Streit um „Todesdroge“ geht weiter

Krank erst durch die Impfung? (über dts Nachrichtenagentur)

Normalerweise sollte ein Arzt versuchen, Leben zu retten. Da gibt es ja so etwas wie einen Eid, der das garantieren sollte. Wenn ein Arzt aber zu einem Lobbyisten „mutiert“, scheint man den Eid gleichzeitig abzuschütteln:

Weltärztepräsident Frank Ulrich Montgomery hat die Kommunikation zu Astrazeneca kritisiert. „Insgesamt ist das Hin und Her um den Impfstoff gleichwohl ein Kommunikationsdebakel“, sagte er dem „Redaktionsnetzwerk Deutschland“ (Mittwochausgaben). So werde „völlig unnötiger Weise das Vertrauen in die Impfungen insgesamt unterminiert“.

Das konkrete Vorhaben, den Impfstoff nicht mehr an Menschen unter 60 Jahre abzugeben, begrüßte Montgomery: „Die Entscheidung ist klug. Komplikationen sind bisher fast ausschließlich bei Frauen unter 55 aufgetreten“, sagte er. Daher mache es Sinn, nur Menschen über 60 Jahre zu impfen.

Dort sei das Risikospektrum dem der anderen Impfstoffe vergleichbar. „Auch gibt es inzwischen ausreichend Evidenz, dass die Wirksamkeit in den höheren Altersgruppen vorhanden ist“, so Montgomery.

So, so, ein Kommunikationsdebakel ist das also. Hätte man wohl lieber die Toten und Erkrankten verschwiegen sollen?

Der CDU-Vorsitzende Armin Laschet bedauert derweil den Vertrauensverlust durch die Kehrtwende bei Astrazeneca. „Das ist ein wirklich ärgerlicher Vorgang“, sagte er der RTL/n-tv-Redaktion. Ihm hätten viele Bürger geschrieben, dass sie bereit wären das Risiko einzugehen.

„Es ist minimal, aber die Sorge vor Corona ist größer.“ Und jeder Impfstoff habe Nebenwirkungen, so Laschet. „Ich denke mir, dass viele Über-60-Jährige, die dringend auf eine Impfung warten, dass chronisch Kranke und andere sagen: Bitte gebt uns Astrazeneca. Deshalb brauchen wir mehr Flexibilität“, so der CDU-Vorsitzende. Man müsse Astrazeneca auch den Hausärzten geben, denn die hätten eine besondere Vertrauensbeziehung zu ihren Patienten, die könnten dann auch beurteilen, „ist es angemessen oder ist es zu gefährlich“. Auf die Frage, wie er angesichts der Corona-Pannen hierzulande, Deutschland zu einem Land der Macher weiterentwickeln wolle, sagte der CDU-Chef: „Wir erleben in der Coronakrise, dass es viele Macherinnen und Macher vor Ort gibt, die Großes leisten.“

Aber man erlebe auch viel Bürokratie. „Das ist mein Grundansatz, dass wir aus der Pandemie lernen, was ist schiefgegangen, wo müssen Bund, Länder, Europa, die Kommunen noch besser zusammenarbeiten. Wo müssen wir in der Digitalisierung besser werden.“

Und welche Bürokratie habe man eigentlich, dass man zig Formulare ausfüllen muss, dass man eine so strenge Impfordnung hat, dass der Einzelne vor Ort zu wenig entscheiden könne. „Alles das muss besser werden.“

Bund und Länder haben sich ebenfalls darauf geeinigt, den Impfstoff von Astrazeneca nur noch an über 60-Jährige zu verimpfen. Man schließe sich der Empfehlung der Ständigen Impfkommission an, sagte Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) am Dienstagabend. „Vertrauen entsteht in dem Wissen, dass jedem Verdacht, jedem Einzelfall nachgegangen wird. Dafür stehen Bund und Länder ein“, sagte sie nach den Beratungen mit den Länderchefs. Man werde nun Veränderungen an den Lieferplänen, Verteilung auf Impfzentren, mobile Teams und nach Ostern auch auf die Hausärzte vornehmen müssen. „Wir stehen auch heute Abend nicht vor der Frage: `Astrazeneca oder keinen Impfstoff`, sondern wir haben verschiedene Impfstoffe zur Verfügung“, so die Kanzlerin.

Bis Ende April werde die Stiko zudem mitteilen, wie mit den Menschen verfahren wird, die bereits mit Astrazeneca geimpft wurden, unter 60 Jahre alt sind und auf eine Zweitimpfung warten.

