Franz Josef Strauß selig ist online! Gerade traf sein Redemanuskript vom 2. September, via Starlink ein – und es wirkt in Berlin wie ein Donnerschlag. Kein Stein bleibt auf dem anderen.
Hören wir uns einfach seine Rede im Geiste an:
Meine Damen und Herren,
ich bin lange nicht mehr unter euch gewesen. Aber wenn ich sehe, was aus CDU und CSU geworden ist, dann frage ich mich: Bin ich zu früh gegangen? Oder ist der politische Verstand gegangen? Früher wussten wir, wofür wir standen. Die Leute wussten es auch. Heute schaut man auf die CDU und fragt sich: Was wollt ihr eigentlich noch?
Ich sage euch etwas, was mir schwerfällt. Ihr habt vieles aufgegeben, wofür wir früher gekämpft haben. Ihr habt unsere alten Werte aufgegeben. Und leider gilt das auch für Teile meiner CSU. Früher hieß es: Bleibt dabei! Heute heißt es bei euch offenbar: Hauptsache, keiner schimpft.
Und diese ganze Geschichte hat einen Namen: Angela Merkel.
Sechzehn Jahre ging es Stück für Stück in eine andere Richtung. Kernkraft weg. Wehrpflicht weg. Alte CDU-Positionen weg. Bei der Zuwanderung durfte kaum noch einer sagen: So geht das nicht weiter. Und wer in der eigenen Partei den Mund aufmachte, bekam Ärger.
Wer sagte: Wir haben auch konservative Wähler, wurde plötzlich selbst zum Problem.
Ja, seid ihr denn narrisch?
So geht man doch mit seinen eigenen Leuten nicht um!
Ich habe einmal gesagt: Rechts von uns darf es keine demokratisch legitimierte Partei geben. Und was hieß das? Ganz einfach: CDU und CSU müssen dafür sorgen, dass diese Leute bei uns bleiben!
Bei uns!
Wir mussten ihnen sagen: Ihr gehört zu uns. Eure Sorgen sind auch unsere Sorgen. Eure Werte sind auch unsere Werte.
Und was habt ihr gemacht?
Ihr habt ihnen gesagt: Eure Meinung gefällt uns nicht mehr.
Ihr seid uns zu konservativ.
Ihr seid uns zu unbequem.
Geht doch!
Und sie sind gegangen.
Ja, wohin denn?
Zur SPD?
Zu den Grünen?
Natürlich sind viele zur AfD gegangen!
Und jetzt jammert ihr über die AfD.
So ein Schmarrn!
Ihr seid nicht mehr dabei, rechts überholt zu werden.
Ihr seid längst überholt worden!
In Sachsen-Anhalt steht die AfD bei 42 Prozent.
Zweiundvierzig Prozent!
Und die CDU?
Zweiundzwanzig!
Noch einmal: 42 zu 22!
Die AfD ist nicht neben euch.
Die ist euch davongefahren!
Und ihr steht noch am Straßenrand und diskutiert darüber, ob Überholen überhaupt erlaubt war.
Meine Damen und Herren, irgendwann wird es lächerlich.
Da braucht ihr keine Arbeitsgruppe mehr.
Da braucht ihr kein dickes Papier.
Da braucht ihr keinen neuen Werbespruch.
Und da braucht ihr auch keinen Generalsekretär, der euch erklärt, man müsse den Leuten die eigene Politik nur besser erklären.
Nein!
Wer 42 Prozent nicht sieht, muss zum Augenarzt!
Wer seit Jahren nicht hört, was die Leute sagen, muss zum Ohrenarzt!
Und wenn Augenarzt und Ohrenarzt beide nichts mehr machen können, dann schaut gleich nach einem Pflegeplatz für das Konrad-Adenauer-Haus!
Denn irgendwann muss man doch merken, was los ist!
Ich habe einmal einem Gegner zugerufen: In welcher Welt leben Sie? In Ihrer Traumwelt!
