Körperlich gesund, geistig krank: Palmers Dystopia nimmt Gestalt an

Palmer mit "Tageszertifikat" (Foto:Imago/Eibner)

In Tübingen wirft der surreale Aberwitz der herannahenden Post-Corona-Realität seine düsteren Schatten voraus: Shoppen, einkehren und ein halbwegs normales Leben führen darf dort fortan nur noch, wer den modernen „Dreiklang des Schwachsinns“ erfüllt: Geimpft, getestet und maskiert – unter diesen Voraussetzungen sind Freiheiten auf Widerruf möglich.

Nur dieser wahnwitzige Zustand soll fortan „Freiheit“ – oder das was künftig darunter noch verstanden wird – garantieren; alle anderen verharren im Dauerlockdown und bleiben außen vor. Nachgewiesen werden muss die „Immunität“, die „Unbedenklichkeit“ für die Allgemeinheit, künftig in Palmers Reich durch ein „Tageszertifikat“, das – von offizieller Stelle ausgedruckt – überall vorgezeigt werden muss. Wie gemütskrank, wäre zu fragen, sind die Bürger, die solche behördlichen Zudringlichkeiten widerspruchslos schlucken?

Hätte sich noch vor kurzem ein verwirrter Drehbuchautor ein solches Szenario als Plot für eine pessimistische Zukunftsdystopie oder eine krude Science-Fiction-Serie ausgedacht, wäre er bei jeder Produktionsfirma ausgelacht und sein Skript todsicher abgelehnt worden – weil die Grundidee schier zu weit hergeholt und irreal erschienen wäre. Die Gehirnwäsche durch Angstkonditionierung benötigte jedoch weniger als ein ein Jahr, um aus aufgeklärten, vermeintlich freiheitsliebenden Menschen eine Horde seelenloser Sklaven zu machen, die in jedem Mitbürger ohne entsprechenden tataktuellen Gesundheitsnachweis einen Gesundheitsgefährdend und potentiell Kranken sieht. Und natürlich verliert hier auch die Impfung völlig ihre Bedeutung, wenn sogar jene, die sie vollständig erhalten und damit vermeintlich geschützt sind, weiterhin Maske tragen und Testnachweise vorzeigen müssen. Will Palmer hier etwa für Burka und Vollverschleierung proben lassen?

Palmers Motto: In einem gesunden Körper wohnt ein kranker Geist (Foto Screenshot)

Bürger schlucken alles

Und weil die Medien dieses Tübinger Modell nicht etwa als hochbefremdlich und verstörend befinden, sondern als „kühnes“, „mutiges“ und „vielversprechendes“ Vorhaben zur dereinstigen Überwindung des Lockdowns, kann man sich getrost darauf einstellen, dass uns solche Zustände für alle Zeiten drohen werden. Und statt endlich auf die Barrikaden zu gehen und diesem himmelschreienden Irrweg mit Protest zu begegnen, statt unser altes Leben zurückzufordern, schlucken die Deutschen diese Alltagsfolter.

Und leider tun dies auch manche Vertreter der nach fast 13 Monaten Berufsverbot in die Knie gezwungenen Branchen, die in der totalen Gesundheitskontrolle und permanenten Beweisführung jedes Einzelnen, dass er weder „krank“ noch „gefährlich“ ist, dasselbe: Sie arrangieren sich mit den Schikanen. So etwa die fast vollends vernichtete Disc- und Barszene: In Berlin versuchen die Clubs mit einem „6-Punkte-Plan“, ihre Wiedereröffnung zu ermöglichen – mit vorherigen Tests des Publikums auf Corona. Geht dieses Pilotprojekt durch, so dürfen sich die Türsteher dann gleich zu Krankenpflegern umschulen lassen…