In seiner Wut, in seiner Verzweiflung und Hilflosigkeit hat Friedrich Merz in der letzten Bundestagsdebatte, die eher einer Generalabrechnung über die miserable Politik der Bundesregierung glich, verglich der Kanzler die Remigrationsforderungen der AfD mit einer ethnischen Säuberung.
Dazu muss man folgendes wissen:
Heute hat dieser Bundeskanzler Merz im Deutschen Bundestag das Wort „ethnische Säuberung“ in den Mund genommen.
Nicht um die 12 bis 14 Millionen Deutschen zu ehren, die 1945 bis 1950 aus ihrer Heimat gejagt, vergewaltigt, beraubt und zum Teil ermordet wurden.
Nein.
Er hat es benutzt, um die AfD zu beschimpfen.
Und ich frage mich:
Wo war dieser moralische Furor, als Millionen Deutsche über das Eis des Frischen Haffs flohen, während sowjetische Soldaten und polnische Milizen hinter ihnen her waren?
Wo war er, als Frauen und Kinder in den Trecks erfroren, verhungerten oder in den Lagern verreckten?
Wo war er, als ganze Landstriche (Ostpreußen, Schlesien, Pommern) ethnisch gesäubert wurden und niemand in den Siegermächten auch nur mit der Wimper zuckte?
Damals war es „ordnungsgemäße Überführung“.
Damals war es „notwendige Folge des Krieges“.
Damals durfte man es nicht so nennen, wie es war.
Heute, achtzig Jahre später, holt derselbe Staat, der die Opfer dieser Säuberung jahrzehntelang im Stich gelassen und ihre Erinnerung kleingeredet hat, plötzlich dasselbe Wort heraus, aber nur, um es gegen die politische Konkurrenz zu schleudern.
Das ist nicht nur Heuchelei.
Das ist eine Frechheit.
Das ist ein Schlag ins Gesicht jedes Vertriebenen und jedes Nachfahren, der noch weiß, was seine Familie durchgemacht hat.
Merz steht da und moralisiert über „ethnische Säuberung“, während die Gräber der Vertriebenen in den Ostgebieten längst umgepflügt und die deutschen Ortsnamen ausgelöscht sind.
Während die Erinnerung an dieses Verbrechen in deutschen Schulen und Medien oft nur als Fußnote vorkommt, wenn überhaupt.
Und dann wundert man sich, warum die Leute wütend werden?
Ihr dürft das Wort benutzen, wenn es gegen die Rechten geht.
Aber wehe, jemand benennt die historische Wahrheit über die deutsche Vertreibung mit demselben Begriff.
Dann ist man plötzlich „relativierend“, „revisionistisch“, „gefährlich“.
Das ist der blanke Zynismus der Macht.
Das ist die selektive Moral, die einem den Magen umdreht.
Zwölf bis vierzehn Millionen Menschen.
Hunderttausende Tote.
Eine der größten ethnischen Säuberungen des 20. Jahrhunderts und der deutsche Bundeskanzler benutzt denselben Begriff, als wäre er ein politisches Kampfwort für den Bundestagskampf, nicht als Erinnerung an das, was den eigenen Vorfahren angetan wurde.
Schämt euch.
Schämt euch alle, die das mitspielen.
Meine Wut ist berechtigt und sie wird nicht weniger.😠
Man möge es mir als familiär Betroffene verzeihen.
Matthias v. Diener schreibt:
Experten widersprechen Merz. Oder: Sogar die Bild muss dem Hobbykanzler das Wörterbuch wegnehmen
Hallo ihr Realisten, willkommen im Land des betreuten Denkens.
Bild. Ausgerechnet Bild. Das Blatt, das an der AfD sonst kein gutes Haar lässt, stellt sich hin und zerpflückt den Satz vom Pult. Historiker. Andreas Rödder, Neueste Geschichte, selbst CDU. Was die AfD migrationspolitisch fordert, mag man ablehnen. Eine ethnische Säuberung, wie man sie aus der Geschichte kennt, stets mit Gewalt, ist es nicht. Michael Wolffsohn: Bei aller Kritik an den Remigrationsplänen keine Rede von ethnischer Säuberung. Eine gewaltsame Vertreibung erkenne er bei der AfD nicht.
Ach so.
Der Aufreger-Satz des Tages überlebt den Nachmittag nicht. Merz macht aus Abschiebung Ausreisepflichtiger nach Gesetz eine Säuberung nach Hautfarbe. Zwei Historiker, einer aus der eigenen Partei, legen das Wort zurück in den Schrank, aus dem man es nur holt, wenn man keine Argumente mehr hat. Die Gefahr für Deutschland sitzt nicht in der Fraktion gegenüber. Sie steht hinterm Rednerpult, spielt Kanzler und nennt sich das manchmal als Hobby.
Bitte unbedingt den Begriff trotzdem weiter verwenden. Sonst merkt jemand, dass selbst Bild den Unterschied zwischen Gesetz und Völkermord noch kennt. Weiter kraftlos. Weiter kein roter Faden. Weiter 17,2 Prozent als Erfolg, weil 56 irgendetwas anderes angekreuzt haben. Die absolute Vollkatastrophe hat heute nicht die AfD geliefert. Die hat der Mann geliefert, der das schärfste Wort im Haus genommen hat und von der eigenen Zunft zurückgepfiffen wurde.
Neue Staatskunst: Wer keine Mehrheit hat, leiht sich ein Wort aus dem Tribunal. Wer Historiker braucht, findet sie in der Bild. Wer Kanzler spielt, spielt weiter. Captain Smith bleibt auf der Brücke und erklärt den Eisberg für eine ethnische Frage.
Weiter so. Sonst bleibt von der Generaldebatte nur die Korrektur. Und die kommt nicht von uns. Die kommt von einem Blatt, das die AfD sonst zerlegt. Heute hat es den Satz zerlegt. Den Satz vom Hobbykanzler.
Bernd Haake schreibt:






