Hier weitere aktuelle Meldungen aus der Corona-Hölle:

GdP erwartet Durchimpfung der Bundespolizei in wenigen Wochen

Die Gewerkschaft der Polizei (GdP) rechnet damit, dass im Laufe des Aprils alle impfwilligen Bundespolizisten geimpft sein werden. „Die Bundespolizei ist auf einem sehr guten Weg bei den internen Impfungen. Wir schätzen, dass alle diejenigen, die sich impfen lassen wollen, in drei bis vier Wochen die erste Impfung hinter sich haben werden“, sagte Andreas Roßkopf, Vorsitzender des GdP-Bezirks Bundespolizei, der „Rheinischen Post“ (Mittwochausgabe).

Das laufe „sehr gut, das muss man klar sagen“. Zugleich forderte Roßkopf mehr regelmäßige Schnelltests für alle Polizeikräfte und einen besseren Schutz durch den Dienstherrn. „Aber eine Impfung schützt nicht unbedingt vor einer Infektion, sondern nur vor einem schweren Verlauf. Deswegen die klare Forderung: regelmäßige Tests und eine bessere Anerkennung des Dienstunfallschutzes“, so der Polizeigewerkschafter.

Krankenhausgesellschaft dringt auf konsequente Notbremse

Die Deutsche Krankenhausgesellschaft (DKG) sieht derzeit keine Notwendigkeit für einen bundesweiten härteren Lockdown gegen die dritte Corona-Welle. „Würden die Länder die Notbremse konsequent umsetzen, wären dies geeignete Maßnahmen, um einen Gesundheitsnotstand abzuwenden“, sagte Gerald Gaß, ab Donnerstag Vorstandsvorsitzender der DKG, der „Neuen Osnabrücker Zeitung“ (Mittwochausgabe). „Wir erwarten von der Politik, dass im Notfall bei steigenden Inzidenzen die vereinbarte Notbremse gezogen wird.“

Zwar sei die dritte Welle in den Krankenhäusern angekommen, so Gaß. „Mittelfristig müssen wir damit rechnen, dass wir auch den Höchststand an Intensivpatienten von Anfang des Jahres wieder erreichen. Trotzdem gibt es auch positive Nachrichten“, so der künftige DKG-Chef.

Man habe zurzeit weniger Neueinweisungen von Covid-Patienten als bei gleichen Inzidenzwerten während der zweiten Welle. „Das bedeutet, die Impfung zeigt Wirkung.“ Ein weiterer positiver Effekt sei, dass die Beschäftigten in den Krankenhäusern, die zur Prioritätsgruppe eins und zwei gehören, überwiegend durch die erfolgten Impfungen geschützt seien.

„Wir rechnen deshalb damit, dass wir in der dritten Welle weniger stark von Quarantänemaßnahmen und einem Infektionsgeschehen unter der Mitarbeiterschaft betroffen sein werden.“ Die Krankenhäuser seien noch „gut in der Lage“, die Versorgung aufrechtzuerhalten. Aber es dürfe nicht verkannt werden, „dass wir seit mittlerweile einem Jahr in einer Ausnahmesituation in den Kliniken sind“ und die Belastung der Mitarbeiter extrem hoch ist.

Angesichts der Impfstoffknappheit forderte Gaß, die Zweitimpfung aufzuschieben. „Impfen ist das Mittel, um die dritte Welle zu brechen.“ Deshalb müsse man so viele Menschen wie möglich mit der Erstimpfung versorgen. „Das heißt, der Zeitraum bis zur Zweitimpfung sollte maximal ausgeschöpft werden“, sagte der künftige DKG-Chef. „Das wäre eine Möglichkeit, Krankenhäuser deutlich zu entlasten, denn insbesondere die besonders gefährdeten Personengruppen können so bereits vor schweren Verläufen geschützt werden.“ Die Bundesländer müssten mit allen Mitteln versuchen, jetzt Erstimpfungen durchzuführen.

Acht Bundesländer impfen über Ostern uneingeschränkt weiter

Trotz steigender Infektionszahlen bleiben in acht von 16 Bundesländern die viele Impfzentren über Ostern geschlossen. Das ist das Ergebnis einer Umfrage des „Redaktionsnetzwerks Deutschland“ (Mittwochausgaben) unter den Bundesländern. Als Grund für die Schließung von Impfzentren nannten Länder und Kreise fehlende Impfdosen.

Uneingeschränkt sollen nur in Bayern, Berlin, Hessen, Nordrhein-Westfalen, Sachsen, Schleswig-Holstein, Hamburg und Saarland die Coronaschutzimpfung über Ostern verabreicht werden. Letzteres Bundesland prüft derzeit, ob es auch am Sonntag öffnen werde. Bisher ruhte hier sonntags der Betrieb.

