Wer kennt sie nicht, diese charmante Dame, die als Dauergast in vielen Talkshows das Publikum permanent mit klugen Anmerkungen (Rechts ist doof) beglückt und seit einiger Zeit sogar mit einem eigenen Podcast (Amann (Un)framed) die Medienlandschaft bereichert.
Sie hat zwar nur wenige tausend Abonnenten, aber dafür legt sie sich jedes Mal mächtig ins Zeugs, um ihre Gesprächspartner an die Wand zu nageln.
Nicht alle sind von dieser „Journalistin“ begeistert. Miss Eve hat ihr jetzt sogar einen Offenen Brief geschrieben. Der Grund: Ihre letzte Sendung, in der sie ihre „Konkurrentin“ Jasmin Kosubek über den Tisch gezogen hat.
Sehr geehrte Frau @MelAmann,
es ist schon ein bemerkenswertes Schauspiel, wenn ausgerechnet eine Journalistin anderen Journalisten öffentlich den Verlust von Vernunft, Sachlichkeit oder journalistischer Qualität vorwirft und dabei offenbar sehr selektiv entscheidet, welche Fakten einer Betrachtung würdig sind und welche besser dort bleiben, wo sie niemanden beim schönen Narrativ stören.
Sie haben versucht @JasminKosubek unter Berufung auf einen medizinischen Fachartikel öffentlich zu diskreditieren. Das kann man tun, journalistische Kritik gehört zu einer freien Gesellschaft, allerdings gilt auch für Sie ein kleiner, möglicherweise etwas lästiger Grundsatz:
Wer andere an den journalistischen Pranger stellt, sollte damit rechnen, dass irgendwann jemand die gleiche Lupe auf die eigene Arbeit richtet, denn bei COVID-19 gibt es inzwischen eine Vielzahl von Fragen, die man nicht dadurch verschwinden lassen kann, dass man diejenigen, die sie stellen, mit einem Etikett versieht.
Wie wurden Todesfälle tatsächlich erfasst?
Welche Rolle spielten Vorerkrankungen?
Wie wurde zwischen „an“ und „mit“ COVID unterschieden?
Welche unterschiedlichen Melde- und Zertifizierungspraktiken gab es international?
Wie zuverlässig sind Vergleiche zwischen Ländern, wenn unterschiedliche Teststrategien, Definitionen und Erfassungsmethoden verwendet wurden?
Und weshalb wird die Übersterblichkeit inzwischen von internationalen Institutionen selbst als wichtige zusätzliche Größe betrachtet?
Das sind keine Fragen aus irgendeinem Hinterzimmer des Internets, das sind Fragen, die wissenschaftlich und institutionell diskutiert worden sind und werden. Selbst die WHO weist darauf hin, dass gemeldete COVID-Todeszahlen aufgrund unterschiedlicher Test-, Melde- und Zertifizierungspraktiken kein vollständiges Bild der tatsächlichen Auswirkungen der Pandemie ergeben und dass deshalb auch die Übersterblichkeit im Hinblick auf die Impfungen betrachtet werden muss.
Unglaublich aber wahr: Eine Statistik ist nicht automatisch unangreifbare Wahrheit, nur weil sie aus einer offiziellen Quelle stammt. Das sollte insbesondere jemand wissen, der andere Menschen öffentlich wegen angeblich mangelnder Sachlichkeit beurteilt.
Noch interessanter wird es bei der Frage, wie innerhalb politischer und institutioneller Strukturen tatsächlich kommuniziert wurde. Nicht alles, was in einer Behörde, einem Ministerium oder einer internationalen Organisation besprochen wird, findet anschließend als hübsch formuliertes Dokument den Weg ins Internet. Wer ernsthaft glaubt, staatliche und internationale Kommunikation bestehe ausschließlich aus schriftlich archivierten Anweisungen, die später bequem per Suchmaschine gefunden werden können, hat vermutlich eine ausgesprochen romantische Vorstellung davon, wie Institutionen funktionieren.
