Heute jährt sich zum fünften Mal die (bereits zweite) Machtergreifung der Taliban in Afghanistan. Nach 20 Jahren Militärpräsenz waren die NATO-Truppen 2021 geradezu fluchtartig mit eingezogenem Schwanz abgezogen und hatten das Land, dass sie doch zu Demokratie und Freiheit führen wollten, erneut den barbarischen Steinzeitislamisten und sprenggläubigen Fusselbärten überlassen. Diese begehen ihr Jubiläum triumphal: Die Hauptstadt Kabul wird mit Flaggen und islamischen Parolen à la „Unsere Hingabe steht fest: Festigung und Umsetzung der islamischen Scharia“ oder: „Das islamische System wurde durch das Blut der Märtyrer erreicht“ überzogen. Tatsächlich haben die Taliban es geschafft, dem Land innere “Stabilität” zurückzugeben: Gewalt und Kriminalität sind zwar massiv zurückgegangen, den schlimmsten Preis dafür zahlen jedoch die Frauen, auf die das barbarische Scharia-Recht gnadenlos angewandt wird.
Der Zugang zu höherer Bildung wird ihnen systematisch verwehrt, sie werden zuhause eingesperrt, unterliegen völlig der Herrschaft ihrer Männer, sie dürfen nur in vorgeschriebenen Bereichen arbeiten, ohne männlichen Vormund dürfen sie nicht verreisen, Arztbesuche sind nur mit männlicher Begleitung möglich, et cetera. Laut der Unesco sind etwa 2,4 Millionen Mädchen vom Sekundarschulunterricht ausgeschlossen, 200.000 mehr als 2025. 53 Prozent der Kinder im Grundschulalter besuchen keine Schule, darunter auch viele Jungen. Vize-Informationsminister Molwi Hajatullah Mahadschar Farahi lobte sein Regime, weil es mehr Sicherheit, eine stabilisierte Währung, bessere Infrastruktur und neue Industrieparks geschaffen habe. Er behauptet, die Regierung arbeite daran, Bildung und andere Dienstleistungen zu verbessern, ging aber nicht auf Fragen zur Bildung von Mädchen und Frauen ein.
Zweispältige deutsche Politik
Das Welternährungsprogramm der UNO erklärte, 47 Prozent der Minderjährigen seien im ersten Quartal dieses Jahres unterernährt gewesen. „Meistens gibt es in einem Land Konflikte, eine Hungersnot oder eine Naturkatastrophe. In Afghanistan gibt es all das gleichzeitig“, sagt Thamindri de Silva, die das Büro der Hilfsorganisation World Vision International in der westafghanischen Stadt Herat leitet. Die Not sei so chronisch und groß, dass sie sich kaum mit Situationen vergleichen lasse, die sie bisher erlebt habe. Folter, willkürliche Inhaftierungen, Auspeitschungen, Körperstrafen, Steinigungen und öffentliche Hinrichtungen seien mittlerweile wieder an der Tagesordnung, sagte Theresa Bergmann von Amnesty International. Die deutsche Politik ist zwiespältig in Bezug auf das Taliban-Regime.
Einerseits verweigert man dessen offizielle Anerkennung, andererseits hat man sich endlich dazu durchgerungen, zumindest ein paar schwerkriminelle Afghanen in ihr Heimatland abzuschieben. Im Gegenzug werden offen oder verdeckt auch wieder Hilfsgelder an die Taliban fließen. Das Entwicklungsministerium bestreitet zwar vehement, dass man Gelder an die Taliban zahlt und betont, dass es seit deren Machtübernahme keine bilateralen Beziehungen gebe, räumt aber ein, dass man die afghanische Bevölkerung weiterhin über multilaterale Organisationen wie die UNO oder die Weltbank und gemeinsam mit Nichtregierungsorganisationen unterstütze. Rein formal mag das zutreffen, aber es ist natürlich illusorisch, anzunehmen, ein totalitäres Regime, das ein Land völlig im Griff hat, würde nicht auch die Gelder kontrollieren, die ins Land fließen. Dasselbe gilt für die Hamas im Gazastreifen. Am Ende unterstützt Deutschland dieses grausige Regime eben doch, zudem muss es irgendwie mit ihm kooperieren, um die überfälligen Abschiebungen durchführen zu können. (TPL)