In Rheinland-Pfalz, Baden-Württemberg, Niedersachsen und Sachsen-Anhalt bestimmt die Menge an Impfstoff, ob und welche Zentren öffnen werden. Ähnlich ist es offenbar auch in Mecklenburg-Vorpommern: Man habe die gesamten Impfstoffdosen verimpft, daher schließe man über Ostern, heißt es etwa aus dem Impfzentrum in Schwerin, in Greifswald dagegen läuft der Impfbetrieb weiter. In einigen Bundesländern schließen die Impfzentren an den Feiertagen: In Brandenburg wird an den Osterfeiertagen niemand geimpft.

Thüringen schließt mangels Impfstoff am Ostersonntag seine Impfzentren. Am Karsamstag werden dort lediglich Zweitimpfungen vorgenommen.

Grütters: Kultureinrichtungen mit Hygienekonzepten schnell öffnen

Kulturstaatsministerin Monika Grütters (CDU) plädiert dafür, möglichst schnell Kulturinstitutionen mit funktionierenden Hygienekonzepten zu öffnen. „Aus wissenschaftlicher Sicht spricht nichts dagegen“, sagte sie der „Neuen Osnabrücker Zeitung“ (Mittwochausgabe). „Denn inzwischen haben mehrere Studien seriös belegt, dass die Ansteckungsgefahr in Kinos, Theatern und Opernhäusern geringer ist als in Supermärkten.“

Kulturerlebnisse hätten auch einen Gesundheitsaspekt: „Die Kultur kann uns jetzt aus der Isolation herausholen, sie kann vielen inzwischen vereinsamten Menschen wieder Anregungen liefern, sich mit anderen Themen als mit ihrer verzweifelten Situation im Lockdown auseinanderzusetzen. Deshalb müssen wir die Kultur bei allen Lockerungs-Überlegungen von Anfang an mitberücksichtigen.“ Die CDU-Politikerin, die seit acht Jahren im Amt ist, warnt außerdem davor, beim Kassensturz nach der Coronakrise an der Kultur zu sparen: „Das Einsparpotenzial ist, verglichen mit dem Gesamthaushalt, eher gering. Man spart viel weniger, als man zerstört.“ Als Negativbeispiel nannte Grütters die Stadt München: „Diese wohlhabende Stadt hat schon im Dezember beschlossen, sechs Prozent in allen Budgets zu sparen. Das würde die Kultur mit am härtesten treffen.“

Grütters sagte der NOZ weiter, dass sie ihre Amtszeit gerne fortsetzen würde. In der Bundesregierung für Kultur und Medien zuständig zu sein sei „eine wunderbare Aufgabe“, sagte die Kulturstaatsministerin. „Aus der Tatsache, dass ich erneut für den Deutschen Bundestag kandidiere, können Sie gerne schließen, dass ich weiterhin bereit bin, politische Verantwortung für dieses Land zu übernehmen.“

Acht Bundesländer impfen über Ostern uneingeschränkt weiter

Trotz steigender Infektionszahlen bleiben in acht von 16 Bundesländern die viele Impfzentren über Ostern geschlossen. Das ist das Ergebnis einer Umfrage des „Redaktionsnetzwerks Deutschland“ (Mittwochausgaben) unter den Bundesländern. Als Grund für die Schließung von Impfzentren nannten Länder und Kreise fehlende Impfdosen.

Uneingeschränkt sollen nur in Bayern, Berlin, Hessen, Nordrhein-Westfalen, Sachsen, Schleswig-Holstein, Hamburg und Saarland die Coronaschutzimpfung über Ostern verabreicht werden. Letzteres Bundesland prüft derzeit, ob es auch am Sonntag öffnen werde. Bisher ruhte hier sonntags der Betrieb.

In Rheinland-Pfalz, Baden-Württemberg, Niedersachsen und Sachsen-Anhalt bestimmt die Menge an Impfstoff, ob und welche Zentren öffnen werden. Ähnlich ist es offenbar auch in Mecklenburg-Vorpommern: Man habe die gesamten Impfstoffdosen verimpft, daher schließe man über Ostern, heißt es etwa aus dem Impfzentrum in Schwerin, in Greifswald dagegen läuft der Impfbetrieb weiter. In einigen Bundesländern schließen die Impfzentren an den Feiertagen: In Brandenburg wird an den Osterfeiertagen niemand geimpft.

Thüringen schließt mangels Impfstoff am Ostersonntag seine Impfzentren. Am Karsamstag werden dort lediglich Zweitimpfungen vorgenommen.

