Vorletzte Woche brachte es Sven Hüber, der Vizechef der Gewerkschaft der Polizei (GdP), zu bundesweiter Aufmerksamkeit, als er in einem flammenden, von Lügen und aberwitzigen historischen Vergleichen triefenden Text in seiner Gewerkschaftszeitung forderte, die Polizei in Sachsen-Anhalt solle einer möglichen AfD-Landesregierung den Gehorsam verweigern und sogar von einem „inneren Notstand“ faselte, falls die AfD an die Macht käme. Dabei dürfte er nicht einkalkuliert haben, dass sein skandalöser Beitrag die Aufmerksamkeit auch auf ihn selbst und seine illustre Karriere werfen würde. Hüber trat nämlich noch Mitte der 80er-Jahre den DDR-Grenztruppen bei und war dort als Politoffizier für deren ideologische Indoktrinierung zuständig.
Mit welchem Fanatismus er diese Aufgabe erfüllt haben sol, berichtete nun der ehemalige DDR-Grenzsoldat Axel Krause gegenüber „Apollo News“. Bei der Stasi herrschte 1988 Besorgnis, weil es an den Abschnitten der Grenzregimenter 33 und 36 zu „insgesamt 61,5 Prozent der versuchten und 65,2 Prozent der vollendeten ungesetzlichen Grenzübertritte“ gekommen sei. Die Soldaten würden teilweise zögern, die Schusswaffe einzusetzen, wurde kritisiert. Als Gegenmittel empfahl man die „erzieherische Arbeit“ – also genau Hübers Aufgabenbereich. Es gehe um die Vermittlung „eines aktuellen, konkreten und aufgabenbezogenen Feindbildes mit dem Ziel der Erhöhung der politischen Wachsamkeit und Standhaftigkeit der Angehörigen der Grenztruppen der DDR“ – im Klartext also um die Steigerung der Bereitschaft, die eigenen Landsleute zu erschießen, wenn sie aus der SED-Diktatur fliehen wollten. Dem kam Hüber dann auch eifrig nach. Nachdem ein Gefreiter im Januar und April 1988 Flüchtlinge verfehlt habe, sei er von der Stasi abgeholt und zuerst tage-, dann wochenlang verhört und nach dem zweiten Vorfall von Hüber vor versammelter Mannschaft durch Abreißen der Schulterstücke degradiert und als Verräter bezeichnet worden, dem bis zu fünf Jahre Militärgefängnis drohten.
Hüber dementiert Anschuldigungen – trotz erdrückender Beweislast
Mit Hilfe des Historikers und DDR-Experten Hubertus Knabe konnte „Apollo News“ diesen von Krause geschilderten Vorfall durch Archivbelege bestätigen. Krause berichtet auch -mit einer strafbewehrten eidesstattlichen Versicherung-, dass Hüber einem festgenommenen Flüchtling die Pistole in den Mund gesteckt und den am Boden liegenden Mann später dreimal ins Gesicht getreten habe. Das ist also der Mann, der sich heute als Hüter der freiheitlich-demokratischen Grundordnung und Vorkämpfer gegen die AfD aufspielt. Hüber ist der Typus, den man aus der deutschen Geschichte nur allzu gut kennt: ein gnadenloser Opportunist und Karrierist, der sich jedem Regime andient und sich überall durch besonderen Eifer hervortut und dabei über Leichen geht. Dass er seine Karriere nach der Wende bei der bundesdeutschen Polizei fortsetzen und auch noch zum hochrangigen und einflussreichen Gewerkschaftsfunktionär aufsteigen konnte, war an sich schon ein Skandal, der durch die Schilderungen Krauses aber eine noch größere Dimension bekommt.
Gegenüber „Apollo News“ ließ Hüber sämtliche Vorwürfe in einem sechsseitigen Anwaltsschreiben bestreiten, aus dem aber nicht zitiert werden darf. In diesen Tagen geht er in Pension. Vermutlich dachte er, seine Forderungen zum Widerstand gegen die AfD hätten deshalb keine Folgen mehr für ihn. Aufgrund der jüngsten Enthüllungen muss nun erst recht geprüft werden, ob es Möglichkeiten gibt, dienstrechtlich gegen ihn vorzugehen. Idealerweise müsste ihm die Pension komplett gestrichen werden. Nun darf man gespannt sein, ob das Innenministerium sich auch noch dafür hergibt, ihn offiziell und ehrenvoll zu verabschieden, wie es eigentlich geplant ist. (TPL)






















