Intensivmediziner übernehmen den Job der Virologen als Panik-Experten

Intensivstation (Symbolbild:Imago/VCG)

Da die Bundesregierung zu Recht fürchtet, dass irgendwann demnächst die Inzidenzwerte endgültig an Akzeptanz verlieren werden – und zwar spätestens dann, wenn alleine aufgrund einer überschrittenen Obergrenze von 100 die Notbremse greift (durch Rechtsverordnung der Bundesregierung dann bald zentralistisch verordnet) – müssen dringend andere Bedrohungsszenarien zur Absicherung her, um die Seuche weiter präsent zu halten.

Und auch wenn die Lage der Intensivstationen bislang die wieder mal behauptete drohende Katastrophe schlichtweg nicht hergibt, setzt die Politik hierin große Hoffnungen, um auch nach 13 Monaten Corona immer noch die Zeitbombe des kollabierenden Gesundheitssystems, mit Triagen und Beatmungshorror, zünden zu können. Ihr Lautsprecher und „Krisen-Testimonial“ ist wieder einmal der Leiter des DIVI-Intensivregisters, Christian Karagiannidis. Was bisher in dieser Pandemie Drosten, Lauterbach und andere virologisch-epidemiologische Fachkräfte waren, die unfehlbar, „ex cathetra“, die Apokalypse beschwörten, sind mittlerweile die Klinikärzte, die die Wasserstandsmeldungen der „vollaufenden“ Betten besorgen.

Erstaunlich ist, dass sich die tatsächlichen Zahlen längst von der Lautstärke der Alarmsirenen entkoppelt hat – denn was Karagiannidis jetzt bei gerade einmal 4.000 vollen Betten äußert, unterscheidet sich in nichts von Anfang Januar, als es mit rund 7.500 annähernd doppelt so viele waren. Und auch jetzt fordert er wie seit Wochen, die Bundesregierung wieder zu einem „schnellen und bundeseinheitlichen Handeln“ auf: Die steigende Belastung in den Krankenhäusern sei „nicht länger vertretbar„, sagte er dem „Spiegel„. Es drohten wegen Quarantäne Mitarbeiterengpässe.

Lüge der Renormalisierung

Deshalb könne „nur ein harter und konsequenter Lockdown wie im Frühjahr 2020“ die Patientenzahlen nach unten bringen, so der Intensivmediziner. Das erklärt er nach wohlgemerkt fast sechs Monaten laufendem Lockdown – in dem es mehrere prekäre Phasen saisontypischer Klinikenauslastungen gab, die sich auch wieder reduzierten – und zwar noch bevor es erste bescheidene Teil-„Öffnungen“ gab.

Die Lüge, man könne durch eine Verschärfung anschließend renormalisieren, hat nach wie vor Konjunktur: „Je früher wir die Zahlen runterbringen, desto höher die Wahrscheinlichkeit, dass wir im Sommer wieder im Biergarten sitzen können.“ Biergarten, (und sei es nur per „Testregime“)? Aber sicher doch! So wie wir ja – dank des nur zweiwöchigen kurzen „Wellenbrecher-Lockdowns“ im November – bekanntlich auch „normal Weihnachten feiern“ konnten… (DM)