Lindner: Verschärfung des Infektionsschutzgesetzes konkretisieren

FDP-Chef Christian Lindner fordert Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) auf, ihre am Sonntag geäußerten Überlegungen für eine Verschärfung des Infektionsschutzgesetzes schnell konkret zu machen. „Frau Merkel sollte ihre Pläne im Bundestag zur Debatte stellen. Es würde der Akzeptanz in der Bevölkerung dienen, wenn die Pandemiepolitik nicht mehr länger im Hinterzimmer gemacht würde“, sagte er dem „Redaktionsnetzwerk Deutschland“ (Mittwochausgaben).

Die FDP fordere seit Monaten ein bundesweites Regelwerk, das regionale Differenzierungen erlaube, so Lindner. „Flächendeckende Verschärfungen wie pauschale Ausgangssperren aber sind nicht der richtige Weg. Wir brauchen stattdessen einen klaren Wenn-Dann-Plan, der Öffnungsperspektiven aufzeigt und gleichzeitig für Hotspots regional begrenzte Notbremsen ermöglicht“, sagte der FDP-Politiker.

Wissing: Bundesregierung ist Pandemie-Management entglitten

Der Bundesregierung ist nach Ansicht von FDP-Generalsekretär Volker Wissing das Management der Coronapandemie endgültig entglitten. „Dieses Sprunghafte, dass die Bundesregierung an den Tag legt, führt zu Vertrauensverlust“, sagte Wissing der „Bild“ zu den neuen Beschlüssen zu Astrazeneca. „Wir verlieren Zeit, wir zerstören das Vertrauen in die Impfung.“

Man brauche „offensichtlich“ ein anderes Krisenmanagement. „Der Bundesregierung ist die Sache entglitten.“ Es sei „mehr als erklärungsbedürftig“, dass der Impfstoff von Astrazeneca „erst für Jüngere, dann für Ältere, dann wieder mit Risiko und plötzlich nur für Ältere“ sicher sei, so der Liberale.

„Die Verunsicherung nimmt von Tag zu Tag zu“, sagte Wissing.

Ex-Kanzlerberater bemängelt Merkels Corona-Strategie

Der Politikwissenschaftler und ehemalige Berater der Bundeskanzlerin, Werner Weidenfeld, kritisiert die mangelnde Strategie der Bundesregierung in der Pandemie-Bekämpfung. „Der Kanzlerin ist in all den 16 Jahren viel gelungen“, sagte er dem Nachrichtenportal Watson. Aber sie habe nie eine wirkliche Strategie dargelegt.

„Damit kam sie lange Zeit gut zurecht.“ Aber in der aktuellen Krise greife das zu kurz. „Nun bräuchte sie eine und das Defizit lässt sich nicht mehr verbergen.“

Weiter kritisierte Weidenfeld die Kommunikation von Bund und Ländern. Auch die Lockerungen durch die Ministerpräsidenten einzelner Bundesländer seien taktisch begründet: „Was sicherlich mit hineinspielt ist eine bestimmte Beliebtheit. Die Lockerungen in bestimmten Bundesländern heben die Zustimmungsquote der Ministerpräsidenten.“

Hier fehle die Deutungshoheit: „Wenn die Maßnahmen strategisch genau begründet würden, würden das deutlich mehr Menschen einsehen. Aber so wirkt es immer ein bisschen willkürlich und die Lockerungen, die einige Bundesländer anstreben, sind daher beliebter.“ Bezüglich einer Live-Übertragung der Ministerpräsidentenkonferenz, wie sie jüngst gefordert wurde, sagte Weidenfeld: „Das bringt nur etwas, wenn sie eine gemeinsame Linie haben. Wenn man überträgt, wie sich die verschiedenen Teilnehmer Dinge an den Kopf werfen, bringt das rein gar nichts.“

Patientenschützer kritisieren Verwirrung um Astrazeneca-Impfstoff

Patientenschützer kritisieren die unklare Lage bei der Verimpfung des Impfstoffs von Astrazeneca. „Die staatlichen Empfehlungen zu Astrazeneca sind wie eine Fahrt mit der Achterbahn“, sagte der Vorstand der Stiftung Patientenschutz, Eugen Brysch, dem „Redaktionsnetzwerk Deutschland“ (Mittwochausgaben). Erst sollten nur die unter 65-Jährigen, dann alle und jetzt nur die über 60-Jährigen den Impfstoff bekommen, so Brysch.

„So entsteht der Eindruck, dass nicht alle Fakten auf den Tisch gelegt werden“, fügte er hinzu. Auch werde der Anschein erweckt, dass allein Stimmung entscheidend für Impfempfehlungen seien. „Genau diese Mischung treibt die Menschen in die Fänge der Verschwörungstheoretiker. Das ist hochgefährlich“, warnte er. Deshalb sei es gut, das sich jetzt die Bundeskanzlerin und die Regierungschefs der Länder der Sache annähmen. (Mit Material von dts)