Vor der Landtagswahl in Mecklenburg-Vorpommern am 20. September 2026 sorgt eine Formatentscheidung von RTL/ntv und Ostseewelle für erheblichen Ärger. Statt einer ursprünglich geplanten Runde mit vier Spitzenkandidaten – Manuela Schwesig (SPD), Leif-Erik Holm (AfD), Daniel Peters (CDU) und einem Vertreter der Linken – wird es nur noch ein Duell Schwesig gegen Holm geben. CDU und Linke wurden ausgeladen. Ausgangspunkt ist eine Chatnachricht des Ostseewelle-Geschäftsführers Tino Sperke von Ende Juli. Darin heißt es sinngemäß, RTL/ntv habe sich für das Duell entschieden, nachdem Schwesig dies bei einem Besuch im Hauptstadtbüro „impliziert“ habe.
Die Formulierung nährt den Verdacht politischer Einflussnahme. Sperke relativierte später: RTL/ntv habe von Anfang an ein Duell “bevorzugt”, er selbst ein Viererformat. In den Folgewochen habe sich der Wahlkampf auf SPD gegen AfD zugespitzt – was weitaus attraktiver sei für ein bundesweites Format. Auf den genauen Wortlaut seiner Nachricht ging er nicht näher ein.
Holm hätte auch bei Viererrunde mitdiskutiert – doch Schwesig intervenierte wohl
RTL bestreitet jede Intervention. Eine Sprecherin erklärte, die Entscheidung sei „ohne jegliche Einflussnahme“ Schwesigs oder ihres Umfelds gefallen und beruhe auf Umfragewerten sowie der bundesweiten Ausrichtung. Eine Infratest-dimap-Umfrage vom Juli sah die AfD bei 36 Prozent, die SPD bei 29, die Linke bei 12 und die CDU bei 9 Prozent. Der CDU-Spitzenkandidat Peters und Linken-Landeschef Hennis Herbst behaupten dagegen, Schwesig habe unmissverständlich signalisiert, nur für ein Duell zur Verfügung zu stehen – andernfalls komme sie nicht. Sie berufen sich auf Quellen aus dem Senderumfeld. Schwesigs Sprecherin formuliert es relativ “eng”: Die Ministerpräsidentin habe für „ein Kandidatenduell“ zugesagt; über das Format entschieden die Sender selbst.
AfD-Kandidat Holm erklärte, er habe einem Quadrell zugestimmt und wäre auch in einer größeren Runde dabei gewesen. Er fordert Klärung, ob politischer Druck ausgeübt wurde. Auffällig ist der Vergleich zu Sachsen-Anhalt: Dort veranstalten RTL/ntv trotz starker AfD und Polarisierung eine Wahlarena mit Spitzenkandidaten aller relevanten Parteien. RTL begründet den Unterschied mit den jeweiligen politischen Konstellationen. Der Vorgang wirft wieder einmal grundsätzliche Fragen zur Unabhängigkeit von Medienformaten im Wahlkampf auf. Die Antwort darauf kennen wir ja… (TPL)























