Gute Despoten, schlechte Despoten: Anders als bei Putin hat die CDU und vor dem linksgrüne Wüst keine Berührungsängste mit Erdogan (Foto:Imago)
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Wüst in Ankara: Einmal Döner mit alles

Seit gestern befindet sich der nordrhein-westfälische CDU-Ministerpräsident Hendrik Wüst auf einem dreitägigen Besuch in die Türkei. Anlass dafür ist der 65. Jahrestag des Abkommens über die Anwerbung türkischer Gastarbeiter. Und natürlich nutze Wüst diese Gelegenheit, um wieder einmal das auch längst in der Brandmauer-CDU angekommene linke Märchen zu erzählen, Gastarbeiter hätten Deutschland wiederaufgebaut. „Ohne diese Menschen wäre es nicht möglich gewesen, den wirtschaftlichen Aufschwung nach dem Krieg hinzukriegen. Die haben im Stahlwerk gearbeitet, unter Tage, bei Ford in Köln, im Straßenbau, überall“, faselte er beim Besuch eines Werks von Henkel in Ankara. Türken seien in Deutschland zu lange als „Integrationsaufgabe“ oder als „Problem“ angesehen worden, beklagte Wüst. Es sei aber „eine Riesenchance“, dass heute „eine Million Menschen mit türkischen Wurzeln“ in Nordrhein-Westfalen leben würden.

Damit nicht genug, überbot er sich in der türkischen Zeitung „Hürriyet“ und der Nachrichtenagentur Anadolu mit Lob für die Kinder und Enkel der ersten Gastarbeiter, die als „Lehrerinnen, Polizisten, Unternehmer, Vereinsvorsitzende“ tätig wären und aus der Gesellschaft nicht mehr „wegzudenken“ seien. Da reist also ein hoffnungslos auf linksgrün gezogener Ministerpräsident des größten Bundeslandes Deutschlands, das alleine mehr als Fünftel der Einwohner der Türkei hat in eben dieses Land, um in Deutschland lebende Türken zum Salz der Erde zu erklären, ohne die Deutschland damals wie heute völlig aufgeschmissen wäre, und kritisiert die eigenen Landsleute dafür, dass sie gar nicht wüssten, was sie an diesem Schatz seit 65 Jahren haben, nur weil man von Menschen, die hier leben, zumindest damals noch Integration forderte.

Der Mythos vom “Aufbau Deutschlands durch türkische Gastarbeiter“

Vor allem ist es schlicht ahistorisch, dass Türken und Gastarbeiter aus anderen Ländern Deutschland wiederaufgebaut und das Wirtschaftswunder ermöglicht hätten, wobei auch noch zusätzlich suggeriert wird, sie hätten quasi die eigentliche Drecksarbeit gemacht. Das Wirtschaftswunder war längst im vollen Gange, als die Anwerbung von Gastarbeitern begann. Nur deshalb war es überhaupt attraktiv für sie, nach Deutschland zu kommen. Diese Wahrheit wird aber von Linken seit Jahren komplett ins Gegenteil verkehrt, und die CDU wirkt daran inzwischen kräftig mit.

Tatsächlich waren  zur Hochzeit des Wirtschaftswunders noch gar keine türkische Gastarbeiter in Deutschland; als die ersten hier ankamen, war der Wiederaufbau längst abgeschlossen. Ihren Höhepunkt erreichte die türkische Arbeitsmigration in den Jahren 1962 bis 1969 mit innerhalb dieser sieben Jahre 212.951 Menschen; Zu diesem Zeitpunkt lag der Aufschwung lange zurück. Zur historischen Wahrheit gehört dabei, dass das betreffende Anwerbeabkommen vor allem der Türkei nutzte, Einwohner aus strukturschwachen Regionen vor allem am Schwarzen Meer und der Südosttürkei Richtung Deutschland entsorgen wollte konnte. Das Land sollte damit innenpolitisch stabilisiert und für die NATO-Mitgliedschaft gestärkt werden – weshalb auch die USA massiven Druck auf Deutschland ausübten, das Gastarbeiterabkommen abzuschließen. Das alles wird aber komplett unterschlagen, um einen Mythos zu erfinden, der nichts mit der Realität zu tun hat.

Huldvolle Audienz bei Erdogan

Wüst wurde auch vom türkischen Despoten Recep Tayyip Erdogan zu einer 50-minütigen Audienz empfangen und fand, was sonst, über diesen ebenfalls nur lobende Worte. Erdogan verfolge die innenpolitische Lage in Deutschland, auch in Nordrhein-Westfalen, „sehr, sehr genau“ und sei auch „sehr interessiert an meiner Einschätzung zu den jüngsten Wahlergebnissen“ gewesen, so Wüst in naivem Stolz und mit einer unfassbaren Einfalt und zynischen Gleichmut – ist Erdogan doch sowohl in Sachen Demokratieverachtung als auch Terror- und Völkermordunterstützung weitaus schlimmer als alles, was Putin angelastet wird, mit dem kein deutscher Politiker auch nur einen Hauch von Dialog will. Doch dem Kurdenschlächter vom Bosporus lässt mann alles durchgehen. Man habe sich, so Wüst, „sehr intensiv ausgetauscht“. Erdogan sei aber auch bis hin „zu jüngsten Ereignissen im Fußball“ sehr interessiert und darüber informiert, was in Deutschland die Menschen bewege. Es herrscht also eitel Sonnenschein. Erdogan ist voller Interesse an den Entwicklungen in Deutschland, Türken haben Deutschland gerettet und dafür nur Undank geerntet. Das ist der Tenor dieses Besuchs, der mehr ein Kotau von Wüst ist.

Zuhause liegt Wüst dagegen in jüngsten Umfragen bei unter 30 Prozent, die AfD dagegen bei 22, womit sie mehr als viermal so stark ist wie ihr Ergebnis bei der letzten Landtagswahl vor vier Jahren. Wüst erhofft sich offenbar nach dem Motto “von den Berliner Linken lernen heißt siegen lernen“, durch Anbiederung an Migranten und Parallelmilieus neue Wählerschichten zu erschließen. Das ist nur logisch: Die eigenen Landsleute laufen der CDU davon, also wanzt nun auch sie sich verstärkt an Ausländer heran und stellt die historischen Tatsachen völlig auf den Kopf. Aus kulturellen Usurpatoren werden da Aufbauhelfer und Fachkräfte, und eine prekäre, schädliche Massenmigration wird zur automatischen und zwangsläufigen Bereicherung umgelogen. Anders sieht Wüst offenbar keine Machtoption mehr in seinem längst zum Vielvölkergemisch mutierten Bundesland. (TPL)

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