Das Entscheidende ist deshalb nicht einmal, ob jede einzelne Behauptung, die während der Pandemie kursierte, richtig war, sondern, warum wurden manche Fragen überhaupt so behandelt, als dürften sie nicht gestellt werden? Genau dort beginnt die Grenze zwischen Aufklärung und vorgefertigtem Narrativ.
Nun kommen wir zu Ihrer journalistischen Arbeitsweise:
Sie scheinen ausgesprochen überzeugt davon zu sein, sehr genau zu wissen, welche Menschen seriös sind, welche Aussagen zulässig sind und welche Personen öffentlich diskreditiert werden dürfen. Das ist eine interessante Position. Nur ist Journalismus eigentlich etwas anderes, Journalismus bedeutet nicht, dem Publikum mitzuteilen, welche Meinung es anschließend gefälligst zu haben hat. Journalismus bedeutet, Fragen zu stellen, auch unangenehme oder gerade unangenehme. Und zwar nicht nur an diejenigen, die politisch auf der anderen Seite stehen, auch an die eigene -in Ihrem Fall offensichtlich linke- Seite.
Denn wenn eine Journalistin nur dann besonders energisch nach „Fakten“ verlangt, wenn die Fakten dem politischen Gegner schaden können, während sie bei den eigenen politischen Narrativen erheblich großzügiger mit Widersprüchen umgeht, entsteht irgendwann ein ziemlich unangenehmer Verdacht: Vielleicht geht es gar nicht mehr um Fakten, vielleicht geht es um die Auswahl der Fakten und das wäre für eine selbstgefällige Journalistin wie Sie doch eine ausgesprochen ungünstige Entwicklung.
Sie sind Juristin. Sie wissen daher vermutlich besser als viele andere, dass eine Behauptung nicht dadurch wahr wird, dass sie oft wiederholt wird. Sie wissen auch, dass man zwischen einer Tatsachenbehauptung, einer Interpretation, einer Bewertung und einem bloßen Verdacht unterscheiden sollte.
Warum also wird dieser Maßstab nicht konsequent auf alle Seiten angewandt?
Warum darf der eine Zweifel äußern, während der andere dafür öffentlich als unseriös dargestellt wird?
Warum wird eine unbequeme Frage nicht einfach beantwortet, sondern -insbesondere durch Sie- die Person angegriffen, die sie stellt?
Und warum scheint es inzwischen fast schon als journalistische Tugend zu gelten, Menschen möglichst schnell in politische Schubladen zu stecken?
Vielleicht wäre es an der Zeit, diese Methode einmal umzudrehen.
Nicht:
„Wer sagt das?“
Sondern:
„Ist es wahr?“
Nicht:
„Zu welchem politischen Lager gehört diese Person?“
Sondern:
„Welche Belege gibt es?“
Nicht:
„Passt das in unser bisheriges Narrativ?“
Sondern:
„Was machen wir, wenn die Fakten unserem Narrativ widersprechen?“
Das wäre Journalismus, der Rest ist politische Kommunikation mit Presseausweis.
Genau deshalb ist auch Ihre offensichtliche Begeisterung für die immer gleichen politischen Talkshowformate durchaus nennenswert. Man kann natürlich von einer Sendung zur nächsten tingeln, dort die immer gleichen Argumentationsmuster wiederholen und sich gegenseitig versichern, wie vernünftig man doch sei, aber dann wäre da noch eine Entwicklung, die Sie als politische Journalistin vielleicht nicht ganz ausblenden sollten:
Die politische Landschaft verändert sich. Friedrich Merz hat den Anspruch formuliert, dass die Zeit einer politischen Dominanz der Linken vorbei sei, und auch wenn man fehlende Ernsthaftigkeit seiner Aussage vermuten darf, die Wahlergebnisse der vergangenen Jahre zeigen deutliche Verschiebungen der politischen Kräfteverhältnisse. Bei der Bundestagswahl 2025 verloren SPD und Grüne gegenüber 2021 erheblich und auch die Umfragen zeigen ein klares Bild in Richtung Mitte-rechts-konservativ. Selbst die immer mehr linksorientierte CDU muss erhebliche Verluste hinnehmen.
