Veraltete Studiendaten und Geheimvorräte: Astrazeneca gerät immer mehr ins Zwielicht

Eine Spritze wird mit dem AZ-Vakzin aufgezogen (Foto:Imago/Emmefoto)

Der Oxford-Impfstoffhersteller Astrazeneca kommt einfach nicht aus den Negativschlagzeilen heraus. Kaum hat sich mit Bestätigung der Zulassung durch die europäische Arzneimittelbehörde EMA die Diskussion um die möglichen Thrombose-Nebenwirkungen abgeschwächt und haben die EU-Einzelstaaten weitgehend die unterbrochenen Impfungen mit dem Wirkstoff wieder aufgenommen, gibt es neuen Wirbel um die Geschäftsgebaren des britisch-schwedischen Konzerns.

Und die sind alles andere als vertrauenserweckend: Gestern vormittag hatte bereits die Meldung für Aufsehen gesorgt, dass für eine großangelegte US-Studie zu dem Oxford-Impfstoff des Herstellers veraltete Informationen enthalten haben soll. Zu diesem Schluss waren laut „Welt“ amerikanische Bundesgesundheitsexperten gelangt, die die Sorge äußerten, AstraZeneca könne womöglich eine „unvollständige Übersicht der Wirksamkeitsdaten“ geliefert haben, so das Datenüberwachungskomitee (Data and Safety Monitoring Board, DSMB) in einer Stellungnahme von vorgestern. Astrazeneca wies dies zurück und behauptete, mit „aktuelleren Informationen“ zu arbeiten, und verwies auf die Ergebnisse, wonach sein Impfstoff einen starken Schutz biete.

Anfang der Woche war Astrazeneca mit der Studie an die Öffentlichkeit gegangen und hatte erklärt, der Coronavirus-Impfstoff des Unternehmens sei „zu 79 Prozent gegen eine Covid-19-Erkrankung mit Symptomen“ effektiv, auch bei „älteren Erwachsenen„, und zu 100 Prozent wirksam, eine schwere Erkrankung und einen Krankenhausaufenthalt zu verhindern. Dass diese wolkigen Verheißungen womöglich auf älteren, „passend gemachten“ Daten basieren, weckt erneut Misstrauen in der Bevölkerung und seitens der Gesundheitsdienste. Nach wie vor ist Astrazeneca in den USA und der Schweiz nicht zugelassen und diese neuerlichen Zweifel tragen nicht gerade dazu bei, dass sich dies ändern könnte. In Deutschland hingegen wird unbeirrt an dem Impfstoff festgehalten und er weiterhin propagiert – nach der Devise „alles ist besser als nichts“.

Zunehmende Zweifel

Zur Steigerung der Vertrauenswürdigkeit von Astrazeneca ist auch eine weitere dubiose Enthüllung nicht eben angetan, die gestern an die Öffentlichkeit gelangte: In Italien fanden die Behörden Medienberichten zufolge einen nicht deklarierten, bislang unbekannten Vorrat von 29 Millionen Impfdosen des Pharmakonzerns – in etwa soviel, wie Astrazeneca bisher insgesamt in der gesamten EU ausgeliefert hat. Dieser geheime Großbestand hätte von Astrazeneca offengelegt werden müssen, was aber nicht erfolgt war. Die Entdeckung sorgt jetzt, wie „n-tv“ schreibt, für einen massiven Eklat – und befeuert den Streit zwischen der Brüsseler Kommission und den EU-Mitgliedsstaaten wegen der heillos gefloppten Impfstoffbeschaffung zusätzlich. Offenbar, so n-tv, hatte der Impfhersteller, der sich seit Monaten mit der EU um den Umfang der Lieferungen an die Union und andere Staaten streitet, die Existenz des Vorrats absichtlich verheimlicht.

Welch ein schäbiges Spiel hier zu Lasten der Menschen läuft, die auf ihre Impfung warten oder als noch immer umgeimpfte Risikopatienten dringend auf eine solche angewiesen sind, ist in seiner Dimension noch unklar; sicher ist bloß eines: zwischen einem zumindest unseriösen, wenn nicht sogar vertragsbrüchigen Verhalten dieses Impfherstellers und dem himmelschreienden Dilettantismus der EU-Kommission unter der „zertifizierten“ Vollversagerin Uschi von der Leyen geraten die Bürger zwischen die Mühlen – und sind letztlich die Dummen. (DM)