Heute frage ich euch:
In welcher Welt lebt ihr eigentlich?
In Deutschland?
Oder in eurer Traumwelt?
Wenn Millionen Menschen sagen: Es kommen zu viele Menschen ins Land, dann sind diese Menschen da.
Ihr könnt sie nicht wegreden.
Ihr könnt sie nicht wegschimpfen.
Ihr könnt sie auch nicht jeden Abend belehren.
Wenn die Stromrechnung steigt, dann steigt sie.
Wenn Firmen Leute entlassen, dann verlieren Menschen ihre Arbeit.
Wenn Geschäfte schließen, dann sind sie zu.
Und wenn eine Partei 42 Prozent hat, dann hat sie 42 Prozent!
Ihr könnt daraus keine zwölf Prozent machen, weil euch die Zahl besser gefallen würde.
Die Wirklichkeit fragt euch nicht, ob sie euch passt.
Sie ist einfach da!
Und genau das habt ihr verlernt.
Angela Merkel hat die Probleme nicht abgeschafft.
Sie hat der CDU beigebracht, anders darüber zu reden.
Man gab den Dingen andere Namen.
Dann tat man so, als seien die Probleme kleiner.
Aber draußen haben die Leute gemerkt: Sie sind noch da!
Ihr könnt ein Loch im Dach auch „ungeplante Frischluftzufuhr“ nennen.
Wenn es regnet, wird das Wohnzimmer trotzdem nass!
So einfach ist das!
Dann kam Friedrich Merz.
Viele dachten: Jetzt wird aufgeräumt.
Jetzt kommt einer, der Klartext redet.
Einer, der weiß: Geld muss erst verdient werden.
Einer, der weiß: Eine Grenze ist eine Grenze.
Einer, der weiß: Die alten CDU-Wähler sind keine Last.
Das sind unsere Leute!
Dann kam die Bundestagswahl 2025.
Politikwechsel, habt ihr gesagt.
Schuldenbremse, habt ihr gesagt.
Und nach der Wahl sah vieles plötzlich anders aus.
Meine Damen und Herren, ein Wahlprogramm ist doch kein Adventskalender!
Ihr könnt doch nicht jeden Morgen ein Türchen öffnen und sagen: Ach, das gilt heute auch nicht mehr!
Wenn ihr vor der Wahl etwas versprecht, dann müsst ihr euch nach der Wahl daran erinnern.
So schwer ist das doch nicht!
Sonst glauben euch die Leute irgendwann kein Wort mehr.
Und dann kommen wir zu eurer größten Meisterleistung.
Die Brandmauer.
Meine Damen und Herren, da muss ich euch beinahe gratulieren.
Ihr habt etwas geschafft, was noch kein Maurermeister geschafft hat.
Ihr habt eine Mauer gebaut, die den anderen gar nicht einsperrt.
Sie sperrt euch selbst ein!
Die AfD steht draußen bei 42 Prozent.
Die CDU sitzt drinnen bei 22 Prozent.
Und jetzt schaut ihr euch um.
Wer hilft uns?
Wer hält uns an der Regierung?
Und plötzlich entdeckt ihr die Linke!
Ja, seid ihr denn endgültig narrisch geworden?
Die Partei Ludwig Erhards!
Die Partei der Sozialen Marktwirtschaft!
Die Partei des Eigentums!
Und die soll jetzt möglicherweise von Stimmen der Linken leben!
Und dann erklärt ihr uns: Das ist keine Zusammenarbeit.
Das ist Tolerierung.
Tolerierung!
Ein schönes Wort.
Auf Deutsch heißt das: Die Linke hält euch am Leben.
Wenn ein Mann jeden Abend bei seiner Geliebten schläft und morgens seiner Frau sagt, das sei keine Beziehung, sondern nur eine wechselnde Übernachtungsmehrheit, dann weiß wenigstens seine Frau, was los ist!
