Was ist wirklich auf unseren Intensivstationen los?

Notstand ohne Patienten: Intensivstation in Corona-Zeiten (Foto:Imago)

Dass es sich beim Narrativ der angeblich vor dem Kollaps stehenden Intensivstationen einen Riesenschwindel handelt, drang diese Tage nur marginal wachen Zeitgenossen ins Bewusstsein, als Berichte über in deutsche Kliniken verlegte belgische Intensivpatienten kursierten und bekannt wurde, dass auch aus vielen anderen europäischen Staaten eine große Zahl ausländischer Covid-Fälle – Insider sprechen von mehreren hundert – auf deutschen Intensivstationen liegen. Die Informationen, wie mit den Zahlen getrickst und so die Krise künstlich konstruiert wird, liegen objektiv auf dem Tisch, doch weder Politik noch etablierte Medien sind bereit, den Bürgern reinen Wein einzuschenken. Denn dann entfiele augenblicklich die Argumentationsbasis des Lockdowns.

Noch immer ist zu den Deutschen nicht durchgedrungen, dass es sich bei dem, was auf Deutschlands Intensivstationen passiert, um ein objektiv völlig normales, von der Auslastung in früheren saisonalen Grippewellen praktisch nicht zu unterscheidendes Geschehen handelt, das vor Corona keinerlei Nachrichtenwert gehabt hätte – selbst wenn es in früheren Jahren, anders als heute, tatsächlich schon zu komplett überbelegten Kliniken gekommen war. Damals wurde sogar in TV-Dokumentationen wie „24 Stunden“ oder „Deutschland bei Nacht„, in denen der Arbeitsalltag von nachts arbeitenden Berufsgruppen geschildert wurde, als das Normalste der Welt gezeigt, wie ein Notarztwagen im Raum Nürnberg mehrere Kliniken nacheinander anfahren muss, bis es endlich ein Krankenhaus mit freiem Intensivbett findet. So etwas interessierte damals keinen und hatte damals Unterhaltungswert für Special-Interest-Zuschauersplittergruppen; heute legt man deswegen ein ganzes Land still.

Und natürlich ebenso wenig erfährt die deutsche Mehrheit von den Leitmedien (bzw. von den dort exklusiv zu Wort kommenden Alarmisten, Panikpropagandisten und handverlesenen linientreuen Experten) Details über die Hintergründe und das Zustandekommen von Zahlen, die als Schreckensmunition in die Debatte geballert werden, um damit Lockdowns und Grundrechtsaushebelungen zu legitimieren. Das, was eigentlich die Aufgabe von Journalisten wäre – politische Behauptungen einzuordnen, ihre Verhältnismäßigkeit und damit Aussagekraft herauszustellen und den Gesamtzusammenhang verständlich zu machen, findet praktisch nicht statt. Solche Hintergründe werden heute nur von unabhängigen Interessengruppen und freien Medien aufgedeckt, die leider gegen die zwangsgebührenfinanzierten Meinungsmacher einen schweren Stand haben.

Nur um dem Pauschalvorwurf mangelnden „Respekts“, „menschenverachtenden Zynismus“ und „Geringschätzung der Leistung von Ärzten und Pflegern“ zu begegnen: Nein, nein und nochmals nein. Niemand bestreitet, dass es großes Leid in den Kliniken und Intensivstationen gibt und dass das medizinische und Pflegepersonal nicht übermenschliche Anstrengungen zu deren Linderung unternimmt. Bloß: Das gilt generell und nicht erst seit diesem Virus, und deshalb muss man es auch nicht heuchlerisch wie eine Monstranz vor sich hergetragen, wenn es um Corona (und immer nur um Corona) geht. Unerträglich ist die Heuchelei derer, die sich zuvor nie und jetzt ständig über Grenzerfahrungen und individuelle Schicksale erschüttert zeigen, die es schon immer gab und nach wie vor wegen einer Unzahl anderer Ursachen als Corona auch aktuell gibt, in weit größerer Häufigkeit.
Eine Frage der Relation

In einer fundierten Analyse, die Statistiker gemeinsam mit Notärzten, Anwälten und Wissenschaftlern sonstiger Disziplinen anstellten und über die der Kanal „Exomagazin.TV“ in einer sehenswerten Videodokumentation berichtet, wird mit dem Mythos der Intensivstationen-Überlastung aufgeräumt – und vor allem die brüchige und unfassbar lückenhafte Datenbasis moniert, auf der das Deutsche Interdisziplinäre Vereinigung für Intensiv- und Notfallmedizin e. V. (DIVI) seine unverantwortlichen Alarmrufe und irreführenden Einschätzungen publiziert. Die nachfolgenden Zahlenangaben sind dieser Dokumentation entnommen.