Das bedeutet selbstverständlich nicht, dass „links“ über Nacht verschwunden wäre. Es bedeutet aber sehr wohl, dass sich die gesellschaftliche und politische Nachfrage verändert und dass es für Menschen, deren berufliche Sichtbarkeit bislang stark innerhalb eines bestimmten politischen und medialen Milieus funktioniert hat, eine durchaus spannende Zukunftsfrage geben könnte:
Was machen Sie eigentlich, wenn das Publikum irgendwann nicht mehr bereit ist, ihre immer gleichen politischen Deutungen zum x-ten Mal als journalistische Erkenntnis entgegenzunehmen?
Was machen Sie, wenn die Talkshow-Einladungen weniger werden, wenn die immer gleichen Gesprächsrunden irgendwann feststellen, dass es außerhalb ihrer eigenen politischen Blase inzwischen sehr viel mehr Menschen gibt, die widersprechen?
Wenn ein Teil des Publikums den Eindruck gewinnt, dass bestimmte Medien nicht mehr zwischen journalistischer Recherche und politischer Einordnung unterscheiden, sondern zunehmend nur noch die jeweils erwünschte Sichtweise reproduzieren?
Und was machen Sie, wenn genau jene politischen und medialen Gewissheiten, auf denen Ihre öffentliche Bedeutung heute anscheinend beruht, morgen nicht mehr dieselbe gesellschaftliche Resonanz besitzen?
Vielleicht wäre das ein guter Zeitpunkt, sich vorsorglich eine ganz einfache journalistische Fähigkeit zu bewahren, nämlich die, auch dann noch interessant zu sein, wenn die politische Mehrheitsmeinung sich verändert. Denn falls tatsächlich das eintritt, was Sie und andere offenbar für ausgeschlossen halten, nämlich dass sich das politische Kräfteverhältnis weiter verschiebt, wäre es ausgesprochen unklug, die eigene journalistische Existenz so eng an ein einziges politisches und staatstreues Deutungsmilieu zu binden.
Wer heute glaubt, die Deutungshoheit dauerhaft gepachtet zu haben, könnte morgen feststellen, dass das Publikum längst weitergezogen ist.
Was bleibt von Ihrer einst öffentlichen Stimme übrig, wenn Ihnen irgendwann niemand mehr zuhören möchte, weil er bereits vorher weiß, welche Antwort auf jede Frage kommen wird? Das wäre dann allerdings kein politisches Problem, das wäre ein journalistisches und Ihr ganz eigenes.
Man könnte allerdings auch einmal außerhalb der eigenen Echokammer nachsehen, das wäre möglicherweise weniger bequem, dafür aber journalistisch wesentlich interessanter, denn eine freie Gesellschaft braucht keine Journalisten, die dem Publikum erklären, welche Sichtweise es übernehmen soll.
Sie braucht Journalisten, die Macht kontrollieren, Institutionen hinterfragen, Widersprüche sichtbar machen und vor allem diejenigen aushalten, die widersprechen.
Alles andere erinnert irgendwann unangenehm an jene Zeiten, in denen es ebenfalls eine offiziell erwünschte Wahrheit gab und Abweichungen davon weniger als Diskussionsbeitrag denn als Störung betrachtet wurden. Keine Sorge, ich unterstelle Ihnen selbstverständlich nicht, dass Sie in der DDR leben oder DDR-Verhältnisse zurückhaben möchten, aber ein kleines historisches Gedankenspiel wird man sich ja wohl noch erlauben dürfen:
Was passiert mit einer Gesellschaft, wenn Journalisten nicht mehr fragen, ob der Staat recht hat, sondern nur noch, wie man die staatliche Position möglichst überzeugend verteidigt?
Eine ziemlich wichtige Frage, gerade für jemanden, der anderen Journalisten mangelnde Vernunft vorwirft und vielleicht sollten Sie sich noch eine andere Frage stellen:
Was würde eigentlich passieren, wenn Sie sich einmal öffentlich irren? Insbesondere bei einem Thema, bei dem Sie heute mit großer Gewissheit über andere urteilen.
