Lina, die Entdeckerin (Bild: Achse Verlag)

„Lina, die Entdeckerin“ – oder was 3-Jährige über ihre Vulva wissen sollten

Ein „Abenteuer mit ihrem eigenen Körper“ erlebt die kleine Lina im angeblichen Aufklärungsbuch „Lina, die Entdeckerin“. Die – klar was sonst:  „Autor*innen“ – haben es sich – ganz dem exhibitionistischen Zeitgeist gerecht – zum Ziel gesetzt, Mädchen ab 3 Jahren bei einem „entspannten, lustvollen und unverkrampften Umgang mit der eigenen Sexualität“ zu unterstützen. Herausgekommen ist ein weiteres Machwerk, das hemmungslos über die Schamgrenzen von Kindern hinwegtrampelt. Um die Kleinen für Kinderschänder gut vorzubereiten?

„Aufklärerisches Kinderbuch zur Normalisierung und Enttabuisierung von Vulva und Sexualität“, heißt es im Antexter zum Kinderbuch der Autoren Katharina Schönborn-Hotter, Lisa Sonnberger und Flo Staffelmay, sowie der Illustratorin Anna Horak. Dabei wird für die sehr, sehr junge Leserschaft – Altersempfehlung 3-6 Jahre – die Vulva ins Rampenlicht gerückt. Linas „lustvolle und unterhaltsame Reise“ – in Reimform gefasst und mit knalligen Bildern des weiblichen Intimbereichs bestückt – wird laut des Autorenteams ergänzt durch informatives Wissen rund um Körperbehaarung und -hygiene, Nacktheit und Erwachsenwerden.

Kein Thema! Auch ein Kinderbuch kann in altersgerechter Art und Weise über den weiblichen Körper aufklären. Wenn jedoch, wie in dem woken Büchlein „Lina, die Entdeckerin“ – Lina ist logischer Weise kein bleiches Weißgesicht, sondern ein lustiges, pigmentiertes Mädchen – der weiblichen Zielgruppe im sehr jungen Alter von 3- 6 Jahren irre Geschichten erzählt werden, wenn die kleine Buchheldin – klar, alles was Mädchen heutzutage so machen, ist heldenhaft – ihre Erkundungsreise durch die Vagina antritt, wo sie mit einem Schwert bewaffnet auf einer Damenbinde auf einem Fluss aus Blut durch die blutige, rosa Höhle surft, ist mehr als fraglich, welchen Mehrwert das Machwerk zum Verständnis der weiblichen Geschlechtsorgane beiträgt.

Irrer Weise kommt im Kinderbuch, das Mädchen ab 3 Jahren ansprechen soll, nicht vor, dass das Organ einer Dreijährigen anders aussieht und wahrgenommen wird als etwa das eines Mädchens in der Pubertät oder das einer erwachsenen Frau. Lina wird im Vorschulalter kaum eine „wundervoll warm, feucht und wohlig“(e) Höhle entdecken. Dennoch dichten sich die selbsternannten Kinderbuchautoren zusammen: „Ihre Scheide in der Hand, betritt sie nun das Zauberland“ und „Draußen war es der Nervenkitzel/zu spielen mit dem kleinen Spitz´l. Jetzt ertastet sie ihr Drinnen/mit allen ihren Sinnen.“ Ob ein dreijähriges Mädchen tatsächlich die „Anleitung“ zur Masturbation – im besten Fall von Mama oder Papa vorgelesen – für eine gesunde, altersgerechte Entwicklung benötigt, darf angezweifelt werden.

In einer sehr unerträglichen Weise trampeln die hoch motivierten Autoren über die Schamgrenzen von Kindern hinweg. Gesunde körperliche Scham ist natürlich und gehört zur kindlichen Entwicklung dazu und ist gut und wichtig, um bestimmte Grenzen zu erlernen und anderen, wie auch sich selbst gegenüber zu respektieren und wahren. Kinder entwickeln zudem phasenweise eine sehr individuelle Empfindlichkeit bezüglich Nacktheit und reagieren wesentlich schamhafter, als ihre Eltern das von ihnen erwarten oder als andere Kinder desselben Alters. Kinderpsychologen mahnen hierbei übereinstimmend, diese Schamgrenzen des Kindes zu respektieren.

Bei Amazon, wie auch bei Thalia scheint man damit keinerlei Probleme zu haben und beklatscht das Buch mehrheitlich mit Applaus: „Tolles diverses, wissenschaftlich korrektes EntdeckerInnenbuch über Vulva und Vagina für jedes Alter (und Geschlecht)“, lautet eine 5-Sterne-Rezension.

„Bin ich hier der einzige, der dieses Buch als absolut pervers empfindet? Allein die Pose auf dem Cover? Ein Traum für jeden Pedo… lasst die Kinder doch einfach Kinder sein“, so die Forderung eines weniger „begeisterten“ Rezensenten. Ein anderer findet:  Ein weiteres pornografisches Meisterwerk für Kinder ab 4 Jahren von Frau Katharina Schönborn-Hotter (der Nachname sagt eigentlich schon alles).

(SB)

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