Folgt man der täglichen DIVI-Darstellung, so ist die Lage von monoton steigenden Kurven, einem bedrohlichen „Vollaufen“ gekennzeichnet. Befragt man den Durchschnittsdeutschen auf der Straße danach, wie er die Situation der deutschen Intensivmedizin in der „dritten Welle“ beurteilt, so wird die Antwort fast sicher lauten: Ganz schrecklich, kurz vorm Limit, katastrophal überfordert. Bloß: Mit der Realität hat all dies so gut nichts zu tun. Tatsächlich ist die Zahl der Intensivpatienten seit Beginn der Corona-Krise vergangenes Frühjahr praktisch unverändert geblieben. Und das, obwohl die Anzahl der positiv getesteten Patienten zeitweise sogar zunahm. Folglich ergab sich für die Intensivstationen zu keinem Zeitpunkt eine signifikante zusätzliche Belastung durch die Pandemie.

Die Zahlen, die DIVI publiziert, basieren auf Rohdaten der Krankenhäusern, die leider null verlässlich sind. Der niedersächsische Statistiker Tom Lausen, der die Daten und das Meldeverfahren genauer unter die Lupe genommen hat, fand heraus, dass das Register nicht einmal sagen kann, wieviele Covid-Patienten in Summe überhaupt jemals auf den deutschen Intensivstationen gelegen haben. Denn bei jeder einzelnen Verlegung – zwischen Kliniken, von oder auf andere Stationen und zurück – wird jeweils ein weiterer, neuer Covid-Fall angelegt. So kommt es, dass manche Patienten zweimal, dreimal oder öfter als jeweils eigene Fälle gewertet werden.

Wissentliche Mehrfachbelegungen als Panikquell

Die DIVI-Zahl von 91.000 angeblich bisher jemals registrierten deutschen Covid-Intensivpatienten ist daher definitiv deutlich überhöht. DIVI selbst räumt diese Mehrfachzählungen auf seiner Webseite ein – und sie sind definitiv nicht selten: 11 Prozent aller stationären Covid-Fälle wurden mindestens einmal verlegt, bei den Beatmungsfällen waren es sogar 32 Prozent.

Zur Intransparenz trägt dabei bereits die schiere Art der Meldung von Rohdaten ans DIVI bei, die über eine unvollständige Formularmaske erfolgt und die nur oberflächliche Angaben zum realen Covid-19-Status beinhalten. Unterschieden wird hier zwischen „aktuell behandelten“, „beatmeteten“, „verstorbenen“ und „abgegangenen“ Fällen. KEINE Aussage wird getätigt, wegen was die intensivmedizinsiche Behandlung eigentlich ursächlich erfolgt: Ob es sich also um einen wirklich schweren Covid-Verlauf handelt – oder lediglich um asymptomatische Fälle mit anderweitiger Diagnose. Diese Differenzierung kann in der Maske nicht vorgenommen werden und daran besteht offenkundig auch gar kein Interesse; hier werden nur die Betten gezählt.

Statistiker Lausen führt als Paradebeispiel den Standardfall von Senioren an, die nach einem Oberschenkelhalsbuch (eine der häufigsten stationären Aufnahmegründe) aus dem Heim in die Klinik kommen – und nach erfolgter Operation zur Überwachung auf die Intensivstation verlegt werden. Dort werden sie regelmäßig und vorschriftsgemäß abgestrichen. Wird nun dort ein – auch ohne jedes diesbezügliche Symptom – positives Corona-Testergebnis ermittelt (zuvor zählt der Patient bereits als „Verdachtsfall“), dann gilt er ohne Wenn und Aber als „Covid-19-Fall auf der Intensivstation“.

Was mittlerweile jedoch bereits über die Mainstreammedien zur semi-informierten Normalbevölkerung durchgedrungen ist, ist der Umstand, dass sich die Zahl der verfügbaren Intensivbetten gleichbleibender Auslastung fast halbiert hat. Und zwar gerade nicht, weil mehr Intensivpatienten eingewiesen wurden – sondern weil die Betten von Seiten der Kliniken reduziert wurden. Rund 6.000 Betten sind alleine im zweiten Halbjahr 2020 aus der Statistik verschwunden. Wie es dazu kam, lässt tief blicken und erlaubt bedenkliche Rückschlüsse auf die politische Fehlsteuerung im deutschen Gesundheitssozialismus.

