Atomkraft und Uran erleben weltweit einen Boom. Deutschland schaltet zwar seine eigenen Kernkraftwerke ab, verdient aber künftig an Brennstäben für Reaktoren russischer Bauart in Europa. Russisches Gas gilt als böse, russische Atomtechnik dagegen als gutes Geschäft.
Russisches Gas wurde uns weggesprengt. Besonderer Aufklärungsdrang ist in Berlin nicht zu erkennen. Doch bei russischer Atomtechnik ist Deutschland weniger kleinlich. Im niedersächsischen Lingen sollen künftig Uranbrennstäbe für Reaktoren russischer Bauart hergestellt werden. Mit russischen Lizenzen, russischer Technik und russischen Maschinen. Made in Germany nach russischem Rezept.
Russische Brennstäbe „Made in Germany“
Beim russischen Gas entdeckt Berlin die Moral. Bei russischen Brennstäben klingelt die Kasse. Das ist keine Doppelmoral. Das ist deutsche Arbeitsteilung. Hoch lebe die Freundschaft. Druschba!
Deutschland hat seine letzten Kernkraftwerke am 15. April 2023 abgeschaltet. Am 25. Oktober 2025 wurden auch noch die beiden 160 Meter hohen Kühltürme von Gundremmingen gesprengt. Sicher ist sicher. Was in Trümmern liegt, kann keine Kilowattstunde mehr erzeugen. Doch andere Länder waren weniger fortschrittlich.
Unsere Kühltürme sind schon weg
In Bulgarien, Finnland, Ungarn, der Slowakei und Tschechien stehen weiterhin Reaktoren russischer Bauart. Sie liefern Strom, auch wenn der Wind seinen freien Tag nimmt und die Sonne pünktlich Feierabend macht.
Ohne passende Brennstäbe gingen dort irgendwann die Lichter aus. Bei aller Völkerfreundschaft, so weit darf es natürlich nicht kommen. Deshalb hilft Deutschland. Wir liefern zwar keinen eigenen Atomstrom mehr, dafür aber demnächst die Brennstäbe.
Deutsche Brennstäbe halten das Licht am Laufen
Von Helsinki bis Sofia sollen Reaktoren russischer Bauart weiterhin Strom liefern. Die Uranbrennstäbe kommen künftig auch aus Deutschland. Deutsche Ingenieurskunst hält in Europa die Lichter an, während bei uns wieder über Gasmangel, niedrige Speicherstände und Dunkelflauten geklagt wird.
Besonders hübsch ist der Blick nach Tschechien. Dort erzeugen sechs Reaktoren „Made in Russland“, in Dukovany und Temelín rund 40 Prozent des Stroms. Deutschland handelt Strom mit seinen Nachbarn und kauft auch in Tschechien ein. An der Grenze wird tschechischem Atomstrom offenbar die politische Absolution erteilt. Sobald er Deutschland erreicht, verliert er seine Gefährlichkeit. Deutschland exportiert Versorgungssicherheit und behält die Energiewende. Man kann ja schließlich nicht alles verschenken.
Tausche Brennstäbe gegen Flüssiggas
Am 11. September wurde bekannt, dass der Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland, kurz BUND, vor dem Oberverwaltungsgericht Lüneburg gegen die Genehmigung klagt. Der grüne niedersächsische Umweltminister Christian Meyer, Grüne, hält die Zusammenarbeit mit dem russischen Staatskonzern Rosatom selbst für „grundfalsch“.
Sein Ministerium genehmigte sie trotzdem. Grundfalsch ist in Deutschland offenbar noch lange kein Ablehnungsgrund. Und Nun wird in Deutschland kräftig daran mitverdient, dass Reaktoren russischer Bauart in befreundeten europäischen Bruderstaaten weiterlaufen.
Geld regiert die Welt
Mit den Gewinnen aus der Brennstabproduktion in Niedersachsen können wir anschließend amerikanisches Flüssiggas kaufen. Das Gas reist über den Atlantik, der Atomstrom über die Grenze und das Geld einmal um die Welt. Eigentlich alles ganz logisch, oder etwa nicht?
Money makes the world go round: Geld regiert die Welt. Wie gut, dass wir dann Atomstrom aus tschechischen Reaktoren russischer Bauart erhalten!






















