Energiebedarf für Rechenzentren: Auch hier ist China weitaus fortschrifttlicher (Symbolbild.KI)
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China: Es rattert die KI-Mühle am rauschenden Strom…

Früher stand die Kornmühle dort, wo der Bach kräftig genug rauschte und das Mühlrad antrieb. Heute stehen Rechenzentren dort, wo Strom billig und reichlich vorhanden ist. China hat das verstanden. Die EU entdeckt gerade, dass man künstliche Intelligenz nicht mit EU-Verordnungen antreiben kann.

Wo wurden früher Getreidemühlen gebaut? Am rauschenden Bach. Nicht, weil Müller Romantiker waren, sondern weil dort die Wasserenergie kostenlos floss. Das Wasser drehte das Mühlrad, das Rad bewegte die Mahlsteine. Wer den stärkeren Bach hatte, konnte mehr Weizen zu Mehl vermahlen.

Warum ausgerechnet die Innere Mongolei?

Das Prinzip hat sich nicht geändert. Nur die Mühle sieht heute anders aus. Sie ist voller Rechner und frisst Strom in gewaltigen Mengen. Künstliche Intelligenz braucht vor allem drei Dinge: Chips, Rechenzentren und verlässliche Energie. Energieüberschuss ist deshalb der größte Wettbewerbsvorteil unserer Zeit.

Ulanqab liegt nicht im Staat Mongolei, sondern in der chinesischen Autonomen Region Innere Mongolei, rund 350 Kilometer von Peking entfernt. Dort gibt es viel Fläche, ein kühles Klima, Wind und Sonne und dazu gewaltige Kohlekraftwerke.

Riesiger Rechenbedarf

China verlegt Rechenleistung dorthin, wo Energie und Platz vorhanden sind. Das staatliche Programm heißt sinngemäß: Daten aus dem Osten, Rechnen im Westen. Die großen Städte und Industriezonen Chinas liefern den Rechenbedarf, der Westen des Landes liefert Strom, Flächen und Kühlung.

In Ulanqab sind inzwischen mehr als fünf Millionen Serverschränke vertraglich vorgesehen. Rund 650.000 sind gebaut, etwa 430.000 bereits in Betrieb. Vor wenigen Jahren kannte den Ort außerhalb Chinas kaum jemand. Heute wächst dort ein riesiger Rechenzentrumsverbund für chinesische Technikkonzerne, berichtet die „The Times of India“.

Wozu braucht China diese Rechenleistung?

Nicht für besonders schnelle Katzenbilder auf Tiktok. KI wurde längst zum Werkzeug für fast jede moderne Branche. Sie steuert Fabriken, optimiert Lieferketten, programmiert Software, wertet Bilder aus, entwickelt Medikamente, lenkt Roboter und verarbeitet dazu gewaltige Datenmengen.

Unternehmen wie Alibaba und ByteDance benötigen dafür immer mehr Rechenleistung. China verbindet damit künstliche Intelligenz zunehmend mit Industrie, Verkehr, Handel und Verwaltung. Die Rechner in der Steppe arbeiten also letztlich für die Wirtschaftszentren Hunderte Kilometer weiter östlich.

Sogar Elon Musk warnt vor dem Strom-Engpass

Wer diese Rechenleistung billiger anbieten kann, kann KI auch schneller und billiger in seiner Wirtschaft einsetzen. Daraus entsteht ein Kreislauf: Günstiger Strom ermöglicht mehr Rechenzentren. Mehr Rechenzentren ermöglichen mehr KI. Mehr KI steigert die Produktivität. Die höhere Produktivität finanziert den nächsten Ausbau. Chinesische Waren werden leistungsfähiger – und vor allem preiswerter.

Elon Musk sagte, bei digitaler Intelligenz komme es letztlich auf Chips und Strom an. Außerhalb Chinas seien Strom und Kühlung inzwischen sogar der größere Engpass. In China fehlten derzeit vor allem modernste Chips. Musk hält China jedoch für näher an einer eigenen Lösung bei der Chipfertigung, als viele im Westen glauben.

Europa entdeckt gerade erst seinen Rückstand

Das ist der gefährliche Punkt. Amerikas Ausfuhrverbote können China bei Spitzenchips bremsen. Sie können aber keine chinesischen Kraftwerke abschalten und keine Steppe verkleinern. Wenn China auch diesen Chipengpass überwindet, besitzt es beides: Rechenbausteine und Energie im Überfluss.

Am 14. September warnte EZB-Präsidentin Christine Lagarde, Europa drohe bei künstlicher Intelligenz eine gefährliche Abhängigkeit. Die USA verfügten über rund 75 Prozent der weltweiten KI-Rechenkapazität, Europa über weniger als fünf Prozent, weiß Reuters. 75 zu 5!

Die EU will aufholen – fährt aber mit angezogener Handbremse

Beim Strom beginnt der Nachteil schon vorher. Nach Angaben der Internationalen Energieagentur lagen die Strompreise für energieintensive Unternehmen in der EU 2025 im Durchschnitt mehr als doppelt so hoch wie in den USA und fast 50 Prozent über denen Chinas.

Brüssel hat das Problem inzwischen erkannt. Bis zu sieben große KI-Rechenzentren sind vorgesehen. Bemerkenswert ist jedoch, was die EU-Kommission selbst als Hindernisse nennt: lange Genehmigungsverfahren sowie begrenzten Zugang zu Energie und Fläche. Gleichzeitig gilt seit dem 2. August 2026 ein umfangreiches europäisches Regelwerk für künstliche Intelligenz.

Bürokratie macht aus Rückstand keinen Vorsprung

Doch Vorschriften erzeugen keine einzige Kilowattstunde. Wer schon beim Strom einen Kostennachteil hat und darauf noch zusätzliche Bürokratie packt, macht aus einem Rückstand keinen Vorsprung. Ganz im Gegenteil. Der Letzte mache das Licht aus.

Die Mühle des 21. Jahrhunderts steht wieder dort, wo die Energie fließt. China baut den Bach gleich mit. Europa schreibt derweil die Mühlenordnung.

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