Fehlsteuerungen des neuen deutschen Gesundheitssozialismus 

Der erste Sündenfall diesbezüglich war das im März 2020, unmittelbar bei Ausbruch der Pandemie in überschäumendem Aktionismus verabschiedete, „Covid-19-Krankenhausentlastungsgesetz“ der Groko. Dieses sah einen Bonus in Höhe von 50.000 Euro für jedes zusätzlich geschaffene Intensivbett vor – plus weitere Prämien für jedes normale Stationsbett, das für Ccoronavirus-Patienten freigehalten wird. Schon damals hatten Karl Lauterbach und andere „falsche Auguren“ der Pandemie mit absurd übersetzten Prognosen zu Todeszahlen und drohender Triage jegliche Rationalität weggeblasen. Vor allem für die chronisch unterfinanzierten, als Profit-Center zumindest zur Kostendeckung verpflichteten Krankenhäuser bot das neue Gesetz eine sagenhafte Einnahmequelle.

Wie besessen begannen sie sogleich in Windeseile, ihre Normalkliniken in Intensivstationen umzuwandeln. Behandlungen und „vermeidbare“ Operationen wurden abgesagt, der Regelbetrieb sträflich heruntergefahren. Als dann der Patientenansturm ausblieb, glichen die deutschen Krankenhäuser bald Geisterhäusern. Doch munter wurde weiter ein Notzustand antizipiert, der nie eintrat.

Und noch eine weitere verhängnisvolle Entscheidung traf die Bundesregierung: Sie setzte die bis dahin geltenden Personaluntergrenzen außer Kraft, mit der Folge, dass sich künftig weniger Personal theoretisch um mehr Betten kümmern durfte (wenn diese belegt wären). Dies bedeutete, dass die bisherige Koppelung neuer bzw. neu ausgewiesener Intensivbetten an die Einstellung von mehr Pflegepersonal entfiel, und der ITS-Bonus sowie die Prämien von den Kliniken vereinnahmt werden konnten, ohne dass sie zugleich ihre Personalausgaben steigern müssten.

Auf diese Weise entstanden in kürzester Zeit 10.000 bis 12.000 zusätzliche Intensivbetten. Doch die Goldgräberstimmung der Kliniken währte nur kurz: Im August 2020, als jahreszeitlich bedingt die Inzidenzwerte wieder in den Keller gingen, setzte Gesundheitsminister Spahn die Personaluntergrenzen wieder verpflichtend in Kraft – mit dem Ergebnis, dass pro Pfleger fortan wieder nur noch maximal 2,5 Betten ausgewiesen sein durften. Als logische Folge bauten die Kliniken ihre gerade erst installierten Intensivbetten wieder ab – und ließen sie, so Tom Lausen, „in der Notfallreserve verschwinden“.

Bedarfsweise Bettenbelegungen unter rein finanziellen Aspekten

Diese Notfallreserve existiert seither unberührt, als eigentlich verfügbares Kontingent. Sie wird bloß – bezeichnenderweise – in den Horrorprognosen so gut wie nie berücksichtigt, weil ihre Nutzbarmachung mit einer von den Kliniken genuin gescheuten Neueinstellung von teurem Pflegepersonal einherginge. Lausen konstatiert: „Es gilt wieder, wer zu wenige Pflegekräfte für zuviele Patienten hat, muss Betten abbauen.“ Dazu trug weiterhin die Abschaffung der Freihaltepauschale zum 30.9.2020 bei. Reihenweise wandelten die Kliniken nun auch noch Intensivbetten in Normalbetten um – mit der Folge, dass die Intensivkapazitäten noch weiter abnahm.

Die größte politische Fehlentscheidung aber (aus Sicht einer maßvollen, am Bürgerwohl und einer schnellstmöglichen Beendigung der Krise ausgerichteten Gesundheitspolitik) leistete sich die Regierung dann am 18.11.2020, ironischerweise dem Tag, an dem das erste Merkel’sche Ermächtigungsgesetz vom Bundestag durchgewunken wurde: Zeitgleich beschlossen die Regierungsfraktionen das Krankenhaus-Finanzierungsgesetz, das Krankenhäuser fortan für „pandemiebedingte Ausfälle“ entschädigen sollte. Selbst die Krankenhausgesellschaften sahen voraus, zu welchen kritischen Effekt dieses führen würde.

