Je mehr Belastungen die politische Kaste dem Volk auferlegt, desto mehr geraten die unverschämten und feudalen Privilegien in den Blick, die sie sich selbst, allen angeblichen Sparzwängen zum Trotz, gönnt. Derzeit wächst die Wut über die damals kaum beachtete, vor einem Jahr vom Bundestag wieder einkassierte Regelung, dass Abgeordnete erst dann Businessclass fliegen dürfen, wenn die Flugzeit vier Stunden beträgt. Zuvor lag die Grenze bei zwei Stunden. Dass auch dadurch zwischen Oktober 2021 und September 2023 fast sieben Millionen Euro Reisekosten angefallen waren, war selbst der damaligen SPD-Bundestagspräsidentin Bärbel Bas zu viel. Deshalb war im April 2024 die Vier-Stunden-Grenze eingeführt worden: Wer kürzer flog, musste sich mit ordinären Economy-Tickets begnügen.
Diese Regelung wurde dann aber im September letzten Jahres von ihrer CDU-Nachfolgerin Julia Klöckner, ganz einer Weinkönigin würdig, wieder zurückgenommen. Seither kann wieder ab einer Flugzeit von zwei Stunden auf Kosten der Steuerzahler Businessclass geflogen werden. Zur Begründung hieß es allen Ernstes, der Ältestenrat des Bundestages habe die mögliche Ticketersparnis auf Flügen zwischen zwei und vier Stunden gegen eine Einschränkung der „Arbeitsfähigkeit“ der Abgeordneten “abgewogen”.
Holzklasse zu popelig
Auf längeren Auslandsflügen würden außerdem häufig vertrauliche Unterlagen gelesen. Man befürchtete also, dass neugierige Sitznachbarn geheime Unterlagen mitlesen. Deshalb müssen die Volksvertreter wieder fast dreimal so teuer fliegen, wie der normale „Holzklasse“-Passagier. Die Rücknahme der Änderung wurde erst Ende 2025 publik, der Beschluss dazu stammt aber bereits vom September. Nun kam er wieder auf und sorgt in den sozialen Medien für verspätete Empörung.
Dies eben auch, weil sich gerade hier die groteske Diskrepanz zwischen Politikern zeigt, die den Menschen jeden Tag predigen, dass der Staat sparen und sie mehr arbeiten und immer höhere Steuern zahlen müssen; die die kostenlose Mitversicherung von Angehörigen, Kinderkrankentage et cetera kürzen, die Beitragskosten für Krankenkassen immer weiter nach oben jagen, die absurdesten Steuern, etwa auf Zucker, einführen wollen; sich höchstens einen völlig wirkungslosen „Tankrabatt“ von lächerlichen 17 Cent als Entlastung fürs Volk abringen, sich selbst aber jeden nur möglichen Luxus gönnen – und dies noch mit hanebüchen-dummdreisten Vorwänden. Das alles trägt dazu bei, den völligen Realitätsverlust dieser parasitären Kaste in seinem ganzen monströsen Ausmaß bloßzustellen und „unsereDemokratie“ noch weiter zu delegitimieren. (TPL)






















