Zocken um Mehrheiten? (Symbolbild:KI)
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Unsere Demokratie” nach dem Kartenspiel-System

1966: Nach der Sonntagsmesse gingen viele Männer in den Gasthof „Zur Rosl“ und spielten Karten. Auch der Herr Pfarrer kam dazu. In seiner Gegenwart traute sich niemand, einen anderen übers Ohr zu hauen. Gespielt wurde mit Ein-, Zwei-, Fünf- und Zehn-Pfennig-Münzen. Viel, viel harmloser als in Las Vegas.

Wer damals gedacht hätte, dass diese Erfahrungen Jahrzehnte später beim Verständnis „unserer Demokratie“ noch einmal hilfreich sein würden, hätte das wohl nicht für möglich gehalten.

Herr Pfarrer wachte über seine Schäflein

Alle Spielkarten eines Spiels sind gleich groß. Länge, Breite und Stärke unterscheiden sich nicht, egal ob Ass, König oder Sieben. Doch beim Kartenspiel lassen sich einzelne Karten kombinieren, ähnlich wie beim Metzger, der verschiedene, dem Kunden unbekannte Teile zu einer Wurst zusammenrührt.

Kopfrechnen ohne Taschenrechner

Schon in frühen Kindertagen, als der Autor noch sehr jung war, lernte er beim Kartenspiel das schnelle Kopfrechnen. Wer flink addieren konnte, war im Vorteil. Im Gasthof „Zur Rosl“ ging es nur um Pfennige. Heute sind die Einsätze etwas höher.

Die Karten in der Politik werden gar wunderlich gemischt. Der Teufel und das Weihwasser, das wissen aus Erzählungen sogar die Nichtkatholiken, passen einfach nicht zusammen. Und wer will schon in der Hölle schmoren, weil er zu Lebzeiten inkompatible Farben verwechselte oder gar zu mischen versuchte.

Die Politik macht eine Ausnahme

Was als unvereinbarer Beschluss in Stein gemeißelt war, wird mit dem Presslufthammer „Unserer Demokratie“ pulverisiert, damit die einzelnen Körnchen später doch wieder miteinander mit Zement verklebt werden können. Mit den zu Ruinenstaub zerbröselten, einst für heilig gehaltenen Grundsätzen lassen sich im Mörtelmischer wunderprächtige steinerne Grabplatten herstellen, die den Wähler in seiner demokratisch erdachten Gruft einsperren.

Diese neuen Rezepte seien eigentlich unmoralisch. Und dass man so etwas noch nie versucht habe. Aber in der Not, so heißt es, fresse der Teufen sogar Fliegen und Diäten. Mehrere kleine Parteien, die sich eigentlich nicht ausstehen konnten, gehen jetzt aber gemeinsam in die Sauna. Im Gasthof „Zur Rosl“ hätte man dafür die Karten offen auf den Tisch gelegt. Gestern hieß es noch: mit denen niemals.

Hauptsache ist, die Wirtin schenkt den Gerstensaft weiterhin gratis aus.

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