Barocke Abgehobenheit: Amthor (in einem Snicklink-Satirevideo) (Foto:ScreenshotYoutube)
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Nach ZDF und Amthor-PR-Supergau: Auflösungserscheinungen in der CDU

Als ob die Lage der CDU nicht ohnehin bereits desaströs genug wäre, hatte die CDU bekanntlich in ihrem offensichtlichen Todestrieb just zur Unzeit von blamablen Wahlschlappen in Serie auch noch zugestimmt, sich vom ZDF für eine umfangreiche Dokumentation durch das Wahljahr 2026, mit den Landtagswahlen in Baden-Württemberg, Rheinland-Pfalz, Sachsen-Anhalt, Mecklenburg-Vorpommern und Berlin begleiten zu lassen. Deren Titel „Inside CDU“ ist goldrichtig gewählt – denn einen so unverhüllten Blick in diesen geistig und moralisch mausetoten Haufen aus dummdreisten und gierigen Postenjägern, die jeden Realitätsbezug verloren haben, hat man noch nicht gesehen. Als Innenleben kann man dieses gespenstische Treiben, das vom ZDF sehr zurückhaltend kommentiert dargeboten wird, schon kaum noch bezeichnen.

Die CDU hat in diesem Jahr nur einen einzigen Wahlerfolg errungen, nämlich die Ablösung der seit über 30 Jahren regierenden und völlig verbrauchten SPD in Rheinland-Pfalz. In Baden-Württemberg schaffte ihr Spitzenkandidat Manuel Hagel es, einen riesigen Umfragevorsprung auf die Grünen zu verspielen und auf den letzten Zentimetern noch vom altgedienten Cem Özdemir abgefangen zu werden, mit dem man sich dann auf eine Koalition einließ. In Sachsen-Anhalt, wo sie regierte, erlitt die CDU eine monströse Niederlage gegen die AfD, die mit 43,8 Prozent ihr bisher bestes Ergebnis überhaupt holte. In Berlin, wo sie ebenfalls, aber katastrophal regierte, wird sie aller Wahrscheinlichkeit nach von einer sozialistisch-islamistisch-clamkriminellen Koalition aus Linkspartei, Grünen und SPD abgelöst. Und in Mecklenburg-Vorpommern verfehlte sie zum ersten Mal überhaupt in einem Bundesland die Fünf-Prozent-Hürde. Bei all diesen Wahlen, hat die AfD entweder gewonnen oder zumindest massive Zuwächse eingefahren. Die Doku zeigt die ostdeutschen Verlierer der CDU, wie sie sich mit erbärmlichen Phrasen, die kein Mensch mehr hören kann, durch hochnotpeinliche Wahlkämpfe schlagen, bei denen es nur noch darum geht, die bevorstehenden Niederlagen etwas weniger drastisch ausfallen zu lassen. Außer immer neuer Hetze gegen die AfD fällt ihnen dann auch nichts ein. Daniel Peters, der Spitzenkandidat in Mecklenburg-Vorpommern, wird gezeigt, wie er im Straßenkampf von nahezu jedem Bürger, der an ihm vorbeikommt, beschimpft wird.

“Philipp, irgendeinen Befreiungsschlag”

Die Schlüsselfigur in dem Film war jedoch der 33-jährige Philipp Amthor, derzeit Koordinator für Bund-Länder-Beziehungen im Kanzleramt. Diese weitere Station seines offenbar unaufhaltsamen Aufstiegs hat er der völlig verhunzten Kabinettsumbildung von Bundeskanzler Friedrich Merz im Juli zu verdanken. Bis dahin war er Staatssekretär im Digitalministerium. Im Bundestag sitzt er bereits seit neun Jahren. Das ZDF begleitet ihn im Wahlkampf in seinem Heimatland Mecklenburg-Vorpommern und bei anderen Auftritten, unter anderem bei der CDU in Nordsachsen. Dort versuchte er sich als Einpeitscher, der das Publikum mit Sprüchen wie „Wir können stolz sein auf unsere CDU“ und „Ich sag’s mal so: Wer soll es denn sonst tun, wenn wir das nicht schaffen?“ Die Kamera schwenkt ins Publikum, das zwischen Ekel und Fassungslosigkeit über diesen frühvergreisten Clown schwankt. Als ein CDU-Mann ihn bittet: „Philipp, irgendeinen Befreiungsschlag! Sachsen-Anhalt ist verloren!“, entgegnet Amthor: „Nein, es ist nur dann verloren, wenn man’s verlorengibt. Man muss ans Gewinnen glauben“. Der Andere erwidert: „Wenn Du Drei Null hinten liegst, musst Du halt mal Christiano Ronaldo einwechseln!“ Und wieder Amthor: „Du, ich würde sagen, die haben wir alle auf dem Platz. Aber die müssen jetzt ordentlich zusammenspielen“.

