Ein "Experte" informiert: Aufgemerkt! (Symbolfoto:Imago)

Verantwortung & Infantilismus: Mit dem Schnee kommt die große Entmündigung

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In Nordbayern hat es gestern und heute geschneit. Die Straßen waren glatt. Es kam zu zahlreichen Verkehrsunfällen. Wer war wieder schuld? Die Klärung der Schuldfrage.

von Max Erdinger

Der “Münchener Merkur”: “Schnee und Glätte verursachte am Montagabend und in der Nacht zum Dienstag viele Unfälle …” – nur so nebenbei: es hätte “verursachten” heißen müssen. Wahr wäre die Behauptung trotzdem nicht.

Die “Fränkische Landeszeitung”: “Zu zahlreichen Unfällen aufgrund von Glätte und Schneefall kam es am Montag und Dienstag in den Landkreisen Neustadt/Aisch-Bad Windsheim …” – “aufgrund von Glätte und Schneefall” ist glatt gelogen. Ich weiß das, weil ich gestern Abend bei Dunkelheit, Nebel, Glätte und Schneefall den verschneiten Steigerwald durchquert habe. Auf glitschigem Naßschnee bei Temperaturen um den Gefrierpunkt, der rutschigsten aller Schneearten. Enge Landsträßchen, kurvenreich, Berg und Tal – eine Kombination sämtlicher Erschwernisse, sozusagen. Freude am Fahren. Wos a Gaudi. Früher fuhr man einfach Auto im Winter, heute überlebt man mit viel Glück und in Schrittgeschwindigkeit das “Schneechaos”. Dilettantismus und Verzagtheit gelten als Vernunft.

Jedenfalls geht das so weiter in sämtlichen Zeitungen. Unisono berichten sie, Glätte und Schneefall hätten zu zahlreichen “Glätteunfällen” geführt. Eine Zeitung schrieb, unter den Verunfallten seien auffällig viele junge Leute gewesen. Das wundert mich nicht. Deutsche Fahrschulen sind längst zu Fahrvermeidungsschulen geworden. Man wundert sich, daß die Fahrschüler nicht mit einem Helmchen auf dem Kopf hinter dem Steuer sitzen. Die Gefahr lauert überall auf den unschuldigen Deutschen, der in seiner Arglosigkeit für gar nichts irgendetwas kann. Inzwischen wird er zum Opfer von Glätte und Schneefall, den beiden ärgsten unter jenen Hinterlistigkeiten, vor denen es kein Entkommen für ihn gibt.

“Der Alkohol hat mein Leben zerstört”

Seit ich vor ein paar Jahren irgendwo die Schlagzeile “Der Alkohol hat mein Leben zerstört” gelesen habe, bin ich ständig alarmiert. Ständig suche ich nach “verantwortungsumverteilenden” Behauptungen in den Medien. Ich werde sehr oft fündig. Tatsächlich hatte jemand mit Alkohol sein Leben selber zerstört. Der Alkohol ist unschuldig.

“Das sind die Dickmacher” – auch so eine fragwürdige Feststellung. Es käme darauf an, wieviel man von den “Dickmachern” zu sich nimmt und ob dem Konsum eine entsprechende körperliche Betätigung gegenübersteht, Holzhacken zum Beispiel. Letztlich macht sich der Dicke aber selber dick. Er ist sein eigener Dickmacher, nicht die Chips in der Tüte.

“Rauchen verursacht 9 von 10 Lungenkarzinomen” – danke, mir reicht ein einziges. Ich nehme das eine, das nicht vom Rauchen verursacht wurde.

Unfallursache “überhöhte Geschwindigkeit” – es gibt keine überhöhte Geschwindigkeit. Es gibt Verantwortliche, die in Abhängigkeit von vielen Variablen, jeder individuell, in einer bestimmten Situation schneller gefahren sind, als es die Situation zugelassen hätte. Nicht die “überhöhte Geschwindigkeit” ist verantwortlich, sondern der jeweilige Fahrer. Daß es eine “überhöhte Geschwindigkeit” zu geben habe, ist die implizite Forderung des Staates, selbst der vernunftbegabteste Bürger habe das Selberdenken einzustellen, weil das Staatspferd den größeren Kopf hat. Der Bürger, egal welcher, hat sich jederzeit unter pflichtschuldigster Leugnung seiner eigenen Urteilskraft für dümmer zu halten als ein behördliches Schild aus Blech. Es gilt: Wer Anderen “ein Zeichen setzt”, ist klüger als diejenigen, die eines gesetzt bekommen.