Aber ihr glaubt offenbar: Wenn wir einer Sache einen anderen Namen geben, dann wird daraus etwas anderes.
Nein!
Eine Kuh bleibt eine Kuh.
Auch wenn ihr sie zum Milchversorgungsbeauftragten ernennt!
Und jetzt frage ich euch:
Wer hat denn die AfD so groß gemacht?
Wer hat die alten CDU-Wähler vergrault?
Wer hat diesen Leuten gesagt: Ihr passt nicht mehr zu uns?
Wer hat jahrelang nach links geschielt und gehofft, dort Beifall zu bekommen?
Das wart ihr!
Die AfD hat Angela Merkel nicht gezwungen.
Die AfD hat Friedrich Merz nicht gezwungen.
Kein Mensch hat euch gezwungen, eure alten Wähler schlecht zu behandeln.
Das habt ihr ganz alleine geschafft!
Und jetzt beschwert ihr euch über das Ergebnis.
Das ist, als würde einer die Haustür offenlassen, drei Wochen in Urlaub fahren und nachher die Polizei anschreien, weil die Wohnung leer ist!
Ihr habt den Fehler gemacht!
Ihr!
Nicht die Wähler!
Und dann beschimpft ihr auch noch die Leute, die euch verlassen haben.
Was sollen die denn machen?
Zurückkommen und sich noch einmal beschimpfen lassen?
So blöd sind die Leute nicht!
Ich sage euch noch etwas.
Und das hätte ich früher selbst kaum für möglich gehalten.
Gut, dass diese Menschen überhaupt noch wählen gehen.
Gut, dass sie noch glauben, mit ihrem Stimmzettel etwas ändern zu können.
Ja!
Ihr habt richtig gehört!
Mir wäre lieber gewesen, sie wären bei CDU und CSU geblieben.
Natürlich!
Dafür hätte ich gekämpft!
Ich wollte keine große Partei rechts von uns.
Ich wollte, dass diese Leute bei uns bleiben.
Aber dann muss man sie auch behalten wollen!
Dann muss man ihnen zuhören.
Dann muss man ihre Sorgen ernst nehmen.
Dann muss man sagen: Ihr gehört zu uns.
Ihr aber habt vielen gesagt: Geht doch!
Und sie sind gegangen.
Dann könnt ihr hinterher nicht schreien: Wie könnt ihr nur!
Nicht die Wähler haben zuerst die CDU verlassen.
Die CDU hat zuerst ihre Wähler verlassen!
Merkt euch diesen Satz!
Schreibt ihn groß an die Wand im Konrad-Adenauer-Haus!
Die CDU hat zuerst ihre Wähler verlassen!
Und dann habt ihr noch etwas gemacht.
Ihr wolltet unbedingt Beifall von Leuten, die euch sowieso nie wählen.
Das ist wie beim Metzger, der unbedingt Ehrenvorsitzender im Vegetarierverein werden will.
Erst schafft er die Schweinshaxe ab.
Dann die Weißwürste.
Dann den Leberkäse.
Dann nimmt er auch noch das Schild „Metzgerei“ von der Tür.
Und am Ende klatschen vielleicht die Vegetarier.
Nur seine alten Kunden sind längst beim Metzger gegenüber!
Genau das habt ihr gemacht!
Ihr wolltet den Beifall der Falschen.
Und dafür habt ihr eure eigenen Leute verloren.
Das ist keine Erneuerung!
Das ist Selbstmord mit Anlauf!
Und hört endlich auf, den Bürger zu erziehen!
Der Wähler arbeitet nicht für die CDU!
Der Wähler schuldet Friedrich Merz nichts!
Der Wähler ist auch kein Schulkind, dem ihr jeden Abend die richtige Meinung ins Heft schreibt!
Der Wähler entscheidet!
Ihr müsst ihn überzeugen.
