Erst kam die klare Ansage aus Washington: Gebt eure Diesel-Notvorräte frei, sonst könnten die USA ihre Diesel-Exporte stoppen. Schon am 2. Oktober ist die Entscheidung gefallen. Der Meister rief, und alle (auch EU, D) knicken ein.
Die G7 geben also unverzüglich und ganz freiwillig 100 Millionen Barrel aus ihren Ölreserven frei, darunter große Mengen Diesel. Offiziell nennt sich das koordinierte Energiepolitik. Das Wort Erpressung benutzt niemand, das gehört sich nicht gegenüber dem großen Bruder.
Auch Deutschland geht an die eigene Vorratskammer
Für schlechte Zeiten haben Deutschland und andere Industriestaaten Öl und Treibstoffe eingebunkert. Diese Reserven sind genau für Krisen gedacht, wenn Lieferungen ausfallen und der normale Nachschub nicht mehr reicht. Die vorgeschriebenen Bestände entsprechen 61 Tagen des Verbrauchs.
Washington verlangte von Deutschland und Frankreich eine massive Freigabe von Diesel. Im Raum standen zunächst 120 Millionen Barrel innerhalb von sechs Monaten. Deutschland und Frankreich besitzen zusammen rund 35 Prozent der europäischen Diesel- und Gasölreserven.
Nun sind die G7 eingeknickt. 100 Millionen Barrel werden über die Internationale Energieagentur innerhalb von vier Monaten freigegeben. Ein erheblicher Teil des Diesels soll bereits in den ersten 20 Tagen auf den Markt kommen.
Trump braucht billigeren Diesel
Warum dieser Zeitdruck? In den USA ist Diesel vergleichsweise extrem teuer, umgerechnet rund 1,53 Euro pro Liter. Das trifft Autofahrer, Speditionen, Farmer und Unternehmen. Und im November sind Zwischenwahlen. Die republikanischen Wähler sollen Trump nicht von der Fahne gehen. Hohe Kraftstoffpreise sind da ungefähr so willkommen wie ein Motorschaden am Wahltag und das Wahlkreuzchen rutscht zu den Demokraten. Damit dies nicht passiert, „finanzieren“ wir indirekt die „richtige“ Wahlentscheidung der Amerikaner in der Wahlkabine.
Trumps Drohung wirkte. Nach Bekanntwerden der europäischen Freigabe fielen die amerikanischen Diesel-Futures um mehr als vier Prozent, der europäische Dieselpreis gab ebenfalls deutlich nach. Wir werden es an den deutschen Tankstellen live beobachten können, ob unser Diesel auch billiger wird.
Die Patrone lag auf dem Tisch
Europa hätte das besonders getroffen. Im September kamen nach Reuters-Angaben 41 Prozent der europäischen Dieselimporte aus den USA. Jetzt ist diese Patrone zunächst wieder im Halfter. Im gemeinsamen G7-Beschluss verpflichten sich die Staaten ausdrücklich dazu, keine Exportbeschränkungen für Energie untereinander zu verhängen.
So schnell wirken rauchende Colts. Donald Trump jubelte umgehend, Europa habe zugestimmt, große Mengen seiner gut gefüllten Dieselbestände auf den internationalen Markt zu bringen. Die G7 sprechen beschönigend von einer koordinierten Maßnahme zur Stabilisierung der Energiemärkte und beißen sich dabei auf die Zunge.
Wildwest: Ein Angebot, das man nicht ablehnen kann
Kurzfristig mehr Diesel aus dem Vorratskeller bedeutet ein größeres Angebot. Was aber heute aus dem Notvorrat voreilig verkauft wird, liegt morgen nicht mehr im Keller. Der gute Räucherschinken ist erstmal weg. Dann kommt das dicke Ende und die mageren Tage, vielleicht mitten im Winter.
Und genau zu unserer Sicherheit wurden diese Vorratsspeicher eigentlich gebaut. Doch was nützt der schönste Vorrat, wenn die USA den Zweitschlüssel zu unserem Speicher verwahren?






