Das alles ist ein sich stetig steigernder Wahnsinn, der dieser Tage vorläufig in einem Artikel bei “InFranken.de” gipfelte, welcher sich mit dem Thema beschäftigte, ob die Deutschen im Stau auf der Autobahn ihre Autos verlassen dürfen, wenn sie dringend pinkeln müssen. Sie dürfen nicht, weil auf der Autobahn keine Fußgänger erlaubt sind. Das ist schon arg. Warum dürfen Fußgänger die Autobahn nicht betreten? Weil dort viel zu viele Autos viel zu schnell unterwegs sind, als daß man als Fußgänger die Autobahn betreten könnte. Und wenn die Autos alle stehen? Dann ist die Autobahn noch immer die Autobahn, die man als Fußgänger nicht betreten darf, weil dort viel zu viele Autos viel zu schnell unterwegs sind. Das Besorgniserregendste ist, daß solche Artikel erscheinen, weil Redakteure nicht ganz zu Unrecht damit rechnen, daß sich Deutsche dafür interessieren könnten, ob sie selbst – oder ob der Staat zuständig ist, wenn sie dringend pinkeln müssen.

Trotzdem gilt jederzeit: Deine Meinung zählt. Je massenkompatibler sie ist, desto mehr. Eine sehr beliebte Meinung ist die, daß man keine Opposition braucht hierzulande, weil Deutschland sowieso schon eine Demokratie ist – und daß man die schützen muß vor der Opposition.

Die Folgen

Eine logische Folge davon, daß jemand permanent seine persönliche Verantwortlichkeit beim Staat abgibt, ist die, daß er für nichts etwas kann. Es passiert trotzdem viel Unerfreuliches und das beste daran ist, daß immer irgendwelche Anderen schuld sind. Das nimmt jeder Unerfreulichkeit den Schrecken. Der verantwortungsmagnetische Staat hat dann eine Regierung, eine Ampel z.B., die nichts taugt, aber die kommt “aus dem Volk” und kann ebenfalls nichts für das Unheil, das sie anrichtet, weil sie sich schließlich nicht selbst gewählt hat. Außerdem dient sie dem Volk, weil der Dienst genau das ist, was Regierungen leisten. Ob guter oder schlechter Diener: Diener ist Diener und wer jemandem den sprichwörtlichen “schlechten Dienst erwiesen” hat, der hat immerhin noch einen Dienst erwiesen. Daß ein Diener nicht dienlich sein könnte, ist ein äußerst abenteuerlicher Verdacht.

Vollkommen mysteriös ist auch, wo die Kriege alle herkommen, da doch jeder Staat nur ein Verteidigungsministerium hat, aber keiner ein Angriffsministerium. Es heißt aber auch, daß Angriff die beste Verteidigung sei. Außer es greift jemand an, den man nicht mag. In dem Fall bleibt der Angriff einfach ein Angriff – und wird keinesfalls zur besten Verteidigung. Das gilt allerweil für Russen und Palästinenser. Was am 7. Oktober in Israel passiert ist, war ein Angriff. Die israelische Reaktion darauf ist Verteidigung, die dann, wenn sie ein Angriff wäre, sogar die beste Verteidigung wäre. Ist das so?