Wenn ihr das nicht schafft, dann verliert ihr.
So einfach ist Demokratie!
42 Prozent könnt ihr nicht wegreden.
42 Prozent könnt ihr nicht wegschimpfen.
42 Prozent könnt ihr nicht hinter eine Mauer stellen und so tun, als seien sie verschwunden.
Das sind Menschen!
Das sind Bürger!
Das sind Wähler!
Und jeder von denen hat eine Stimme!
Genau wie ihr!
Meine Damen und Herren, wenn CDU und CSU wieder stark werden wollen, dann braucht ihr keinen neuen Werbespruch.
Ihr braucht keine neue Kommission.
Ihr braucht auch kein Papier mit 80 Seiten, das anschließend keiner liest.
Ihr müsst wieder sehen!
Ihr müsst wieder hören!
Und ihr müsst endlich verstehen, warum euch die Leute davongelaufen sind!
Früher musste ein CDU-Wähler nicht jeden Morgen prüfen, ob seine Meinung heute noch zur CDU passt.
Er wusste: Das ist meine Partei.
Die steht für etwas.
Da weiß man, woran man ist.
Heute weiß man bei euch manchmal am Montag nicht, ob das, was am Freitag noch richtig war, am Mittwoch schon verdächtig ist!
So kann man doch keine Volkspartei führen!
Eine Volkspartei muss den Leuten Heimat geben.
Sie darf sie nicht ständig erziehen.
Sie darf sie nicht beschimpfen.
Und sie darf schon gar nicht so tun, als wären Millionen eigene frühere Wähler plötzlich das größte Problem des Landes.
Nein!
Euer Problem sind nicht die Wähler.
Euer Problem seid ihr selbst!
Ihr habt unsere alten Werte aufgegeben.
Ihr habt viele unserer alten Wähler verärgert.
Ihr habt sie zur Konkurrenz getrieben.
Und jetzt steht ihr am Fenster.
Ihr schaut ihnen hinterher.
Und ihr schimpft auch noch, weil sie beim Nachbarn eingezogen sind!
Ja, was erwartet ihr denn?
Dass sie zurückkommen, weil ihr sie noch lauter beschimpft?
Dass die AfD kleiner wird, weil ihr die Brandmauer höher baut?
Das versucht ihr jetzt seit Jahren!
Und was passiert?
Die AfD wird größer.
Ihr werdet kleiner.
Die AfD wird größer.
Ihr werdet kleiner.
Die AfD wird größer.
Ihr werdet kleiner!
Meine Damen und Herren, wenn ein Bauer drei Jahre hintereinander dasselbe anbaut und dreimal nichts erntet, dann macht er im vierten Jahr etwas anderes.
Nur die CDU sagt offenbar: Wir machen genau so weiter. Irgendwann muss der Acker doch einsehen, dass wir recht haben!
Ja, seid ihr denn narrisch?
Wenn ihr jahrelang dasselbe macht und immer dasselbe schlechte Ergebnis bekommt, dann liegt es vielleicht nicht am Wähler.
Vielleicht liegt es an euch!
So schwer kann das doch nicht sein!
Und wenn ihr selbst bei 42 zu 22 noch glaubt, alle anderen müssten sich ändern, nur ihr nicht, dann frage ich euch zum letzten Mal:
In welcher Welt lebt ihr eigentlich?
In Deutschland?
Oder immer noch in eurer Traumwelt?
Macht endlich die Augen auf!
Macht endlich die Ohren auf!
Und hört auf, euch die Welt schönzureden!
Denn eines sage ich euch:
Die Wirklichkeit interessiert sich nicht für eure Brandmauer.
Die Wirklichkeit interessiert sich nicht für eure Parteitagsbeschlüsse.
Und die Wirklichkeit fragt auch nicht in Berlin um Erlaubnis.
Sie ist einfach da!
Und der Wähler auch!






