Es war geradezu eine Qual, sich das Gebaren dieser unerträglichen Gestalt anzutun. Damit nicht genug, ließ Amthor sich vom ZDF auch noch im Kanzleramt filmen. Ein Rundgang führt schließlich in sein riesiges Büro mit einer über 25.000 Euro teuren Couch und auf die Dachterrasse. Manchmal, wenn er hier „zu Sonnenuntergangszeiten“ stehe und telefoniere, könne er unten den „Kanzleramtsfuchs“ beobachten, lässt er wissen. „Natürlich ist das jetzt auch ein Karrieresprung. In der Regierungszentrale merkt auch jeder: Da muss jeder Federstrich sitzen. Da streckt sich jeder noch einmal ein bisschen mehr“, berichtete er begeistert. Amthor fand auch nichts dabei, die Öffentlichkeit an der Lieferung eines Strandkorbs teilhaben zu lassen, der er mit kindlicher Freude beiwohnte. Für den „unwahrscheinlichen Fall“, dass er den Korb einmal „zum Erholen“ nutze, könne er ihn ja immer noch „Richtung Kanzlergarten“ drehen. Daraus wird nichts; mutmaßlich auf Merz-Ukas hin wurde das zum Sinnbild dieses PR-Desasters erhobene Möbelstück inzwischen wieder ausgemustert.

Satireprojekt Amthor

Das gilt leider nicht für Amthor: Dieser schafft es weiterhin, jedes noch so extreme Klischee über CDU-Jungapparatschiks nicht nur zu bestätigen, sondern auf eine so groteske Weise überzustrapazieren, dass man ihn eigentlich für ein Satireprojekt halten müsste, weil man die reale Existenz einer solchen Figur eigentlich nicht für möglich hielte. Ohne das allergeringste Gespür für seine Außenwirkung, entlarvt er sich permanent als ebenso arroganter wie alberner Wichtigtuer und Gernegroß, der schleimig, opportunistisch und völlig charakterlos alles tut, um nach oben zu kommen. Amthor wirkt bei alledem so seelenlos wie der grotesk überdimensionierte und abgrundtief hässliche Bau, in dem er mit geschwellter Hühnerbrust umherstolziert – und das gilt für die gesamte Mischpoke, die er besonders penetrant repräsentiert. Während sie das Land zugrunde richtet, stattet sie ihre scheußlich unästhetischen Glasbau-Residenzen möglichst angenehm aus, um das müde Haupt zumindest gelegentlich zur Entspannung niederlegen und sich am Anblick der Regierungszentrale laben zu können. Es ist kaum zu fassen, was hier dargeboten wird.

Die Folge dieser Blamage: In der Union gehen immer mehr Mitglieder auf innere Distanz zur eigenen Partei und sprechen sogar dem Kanzler und Vorsitzenden das Misstrauen aus, der deshalb in den Umfragen bei weniger als 11 Prozent Zustimmungswerten angekommen ist. Die Partei steht bei unter 19,5 Prozent, Tendenz weiter fallend – und wenn das Debakel so weitergeht, wird Mecklenburg-Vorpommern nicht das letzte Bundesland gewesen sein, in dem die Union an der 5-Prozent-Hürde scheitert. Bei aller mehr als berechtigten Kritik muss man dem ZDF immerhin zubilligen, dass es – wenn auch unfreiwillig – mit dieser Doku tatsächlich einmal etwas zur wahrheitsgemäßen Aufklärung des Volkes getan hat und nicht, wie gewöhnlich, zu seiner Irreführung. Es ist das markerschütternde Porträt einer Partei, die völlig am Ende ist. Das Land auf dem sie liegt, aber leider auch. (TPL)

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