Man könnte glauben, dass der Herr Chefredakteur in jeder Redaktionskonferenz seinen schreibenden Lakaien tonnenweise Fentanyl verabreicht, damit sie dann am PC völlig austicken und solchen Schwachsinn fabrizieren, wie diese Titelstory über den nächsten Ministerpräsidenten von Sachsen-Anhalt Ulrich Siegmund.
Und natürlich gab es daraufhin einen gewaltigen Shitstorm, wurde der „Spiegel“ durch den Kakao gezogen, weil er sich selbst lächerlich gemacht hat und sich die AfD über diese kostenlose Werbung freuen durfte. Ulrich, der Coole hat sogar jede Menge handsignierte Spiegel-Exemplare verteilt.
Aber weil der Herr Chefredakteur ein leidenschaftlicher Linker ist, hat er sich mit einem Rechtfertigungs-Artikel noch tiefer in die Scheiße geritten.
Dirk Kurbjuweit begründete die Bezeichnung Ulrich Siegmunds als „gefährlichsten Mann Deutschlands“ so:
- Siegmund gebe sich freundlich und wirke gewinnend – auch auf Bürger, die nicht rechtsextremer Gesinnung seien, aber große Veränderungen wünschten. Im Hintergrund lasse er sich jedoch „von einem Netzwerk rechter Extremisten unterstützen“.
- Seine Pläne für Sachsen-Anhalt seien ein „Anschlag auf die liberale Demokratie“; Minderheiten würden die Folgen zuerst spüren.
- Die Kombination aus Umgänglichkeit und Extremismus mache ihn „aus Sicht liberaler Demokraten“ aktuell zum gefährlichsten Mann Deutschlands.
- Politiker hätten durch ihre Gestaltungsmacht potenziell größere Auswirkungen als Einzelpersonen: „Wenn ein Politiker böse Absichten hat – die allermeisten haben das zum Glück nicht –, kann das böse Folgen für Hunderttausende haben, vielleicht für Millionen.“
Kurbjuweit verwies zudem auf den Leitsatz des früheren Herausgebers Rudolf Augstein („Sagen, was ist“) und betonte, Relevanz sei das oberste Kriterium, nicht die Frage, wem eine Titelgeschichte nütze oder schade. Die AfD sei stark und relevant; man glaube nicht, Wahlergebnisse beeinflussen zu können.
EIN COVER IST EIN COVER.
NEUN COVERS SIND EIN MUSTER.
»Sieht man diese SPIEGEL-Titel einzeln, kann man über jeden einzelnen streiten. Man kann sagen: journalistische Zuspitzung, Provokation, künstlerische Freiheit.
Legt man sie jedoch nebeneinander, verändert sich das Bild.
„Hassprediger“.
„Putins Puppen“.
„Die Stürmer“.
„Landesverräter“.
„Wie Faschismus beginnt“.
„Der gefährlichste Mann Deutschlands“.
Dazu Gesichter, Schatten, Farben und Montagen, die Bedrohung, Verrat und historische Abgründe assoziieren sollen.
Da frage ich mich irgendwann: Will ein Nachrichtenmagazin seine Leser noch informieren – oder ihnen bereits auf dem Titelblatt sagen, was und wen sie fürchten sollen?
Besonders auffällig finde ich die Inszenierung von Frauke Petry. Wer nach normalen Pressebildern von ihr sucht, findet unzählige Aufnahmen. Der SPIEGEL entschied sich für eine Perspektive und Bearbeitung, die sie maximal hart und bedrohlich erscheinen lässt.
Natürlich darf Journalismus Haltung haben. Natürlich darf ein Magazin kommentieren und provozieren.
Aber gerade ein Medium, das sich selbst als journalistische Instanz versteht, muss sich die Frage gefallen lassen, wo Einordnung aufhört und politische Inszenierung beginnt.
Mich stört dabei vor allem die historische Bildsprache. Begriffe wie „Stürmer“, „Faschismus“, „Landesverräter“ oder die visuelle Nähe zu den dunkelsten Kapiteln deutscher Geschichte sind keine beiläufigen Gestaltungsmittel. Sie erzeugen Assoziationen, noch bevor der Leser eine einzige Zeile des dazugehörigen Artikels gelesen hat.
Und genau darin liegt für mich das Problem:
Wer ständig vor Manipulation, Populismus und politischer Stimmungsmache warnt, sollte besonders sorgfältig darauf achten, diese Methoden nicht selbst zu benutzen.
Journalismus sollte dem Leser Informationen liefern, damit er sich eine Meinung bilden kann.
Er sollte ihm die Meinung nicht schon auf dem Titelblatt fertig verpackt mitliefern.«

Prof. Susanne Schröter schreibt:

…Dass es sich beim neuesten journalistischen Elaborat um erstklassige Wahlkampfunterstützung für die AfD handelt, die sich anschickt, nach dem 6. September erstmals die Regierung in einem deutschen Bundesland zu stellen, ist außerhalb der Spiegel-Redaktion jedenfalls weitgehend unumstritten. Sogar der ehemalige Linke-Fraktionschef im Bundestag, Dietmar Bartsch, zeigte sich im Interview mit Die Welt fassungslos über die Stigmatisierung Ulrich Siegmunds, fand dazu Worte wie „irre“, „ahnungslos“ oder „unverantwortlich“ und ließ seine Kritik in den Satz münden: „Der gefährlichste Mann – das sind die Leute, die Autos in den CSD fahren lassen. Das sind gefährliche Menschen, weil sie Leben riskieren.“
Es ist allerdings überhaupt nicht nötig, einen linken Parteifunktionär zu konsultieren, um zu ahnen: Wenn ausgerechnet der Spiegel einen sachsen-anhaltischen AfD-Volkstribun dämonisiert, dem dort laut Umfragen ohnehin schon mehr als 40 Prozent der Wähler in teilweise heller Begeisterung folgen, dürften sich sehr viele bisher Unentschiedene reflexhaft sagen: Dann eben doch!
Anna Nguyen findet sogar etwas Positives an der Sache:
Habe mir mal die Spiegel Titelstory angetan, damit ihr euch die 7,10€ spart. Also, was steht da so drin?
„Bei der Linken sagt man hinter vorgehaltener Hand: So jemanden bräuchten wir auch. Man ist neidisch auf hochwertige Videos von Simson-Ausfahrten. Oder von Clips, in denen er zum Beispiel in der Walzengießerei mit anpackt.“
„Es wirkt, als ziehe er aus diesen Begegnungen Energie. Andere Politiker sehen nach langen Wahlkämpfen ausgezehrt aus, werden dick oder dünn. Siegmund sieht immer gut aus – und weiß das.“
„In der Union und Teilen der Medien wächst der Fatalismus. Vielleicht, sagen viele, lässt es sich dieses Jahr wirklich nicht mehr verhindern.“
„Charmant und einnehmend sei er gewesen, »ein Schulschwarm«, »sehr erfolgreich bei Frauen«.“
Den Rest kann man sich sparen. Ich finde diese Zeilen ausgesprochen positiv und hätte niemals gedacht, dass der Spiegel mal so viel Werbung für uns machen würde.
Was sagt eigentlich die Konkurrenz dazu?

Es bleibt auf jeden Fall spannend – den Untergang der linken Vorherrschaft zu beobachten. Man hole uns Popcorn.
