Würden Sie dann ebenfalls so vehement für Differenzierung eintreten?
Oder gilt die Forderung nach Differenzierung nur solange, wie sie anderen abverlangt wird?
Das Publikum darf übrigens durchaus selbst denken.
Es braucht keine journalistische Gouvernante, die ihm erklärt, welcher Gedanke gerade gesellschaftlich genehm ist. Und es braucht auch niemanden, der ihm vorsorglich erklärt, welche Journalisten man ernst nehmen darf und welche nicht, das kann das Publikum durchaus selbst entscheiden.
Vielleicht ist genau das die größte Zumutung für jeden Journalisten wie Sie, der sich daran gewöhnt hat, nicht nur Informationen zu liefern, sondern gleich die dazugehörige Bewertung mitzuliefern, aber Frau Amann, Menschen sind durchaus in der Lage, selbst zu denken.
Und wenn Ihre Argumentation diese Menschen nur noch dadurch überzeugen soll, dass Sie die Person auf der anderen Seite diskreditiert, statt sich mit deren Argumenten auseinanderzusetzen, dann sollten Sie vielleicht nicht zuerst über den Verstand des Gegenübers sprechen, Sie könnten zunächst einmal in den eigenen Spiegel schauen, das wäre zumindest ein Anfang.
Mit freundlichen Grüßen
Miss Eve
So ein grandioser Brief erzeugt natürlich Reaktionen.
Froschkönigin schreibt:
Schön, dass Sie schreiben und ich gebe Ihnen vollumfänglich Recht. Eine @MelAmann wird sich dafür nicht interessieren. Bisher erscheint sie mir wenig kritikfähig und über den Tellerrand schaut sie auch nicht wirklich. Mit dem Podcast möchte sie nur den Eindruck erwecken, sie wäre ist. Sie ist an einem Diskurs nicht wirklich interessiert, was sie mit ihrer Art mit anderen Meinungen immer wieder öffentlich zur Schau stellt. Aber schön, dass sie ihn macht, dann merken immer mehr Menschen, was die letzten Jahre (vor allem in den Corona-Jahren) gelaufen ist.
Frank Steppart schreibt:
Amann macht halt Amann-Sachen: Sie verkauft nicht ihre eigene Sache, sondern verrät den Journalismus für die eigene Inszenierung. Mitleid habe ich mit dieser Frau nicht. Wer das Handwerk so für die eigene Blase opfert, verdient keinen Weltschutz. (Welpenschutz? An.d.R.)
philou schreibt:
Deinen Brief wird sie aufmerksam lesen, aber er richtet sich wohl mehr an Leserschaft als an A selbst. A weiß zu gut, wie sich billige Haut teuer verkaufen lässt. Als Meisterin der falschen Zunge wird sie sich zu gegebener Zeit selber passend umframen. Doch der weite Schatten ihres Angstbarometers wird ihre Seifenoper perfekt entlarven, denn auch unechteste Wesen tragen im Innersten einen wahren verletzlichen Kern. So darf man genüsslich abwarten und beobachten, wie viele Gäste vom Kaliber Martenstein sie noch getraut einzuladen!
Klar Name schreibt:
Melanie, die Kaiserin, ist nackt. Sie weiss, dass sie nackt ist. Sie rudert mit den Armen. Sie weiss, dass es zu Ende geht. Wirft jemand den Rettungsring?
Jens Jacob schreibt:
Ich finde, man sollte Frau Amann gar nicht so viel Zeit widmen. Die badet doch genau in dieser Soße. Für mich ist die Frau vergleichbar mit einer Klorolle kurz vor Schluss. Man überlegt: Soll man das letzte Blatt noch nutzen oder gleich mit der Papprolle in den Müll werfen?
…
Frau Amann wird sich bestimmt noch steigern. Freuen wir uns also auf das Verhör von Björn Höcke. Aber eins kann man der Dame nicht vorwerfen, nämlich, dass sie sich verbiegt oder tarnt. Sie agiert genauso wie sie aussieht.






















