Den Hintern abfrieren oder die hohen Heizkosten bezahlen? Genau vor dieser Wahl stehen wir heute. Früher drehte man den Heizkörper auf vier. Heute auf zwei, dazu Pullover und Wollsocken. Und selbst stricken macht irgendwie auch warm. Und plötzlich bekommt die erneute Erderwärmung ihren ganz eigenen Charme.
Wenn es draußen wärmer wird, müssen wir schließlich drinnen weniger heizen. Sehen wir die Erderwärmung deswegen einfach mal positiv. Und gäbe es noch Großdemonstrationen gegen die Regierung, frören die Teilnehmer nicht.
Endlich: Der Klimawandel kommt zurück!
Bei draußen fünf Grad plus statt zehn Grad minus werden auch unsere Behausungen nur noch milde kühl. Das freut die Heizkostenabrechnung. Die von den Göttern gewollte Erderwärmung wird zum Heizkostenzuschuss, ganz ohne Antrag, Einkommensnachweis und Sachbearbeiter.
Ganz neu ist das alles nicht. Zwischen dem 10. und 13. Jahrhundert gab es auch in Europa eine ausgeprägte Warmphase. In manchen Gegenden wuchsen sogar erstmals Weinreben. Für unsere Vorfahren war diese mittelalterliche Wärmewende geradezu ein Geschenk. Zentralheizungen gab es nicht, Wärmepumpen waren noch nicht lieferbar. Also musste das Klima einspringen. Je wärmer der Winter, desto weniger Holz musste gehackt, gespalten und in die Stube geschleppt werden.
Das Versagen der Kernkraftwerke
Sie hatten von Anfang an einen schweren Konstruktionsfehler: Sie konnten kein Gas produzieren, sondern nur Strom, den es fast überall und fast geschenkt gibt. Deshalb mussten sie weg.
Ganz so fest möchte Bundeswirtschaftsministerin Katherina Reiche an die segensreiche Erderwärmung offenbar noch nicht glauben. Sie hat das staatseigene Energieunternehmen SEFE, früher Gazprom Germania, angewiesen, bis zum 15. Dezember acht Terawattstunden Gas zu beschaffen und einzuspeichern.
Frau Reiche lässt Gas bunkern
Traurig genug, dass es einer ministeriellen Anweisung bedarf, vor dem Winter Vorräte anzulegen. Eichhörnchen bekommen das mit Nüssen seit Jahrtausenden ohne Wirtschaftsministerium hin.
Solar-Paneele haben bekanntlich einen gewaltigen Nachteil: Nachts ist die Sonne weg. Deshalb brauchen wir Lunar-Paneele. Diese können das Licht des Mondes anzapfen.
Den Mond anzapfen mit Lunar-Paneelen
Die besten Erträge werden naturgemäß bei Vollmond erzielt. Für Häuser mit ungünstiger Mondlage wird sich sicherlich ein Förderprogramm finden lassen. Deshalb bekommt der Hauswart im Wohnblock eine zusätzliche Aufgabe: spontane Temperaturkontrollen.
Er klingelt überraschend, hält das Laser-Temperaturmessgerät kurz durch die Tür und weiß in Millisekunden, ob dort klimabewusste 18 Grad oder verschwenderische 22 Grad herrschen.
Der Hauswart im Wohnblock passt auf
Das Messgerät erkennt auch Strom fressende und unangemeldete Laptops, die zur unbotmäßigen Kritik an der Obrigkeit missbräuchlich verwendet werden. Energiesünder lassen sich so leicht erfassen. Zunächst genügt die Einbestellung zum nächsten Bürgerdialog.
Der Hauswart führt über seine Kontrollen selbstverständlich eine Liste, nur zu seinen eigenen statistischen Zwecken.
Sogar der Winterdienst kann sparen
Und damit sind die finanziellen Segnungen der Erderwärmung noch lange nicht erschöpft. Weniger Schnee bedeutet weniger Schneepflüge, weniger Diesel und weniger Streusalz. Irgendwann hängt der Schneeschieber im Heimatmuseum, gleich neben Kohleschütte und Wählscheibentelefon. Auch privat wird gespart.
Wintermäntel halten plötzlich dreißig Jahre, gefütterte Stiefel werden an die Enkel vererbt. Wenn die Erwärmung konsequent weitergeht, können wir irgendwann sogar den Winterurlaub auf den Kanaren einsparen und im Februar den Klappstuhl auf den Balkon stellen.
Alles nur ein Missverständnis?
Vielleicht haben wir die Erderwärmung all die Jahre nur falsch verstanden. Sie kommt gar nicht, um uns zu bedrohen, sondern um uns Heizkosten zu sparen.
Und ausgerechnet jetzt könnten wir sie wirklich brauchen.






















