Jedes amerikanische Kind, das zwischen 2025 und 2028 geboren wurde, kann vom Staat 1.000 Dollar Startkapital bekommen. Das Geld landet nicht im Sparschwein, sondern auf einem Kinder-Aktienkonto. Die Idee: Kinder sollen früh lernen, wie Geld funktioniert – und zwar mit echtem Geld.
Wenn Geld Junge bekommt
Wer vor 18 Jahren 1.000 Dollar in einen Fonds auf den S&P 500 gesteckt und nichts mehr angefasst hätte, säße heute auf ungefähr 9.000 Dollar. Aus dem staatlichen Tausender für ein Baby könnte heute also bis zur Volljährigkeit ein hübsches kleines Vermögen werden. Garantiert ist das natürlich nicht.
1.000 Dollar-Geschenk zum Start
So selbstverständlich wie der Schnuller für den Mund, soll künftig das Aktienkonto zum Start ins Leben gehören. Seit Anfang Oktober wurden für mehr als 60 Millionen amerikanische Kinder automatisch sogenannte Trump Accounts angelegt. Die Eltern müssen das Konto anschließend nur noch freischalten. Dann kommen die 1.000 Dollar.
Die 1.000 Dollar bleiben aber nicht einfach faul als Bargeld liegen. Sie werden ganz automatisch in breit gestreute Fonds oder ETFs gesteckt, die amerikanische Aktienindizes wie etwa den S&P 500 abbilden. Der Staat schenkt also kein Sparguthaben mit Garantie, sondern Startkapital mit Börsenfieber.
Aus 1.000 Dollar können auch 800 Dollar werden
Steigt die Börse, können aus den 1.000 Dollar auch 1.100 oder 1.200 werden. Fallen die Kurse, können zwischenzeitlich auch nur 900 oder 800 Dollar auf dem Konto stehen. Genau das soll der Nachwuchs miterleben.
Das Kind selbst darf dabei nicht wild an der Börse herumzocken. Keine Tesla-Aktie kaufen, weil der Schulfreund davon schwärmt, und am nächsten Tag wieder verkaufen. Das Geld bleibt in den vorgeschriebenen breit gestreuten Fonds. Während dieser sogenannten Wachstumsphase sind Auszahlungen grundsätzlich nicht erlaubt.
Statt TikTok lieber an die Börse
Vielleicht liegt genau darin der eigentliche Trick. Wenn in den Nachrichten gesagt wird, der Aktienmarkt sei um zwei Prozent gefallen, rauscht das an einem Zwölfjährigen normalerweise vorbei. Was soll ihn das kümmern? Nun liegt dort aber sein eigenes Geld.
Dann schaut er vielleicht auf dem Handy nicht nur nach TikTok-Videos, sondern auch einmal danach, was aus seinen 1.000 Dollar geworden ist. Gestern waren es 1.060, heute vielleicht nur noch 1.030. Plötzlich ist Börse nicht mehr irgendein Zeug für Männer mit Schlips und Aktentasche.
Prämiensparverträge in Deutschland
Und vielleicht bekommt man die Kinder genau so früh an den Haken. Wer einmal erlebt hat, wie das eigene Geld wächst, hat möglicherweise Blut geleckt. Das Kind hat aber verstanden, dass Vermögensbildung nicht erst bei einer Million beginnt.
Ganz fremd ist uns die Idee nicht. Deutschland kannte schon vor Jahrzehnten staatlich gefördertes Prämiensparen. Wer monatlich einzahlte und sieben Jahre festlegte, bekam vom Staat eine Prämie. Nach Ablauf der Frist stand dann plötzlich eine größere Summe bereit – für Möbel, Auto oder andere Anschaffungen. Der Unterschied: Damals wurde vor allem gespart. Amerika schickt seine Kinder heute direkt am Aktienmarkt in die Lehre.
Mit 18 geht das Türchen auf
Bis zum Jahr, in dem das Kind 18 wird, heißt es im Wesentlichen: zuschauen und warten. Erst danach ändern sich die Regeln. Das Konto wird dann weitgehend wie eine klassische amerikanische Altersvorsorge behandelt. Geld kann grundsätzlich entnommen werden.
Der eigentliche Börsenunterricht dauert also fast die ganze Kindheit. Das Kind soll sein Geld hüten wie eine Glucke ihre Küken. Es lernt dabei eine ziemlich einfache Lektion: Geld kann wachsen. Geld kann aber auch schrumpfen. Das moderne US-Sparschwein bekommt also Konkurrenz. Und diese Konkurrenz trägt Aktien im Bauch.






















