kennt man beim Schach eigentlich nicht.
Jetzt hat AfD-Mann Björn Höcke im BSW-Krimi noch mal nachgelegt und macht der Thüringer Fraktion der linken Steigbügelhalter ein Angebot, was es eigentlich nicht ablehnen kann:
Sehr geehrte Frau Fraktionsvorsitzende Hupach,
sehr geehrte Kollegen Abgeordnete des BSW,
Sie wissen wie ich, dass das Vertrauen der Menschen in die Problemlösungsfähigkeit
des Staates und in das Funktionieren unserer Demokratie dramatisch sinkt. Der aktuelle Thüringen-Monitor zeigt einen bemerkenswerten Widerspruch: 88 Prozent der Thüringer unterstützen die Demokratie, aber nur noch 42 Prozent sind mit ihrem tatsächlichen Funktionieren zufrieden. Ebenfalls nur 42 Prozent glauben, dass Politiker sich für die Interessen der Bürger einsetzen. Gerade in einer solchen Situation wiegt es schwer,
wenn politischer Anspruch und politische Wirklichkeit immer weiter auseinanderfallen.
Das BSW ist 2024 mit dem Anspruch angetreten, die Brandmauer zu überwinden und für eine andere Politik zu stehen. Mehr als 15 Prozent der Thüringer Wähler haben Ihnen dafür ihr Vertrauen geschenkt. Heute trägt das BSW gemeinsam mit der CDU eine Minderheitsregierung gegen die mit Abstand größte Fraktion im Thüringer Landtag. Wenn die BSW-Fraktion Mario Voigt, als überführten Dieb fremden geistigen Eigentums, in einem konstruktiven Misstrauensvotum nun auch noch aktiv stützt, wird das der politischen Kultur über Thüringen hinaus schaden und belegen, dass das BSW endgültig sein Gründungs-versprechen gebrochen hat. Ob Sie diesen Weg mit Ihrer hoffnungsvoll gestarteten Partei und Fraktion tatsächlich zu Ende gehen wollen, müssen Sie nun entscheiden.
Als Ihr politischer Konkurrent kann mir das egal sein. Egal ist mir allerdings nicht die Zukunft des Freistaates Thüringen. Um Bewegung in die festgefahrene Lage zu bringen und deutlich zu machen, dass ich – anders als der amtierende Ministerpräsident – meine eigene Person nicht in den Mittelpunkt stelle, habe ich die Ehrenvorsitzende und Namensgeberin Ihrer Partei als Kandidatin für das Amt der Ministerpräsidentin vorgeschlagen. Eine Frau also, mit der das BSW 2024 in Thüringen geworben hat und ohne die Ihre Partei nachweislich nicht in den Landtag gewählt worden wäre. Frau Wagenknecht hat dieses Angebot abgelehnt und dabei selbst Zweifel erkennen lassen, ob sie auf die Unterstützung der eigenen Thüringer Fraktion zählen könnte.
Damit muss die Suche nach einer tragfähigen Lösung für Thüringen aber nicht beendet sein. Ich möchte deshalb ein letztes Mal versuchen, einen Weg zu stabilen Verhältnissen aufzuzeigen – und dabei einen Gedanken aufgreifen, den das BSW selbst mit Blick auf mögliche Mehrheitsverhältnisse in Sachsen-Anhalt ins Gespräch gebracht hat: einen unabhängigen Kandidaten für das Amt des Ministerpräsidenten.
Gespräche zwischen demokratisch gewählten Fraktionen sollten in einer parlamentarischen Demokratie keine Ausnahme, sondern eine Selbstverständlichkeit sein. Deshalb lade ich Sie herzlich zu einem zeitnahen Treffen ein. Lassen Sie uns gemeinsam nach einer unabhängigen Persönlichkeit suchen, die Autorität besitzt, das Land zusammenführen kann und im Thüringer Landtag eine Mehrheit hinter sich versammelt. Ein solches Gespräch muss jeder führen, der die Verantwortung für unser Land ernst nimmt.
Thüringen braucht stabile Verhältnisse, einen echten Neuanfang und endlich wieder Normalität im Umgang der gewählten Parteien miteinander.
Mit kollegialem Gruß,
Björn Höcke
Dafür kriegt er sehr viel Lob.
Reimer Thomas schreibt:
Es ist schon bemerkenswert, dass man „demokratischen Parteien“ wiederholt die Demokratie erklären muss. Lieber Herr Höcke, ich bewundere Ihre Geduld und Ihr selbsloses Engagement für Thüringen und die Demokratie in Deutschland. Vielen Dank dafür
Mistgabler schreibt:
Wenn Sahra Wagenknecht dieses sachlich vorgetragene und ehrlich gemeinte Angebot zum Wohle des Landes nicht annimmt, dann beweist sie endgültig, dass sie die Brandmauer zur AfD aufrecht erhalten will – und damit wäre das BSW nichts als eine weitere unglaubwürdige Altpartei.
Thomas D. Adler schreibt:
Damit liegt der Ball jetzt tatsächlich beim BSW. Sahra Wagenknecht hat selbst einen überparteilichen, in Thüringen verankerten Ministerpräsidenten gefordert. Genau diesen Vorschlag greift Höcke nun auf. Wenn das Thüringer BSW selbst das ablehnt, zeigt sich einmal mehr das Grundproblem dieser Partei: Die Bundesspitze verkündet einen Kurs, den die eigenen Strukturen offenbar nicht mittragen. Genau diese Diskrepanz zwischen Anspruch und innerparteilicher Realität habe ich im BSW selbst erlebt und in „Inside BSW Berlin“ beschrieben.
Hans Fink schreibt:
Wer jetzt noch Herrn Höckes Vorschlag ablehnt, macht es jetzt NICHT aus Politischen Gründen, sondern aus persönlichen. Weiter kann Herr Höcke nun wirklich nicht der BSW entgegen kommen, indem er selber auf den Posten des MP verzichtet !
…
Die Höcke-Strategie zeigt uns allen, dass es in der Politik gar nicht immer um Politik geht, sondern, dass Macht- und Geldgier der Motor vieler so genannter Politiker ist, der dann die Politik bestimmt.
Und das muss ein Ende haben. Und das könnte das Ende des BSW sein.























