Linker Moderator nach Interview mit einem AfDler (Foto: KI/Shutterstock)

Talkshow, Duell, Interview – 3:0 für die AfD?

Zunächst hatte “Welt TV” versucht, Björn Höcke beim Aufeinandertreffen mit dem Gegenkandidaten von der CDU, Mario Voigt, aus der Reserve zu locken. Dann bemühte sich Tilo Jung um ein Stellen des AfD-Politikers Maximilian Krah. Und Caren Miosga lud Tino Chrupalla ein, um ihn im sonntäglichen Talkformat vorzuführen. Alle drei Medienakteure haben es nicht geschafft, das von ihnen mehr oder weniger deutlich ausgegebene Ziel zur Entlarvung der Alternative für Deutschland zu erreichen.

Von Dennis Riehle

Schlussendlich waren es unter anderem Rhetorik, Eloquenz und Intellektualität der Vertreter einer gerade in Ostdeutschland zur Volkspartei etablierten politischen Kraft, mit denen man zuvor hätte rechnen können – aber die die Haltungsjournalisten letztendlich doch überrascht haben. Und so trat der Spitzenmann für die Wahl zum EU-Parlament fulminant auf, der sich im mehrstündigen Interview keinesfalls um Kopf und Kragen redete, sondern offenbar auch die Zuschauer überzeugen konnte, die bislang mit Argwohn und Misstrauen jenen gegenüber eingestellt waren, die der Verfassungsschutz in einer substanzlosen und unbegründeten Brandmarkung als Rechtsextremisten eingestuft hat. Immerhin schien es vor allem den antifaschistischen Hetzer vor dem Bildschirm zu verblüffen und zur Verzweiflung zu bringen, dass alle drei Repräsentanten keine Anzeichen von Radikalität aufwiesen – oder sich nicht zu programmatischen Überzeugungen durchrang, welche mit der freiheitlich-demokratischen Grundordnung noch der Menschenwürde kollidiert wären. Denn es war zum völligen Erstaunen der geifernden Menge der thüringische Fraktionschef, der sich nicht zur Kundgabe einer nationalistischen Gesinnung hinreißen ließ. Aber auch der Co-Vorsitzende auf Bundesebene vermied es, in die Falle von fremden- oder frauenfeindliche Ressentiments zu tappen.

Und so zeigt sich die Systempresse erwartungsgemäß enttäuscht, dass es die immer wieder auf Demaskierung ausgerichtete ARD-Moderatorin nicht schaffte, einem sächsischen Malermeister aus der völlig selbstverständlichen und nachvollziehbaren Feststellung einen Strick zu drehen, wonach es Flüchtlingen vom afrikanischen Kontinent aufgrund ihrer zur hiesigen Kultur völlig diametralen Edukation, Sozialisation und Evolution ganz besonders schwerfallen dürfte, sich andernorts zu integrieren. Xenophobische Vorurteile ließen sich aus dieser Aussage natürlich kaum bestätigen. Denn es sind nicht nur statistische und wissenschaftliche Erhebungen und Erkenntnisse, die die Eingliederung von Migranten aus dem globalen Süden regelmäßig als gescheitert attestieren. Sondern wir alle können bei einem wachen Auge und klarem Verstand im Alltag unvoreingenommen erleben, dass Aufruhr, Spaltung und Gewalt vor allem von denjenigen Asylbewerbern ausgehen, die sich nur in den seltensten Konstellationen aufgrund einer tatsächlichen Verfolgung in ihrer Herkunftsdestination zur Fahrt über das Mittelmeer entschließen. Ihre Motivation ist es nicht, hierzulande an Wohlstand, Wachstum oder Prosperität mitzuwirken. Stattdessen zeigt sich ihre direkte Einwanderung in unser Gemeinwesen und die Sicherungssysteme – was letztlich auch mit der Intention korreliert, sich wesentlich aus wirtschaftlichen und persönlichen Gründen zum Aufbruch nach Europa entschlossen zu haben. Daher braucht es keine Rassismus-Keule, die man der AfD um die Ohren hauen könnten – wenn es doch die vom Informationsmonopolismus nur allzu gerne bemühten Fakten sind, welche eine plausible Tatsache bestätigen.

Und weil man sich an seinem Gesprächsgast die Zähne ausbiss, bemühte man kurzerhand ein Plakat, auf welchem angeblich die Rückwärtsgewandtheit der Partei hinsichtlich der Frauenrechte belegt wird. Die vom Kreisvorsitzenden in Zwickau veröffentlichte Grafik stellt nach Ansicht der sich unumwunden feministisch gebenden Ex-Tagesthemen-Anchor*in offenbar ein verachtenswertes Zeugnis über die Haltung der Alternative für Deutschland zum weiblichen Geschlecht dar. Zu sehen war auf dem Post von Jonas Dünzel die eindeutig pointierte, zugespitzte und satirisch anmutende Gegenüberstellung von zwei Rollenbildern, welche unter dem Aspekt der Kunst- und Meinungsfreiheit nicht zu beanstanden ist – und darüber hinaus einen wahrhaftigen Kern in sich trägt. Denn dass die progressive Dame von Welt mit der ehrwürdigen Aufgabe der Erziehung von Kindern, der Führung des Haushalts oder der Liebe zur eigenen Heimat wenig anfangen kann – und sich stattdessen als Work-Life-Balance-Karrieristin nicht selten im Bezug von Transferleistungen und dem Wehklagen über die Folgen einer Interruptio Graviditatis wiederfindet, mag zwar eine Eskalation der identitätspolitischen Debatte darstellen. Andererseits lässt sich am nachlassenden Hype um das Gendern klar erkennen, dass es nicht nur mancher Evastochter immer schwerer fällt, sich mit einem Zeitgeist anzufreunden, der die tradierte Position des männlichen Pendants als Heldin am Herd diskreditiert. Schon aus dem Ärgernis der Missachtung und Herabsetzung des honorigen Berufs der Mutter heraus fühlt sich sogar die bessere Hälfte der Moderne von der Gleichstellungsbewegung geringgeschätzt. Und so wird es auch dem “Tatort”-Nachklapp nicht gelingen, den Konservativismus als staubig, altbacken oder verrucht abzustempeln – weil die Gesellschaft in zahlreichen Themenfeldern bemerkt, dass eine zwanghafte Transformation den großen Mehrwert von Bewährtheit, Funktionalität und Verlässlichkeit nicht ausgleichen kann.

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