Tatsächlich nämlich schaffte die Politik damit einen weiteren, gravierenden Fehlanreiz: Fortan nämlich erhalten die Kliniken nur noch Geld nach dem neuen Finanzierungsgesetz, wenn sie eine Auslastung ihrer Intensivstationen zu mindestens 75 Prozent nachweisen können. Unterschreitet die betreffende Klinik dieses Limit, so gibt es keine Mittel mehr. Dieses ursprünglich zur Steigerung der „Effizienz“ gedachte Finanzierungsmodell greift auf die vor einigen Jahren – vor Corona – leidenschaftlich geführte Debatte um großangelegte deutschlandweite Klinikschließungen zurück; damals vertraten etliche Gesundheitspolitiker, auch Spahn, eine Ausdünnung des Klinikangebots – unter anderem mit dem Argument, es müsse nicht jedes Provinzkrankenhaus über eine eigene Intensivstation verfügen.

Spahns Fehlanreize ermöglichten erst das Panikregime

Kaum war dieses neue Finanzierungsgesetz in Kraft, da sorgten die Kliniken bundesweit schlagartig mit allen Tricks dar, dass ihre rechnerische Intensivauslastung hinreichend stiegt, um die Bundesgelder abgreifen zu können. Etwa in Lübeck, Bottrop, Goslar, Eisenach oder Leipzig, aber auch in vielen kleineren Krankenhäusern schossen die Belegungen über 75 Prozent – durch Abbau von Betten oder durch entsprechende Aufstockung der Belegungen aus Normalstationen. Nur da, wo nicht auch schon zuvor (und lange vor Corona) hohe Belegungsraten üblich waren, vor allem in den Ballungsräumen, bedurften die Kliniken keiner künstlichen Verknappung.

In den meisten Kliniken wird seitdem die „Optimierung“ der Belegung jedoch künstlich herbeigeführt, indem immer gerade soviele Betten als „belegt“ gemeldet werden, dass die Auslastung nach dem Finanzierungsgesetz die bestmöglichen Erträge zur Folge hatte. Beispiele für solche „flexible Bedarfsanpassungen“ finden sich etwa bei Krankenhäusern im Erzgebirgskreis oder in Starnberg, wo die ITS-Belegungskurve jeweils der notwendigen Meldehöhe angepasst wurde. Der Beginn dieser Tricksereien fällt nicht von ungefähr zeitlich zusammen mit dem Beginn der neuen Intensivbetten-Horrorstories, erst im Januar und dann, nach einem kurzen Abflauen im Februar, verstärkt wieder seit März.

Seitdem wird eine Überlastungssituation medial heraufbeschworen, die nicht einmal trotz des entschiedenen Widerspruchs einzelner Klinikchefs und wahrheitsgetreuer Pfleger in Zweifel geriet – und trotz des diametral entgegengesetzten Eindrucks, den Patienten und Besucher in den Kliniken von der Lage gewannen. Ein Jouwatch-Informant berichtete gar aus einer baden-württembergischen Klinik, wo er in der orthopädischen Station liegt, dass ihm Pfleger anvertraut hätten, niemand vom gesamten Pflegepersonal habe Zutritt zu den Intensivstationen, weshalb sie selbst vermuteten, diese seien komplett leer, obwohl als zu 80 Prozent belegt gemeldet.

Wie reagieren die verantwortlichen Meldestellen auf all diese Ungeheuerlichkeiten? Lausen berichtet, dass DIVI auf Konfrontation mit den Untersuchungsergebnissen seines Teams hin hochverblüfft reagiert habe. Die Pressesprecherin zeigte sich erstaunt und sprachlos. Das Fazit des Statistiker: Die Zahlen von DIVI dürften von der Politik folglich keinesfalls für eine bevölkerungsweite Maßnahmensteuerung herangezogen werden – schlicht, weil die Zahlen in keinster Weise valide sind: „Was DIVI meldet, hat nichts mit der Zahl der real freien Betten zu tun!“ Umso skandalöser ist es da, dass sich Gerichte bei ihren Entscheidungen auf DIVI-Zahlen berufen; die öffentliche Irreführung mit ihren erheblichen Auswirkungen ist ein Unding. (DM)