Lesen wir die Worte des 2020 verstorbenen Norbert “die Rente ist sischä” Blüm, dem langjährigen Bundesarbeitsminister aus der CDU. In der Sendung “Hart aber fair” äußerte er sich 2009, vor 14 Jahren, also zwei Jahre nach der einmaligen Wahl der Hamas im Gazastreifen und vier Jahre nach dem kompletten Rückzug der Israelis von dort, folgendermaßen über das Leben der Palästinenser im Westjordanland, welches sich von dem im Gazastreifen nicht wesentlich unterscheidet. Blüm: “Das würde kein Mensch widerspruchslos ertragen, tagtäglich willkürlich drangsaliert zu werden. Man muß sich das Leben in der Westbank so vorstellen: ein zerstückeltes Land, von Mauern zerstückelt. Wenn die Israelis Mauern bauen wollen, dann sollen sie die bauen zwischen den palästinesischen Gebieten und dem israelischen Gebiet. Nein, im Palästinensergebiet! 600 Kilometer! Bauern kommen nicht auf ihr Land. Ich bin mit einem Ambulanzwagen gefahren, der kam nicht durch. Ich meine, das ist humanitär. Ich habe ein Kind erlebt und gesehen, das hat den Arm ab, weil sie während der Ausgangssperre das Kind nicht ins Krankenhaus gelassen haben. Er war von Splittern zerfetzt worden. Das wäre zu retten gewesen. Ich habe in Hebron gesehen, da haben die palästinensischen Läden auf dem Weg der kurzen Straße zur Moschee, wo der Abraham beerdigt liegt, Netze gespannt, weil die israelischen Siedler ihren Müll ausgießen auf die Palästinenser. Demütigung! Von Betlehem nach Hebron, ich würde mal sagen 30 Minuten im Normalfall, da fahren die vier oder fünf Stunden, je nachdem wieviel Kontrollen da sind. Und an den Kontrollen, das muß man sich mal ansehen … soll damit Terrorismus bekämpft werden? Ich kann mir nicht vorstellen, daß damit Terrorismus bekämpft wird. Daß Kinder gequält werden, daß Menschen unterdrückt werden, daß Menschen verachtet werden. Ich bin mit einem Palästinenser durch Hebron. Da kam so, Entschuldigung, ein Schnösel, ein Schnösel von Soldat und nahm ihm den Paß ab. Ohne jeden Grund. Und auf die Frage, warum? – Nichts. Ich habe gesagt, wir bleiben stehen, bis der Paß wieder da ist. In dieser Stunde hat dieser israelische Soldat dem Palästinenser zehnmal mit seinem Gewehr an der Nase herumgespielt. Können Sie mir mal sagen, was da Terrorismusbekämpfung ist? Ich kann Ihnen sagen, was in dem Kopf des jungen Palästinensers vorgeht. So läßt sich kein Volk behandeln. Ein zerstückeltes Land. Wie sollen die einen Staat bilden? Das sind Straßen, da dürfen nur Israelis drauf fahren …”

Man sieht: Es gibt für den Angriff vom 7. Oktober keinen anderen Grund als den, daß die Palästinenser eben Moslems sind. Sämtliche politischen Gründe scheiden aus im Angesichte des Moslems. Die Moslems sind allesamt böse und der Koran ist das übelste Buch aller Zeiten. Deshalb waren die Angreifer auch so grausam. Mindestens so grausam wie die Ukrainer bei ihrem völkermordenden Gemetzel an den Polen in Wolhynien im Jahr 1943. Die Ukrainer sind bekanntlich ebenfalls Moslems. Alle, ausnahmslos. Und der Mengele war der Obermoslem. Wären die Palästinenser mehrheitlich keine Moslems, würden sie sich garantiert sehr kultiviert alles gefallen lassen, ganz so, wie es sich gehört, wenn man nicht gerade mit einem Schneechaos zu kämpfen hat. Der Palästinenser greift an, weil er eben ein Moslem ist. Niemals verteidigt sich der Moslem. Der hat sich gefälligst nicht zu verteidigen! Verteidigung ist nur, wenn der Zionist zwanzigmal mehr Moslems umbringt, als der Moslem vorher Zionisten umgebracht hat. Außerdem ist der Palästinenser prinzipiell ein “Hater” und redet in der Haßsprache. Das würde keinem Zionisten jemals passieren. Der verteidigt einfach seinen Staat und dessen Recht auf weitere Expansion. Und recht hat er, weil mir gefällt, daß der Zionist, so wie ich auch, keine Moslems mag.

Wie sagte doch ein geschätzter Kollege in seinem Kommentar auf einen meiner jüngsten Artikel hier? Es dürfe sich jeder nach seiner eigenen Facon zum Deppen machen? – Er hat ja so recht. Wer dürfte das in Deutschland auch nicht?