Ein Fehlgriff und Milliönchen können in den Sand oder ins Lastenfahrrad gesetzt werden. Blicken wir daher zunächst auf politikbefreite Auswählen von Briefen.
Bevor ausgewählte Briefe zur Auktion gelangen, untersuchen Gutachter Papier, Tinte, Handschrift und Herkunft auf ihre Echtheit, was auch heute eine gute Übung wäre.
Einsteins Brief, vom Käufer für 2,9 Millionen Dollar ausgewählt
Albert Einstein schrieb 1954 an den Philosophen Eric Gutkind. Darin legte er seine Ansichten über Gott, die Bibel und die jüdische Religion dar. Der sogenannte Gottesbrief wechselte bereits 2008 für rund 400.000 Dollar den Besitzer. Zehn Jahre später wurde er erneut versteigert. Zwei anonyme Telefonbieter lieferten sich vier Minuten lang ein Kopf-an-Kopf-Rennen. Bei 2.892.500 Dollar fiel bei der Auktion der Hammer.
Die Briefwahl 2008 hat das persönliche Wohlergehen des früheren Besitzers zweifellos verbessert. Innerhalb von zehn Jahren hatte sich der Preis mehr als versiebenfacht. Ähnliche wundersame Vermehrungen wurden im profanen politischen Bereich noch nie beobachtet, eher das Gegenteil.
Washington verspricht eine Verfassung
Auch George Washington stellte sich zur Wahl. Sein vierseitiger Brief von 1787 war an seinen Neffen Bushrod gerichtet. Darin warb Washington für die Annahme der neuen amerikanischen Verfassung. Ein durch und durch politischer Wahlunterstützungsbrief.
Sein Wahlprogramm überzeugte, wie wir wissen. Im Jahre 2009 wurde dieser Brief bei Christie’s für 3,2 Millionen Dollar versteigert. Das sind 800.000 Dollar je Seite. Heutige Parteiprogramme besitzen erheblich mehr und sogar regenbogenfarbige Seiten, gelangen aber nie zur Versteigerung.
Napoleons Wahlbrief warb mit Liebe
Napoleon setzte bei seiner Briefwahl nicht auf Verfassung und Vernunft, sondern auf Gefühle. Drei Liebesbriefe an Joséphine wurden 2019 in Paris für zusammen 513.000 Euro versteigert. Der Feldherr, vor dem halb Europa zitterte, schrieb seiner Frau sehnsüchtige Zeilen. Doch die Ehe wurde später geschieden, wie heutzutage auch so manche Koalition. Das Liebeswahlprogramm hielt damit nicht ganz so lange wie seine Briefe.
Sechs Millionen Dollar für einen Brief über Biologie
Den teuersten Brief verfasste der britische Wissenschaftler Francis Crick. Im März 1953 schrieb er seinem zwölfjährigen Sohn Michael einen sieben Seiten langen Brief. Darin erklärte er ihm die gerade entdeckte Doppelhelix der DNA. Im Jahre 2013 brachte dieser Brief einschließlich Auktionsaufgeld 6.059.750 Dollar. Das war vermutlich die teuerste Biologiestunde der Welt. Andere Väter erklären ihren Kindern beim Abendessen, wie Politik und Briefwahlen angeblich funktionieren. Crick schrieb es auf und bescherte der Familie Jahrzehnte später ein Vermögen.
Tante Erna kandidiert für zwei Euro
Menschen mit kleinerem Einkommen sind von der Briefwahl nicht ausgeschlossen. Auf Flohmärkten, wie auch in Magdeburg an der Elbe, stehen Schuhkartons voller alter Ansichtskarten und Briefe. Dort meldet Tante Erna aus Bad Oeynhausen: „Wetter schön, Essen gut, Füße tun weh. Kommen Sonntag zurück.“ Wenn doch die Briefwahl nur ebenso einfach wäre.
Doppelte Wahlunterlagen erhöhen den Sammlerwert
Auch politische Briefwahlunterlagen können eines Tages Sammlerwert entwickeln. Besonders kostbar dürften doppelt zugestellte Exemplare werden. Bei historischen Briefen prüfen Sachverständige Papier, Tinte, Unterschrift, Herkunft und jeden Vorbesitzer. Schließlich möchte niemand Millionen für ein Original bezahlen, das unverhofft doppelt auftaucht. Bei der politischen Briefwahl wird dieselbe Gewissenhaftigkeit erwartet.
Die teuerste Briefwahl ist schließlich nicht jene, bei der ein Brief sechs Millionen Dollar kostet. Am teuersten wird sie, wenn die Bürger nicht mehr glauben, dass jede Stimme richtig gezählt wird. Dann zahlt nicht der Sammler. Dann zahlt das ganze Land.






















