Testzentren statt Pommesbuden: Der lukrative Gründer-Trend im Sommer 2021

Wer will nochmal, wer hat noch nicht? Schnelltestzentrum (hier in Esslingen) (Foto:Imago/Hettrich)

Auf den richtigen „Standort“ für pfiffige Kleinunternehmer und Schausteller/Ständebetreiber kommt es in der Pandemie genauso an wie in der guten, alten Zeit vor Corona – bloß dass sich die angebotenen Produkte verändert haben: Wo früher Bierzelte, Bratwürste, Brezelbuden und Eiswagen für Andrang sorgten, sind heute Schnelltests der absolute Renner. Gesunde Menschen stehen Schlange, um sich von wildfremden „Dienstleistern“ mit Wattestäbchen in der Nase herumpulen zu lassen – um anschließend, solange sie noch nicht geimpft sind, ein Quäntchen Normalität zu genießen. Für den Reibach dieser neuen Geschäftsidee sorgt – na wer wohl – der Staat.

Denn seit sich – etwa Anfang des Monats – deutschlandweit herumgesprochen hat, dass jeder eine Schnellteststation eröffnen kann, der an einem mehr oder weniger geeigneten Standort eine Bretterbude oder anderweitige geeignete Örtlichkeit als „Testzentrum“ ausweist und sich per Schnellverfahren – etwa per Webinar – mit den Testanforderungen und den vorgeschrieben Hygieneregeln vertraut gemacht: Da schießen diese Pop-Up-Startups überall wie Pilze aus dem Boden. Zum Teil sind es clevere Geschäftemacher, die ihren Teil vom Kuchen einer kommerzialisierten Volksneurose abbekommen wollen – zum Teil auch „umgeschulte“ Gastronomen, Veranstalter, Kulturschaffende oder Dienstleister, die zuvor von demselben Staat in die Pleite oder Geschäftsaufgabe getrieben wurden, der ihnen jetzt einen lukrativen Ausgleichserwerb verschafft.

Die Genehmigungen zum Betrieb der Stationen werden durch den öffentlichen Gesundheitsdienst erteilt – und es ist nicht einmal ein Bruchteil des bürokratischen Aufwandes dafür notwendig, der vor der Krise zum Betrieb eines Bierausschanks, für eine erweiterte Freibestuhlung oder einen Getränkestand an einem Sportplatz erforderlich war. Selbst die in der Pandemie doch so großgeschriebenen Hygienevorgaben geraten unter die Räder: „Aufgrund der Vielzahl an neuen Testzentren“ sei eine Prüfung der Hygienekonzepte vom Gesundheitsamt „im Einzelnen nicht machbar„, so das Münchner Landratsamt laut „Süddeutscher Zeitung“ (SZ). Die Einhaltung aller relevanten Vorschriften und Empfehlungen, auch bezüglich der Hygiene, liege in der Verantwortung des jeweiligen Betreibers – und dieser muss laut der Zeitung lediglich mit seiner Unterschrift unter der „Beauftragung“ erklären, dass er die ordnungsgemäße Durchführung der Testungen garantiert – inklusive der allgemeinen Abstands- und Hygieneregeln.

Selbst Hygiene wird zur Nebensache

Wenn diese Formalitäten geklärt sind, kann kassiert werden: für jeden einzelnen durchgeführten Schnelltest winken satte Pauschalen. 18 Euro für nichtmedizinisches Personal, 21 Euro für ärztliches und gesundheitliches Fachpersonal werden pro Test vom Bund erstattet. Diese teilen sich auf in 6 Euro für Sach- und Materialkosten und 12 Euro bzw. 15 Euro für die eigentliche Durchführung des Tests. Der Nettogewinn wird laut „Brancheninsidern“ auf 9,50 bis 11 Euro pro Test berechnet – kein schlechtes Geschäft, wer am Tag 100 bis 200 oder weitaus mehr Tests durchführt. In den meisten Bundesländern rechnen die Betreiber der Testzentren direkt mit der jeweils zuständigen kassenärztlichen Vereinigung ab.

Und solange die Kapazitäten ausreichen, kann sich jeder beliebig oft testen lassen – auch mehrmals pro Woche, denn dem Wortlaut der Testverordnung des Bundesgesundheitsministeriums können die sogenannten Bürgertestungen „mindestens einmal pro Woche“ in Anspruch genommen werden – eine typische Spahn-Formulierung, die also nur die Untergrenze, nicht die Obergrenze definiert. Zumindest in Bayern sind laut SZ noch nicht einmal ein Wohnsitz oder auch nur Aufenthaltstitel in Deutschland Voraussetzung zur Testteilnahme; der Anspruch besteht gänzlich „uneingeschränkt„. Die Frage der Notwendigkeit einer nichtbegrenzten, potentiell unlimiierten Zahl an Teststellen wird da schon gar nicht mehr gestellt, wie auch ein aktueller TV-Beitrag des „Norddeutschen Rundfunks“ von vorgestern zeigt.

Solange die „Bundesnotbremse“ fast flächendeckend griff und aufgrund der schamlos aufgebauschten, gänzlich haltlosen Horrorprognosen zur dritten Welle sowieso niemand damit rechnete, dass es vor der weitestgehenden Durchimpfung der Bevölkerung noch einmal zu großartigen Öffnungen käme, hielt sich die Zahl der Testcenter-„Neugründungen“ dennoch in Grenzen. Viele glaubten wohl, bis das Leben mit Shopping, Reisen, Restaurantbesuchen und Kneipen zurückkehrt, wäre die Mehrzahl der Bürger bereits geimpft, und schon deshalb müssten nur noch die wenigsten auf Schnelltests zurückgreifen, um sich zumindest tageweise dieselben „Privilegien“ zu erkaufen, die Geimpfte und Genesene schon jetzt erhalten. Nachdem sich die dritte Welle jedoch als erneutes Hirngespinst einer gewissen- und verantwortungslosen Alarmistenclique aus Politik und Wissenschaft erwiesen hatte, und die Inzidenzwerte überall abstürzen, geht es für die meisten Deutschen nun doch nicht ohne Schnelltests – und prompt setzt ein Gründerboom ein.

Lockerungen sorgen für Nachfrageboom, der Staat blecht

In der Radio-Bremen-Talkshow „3nach9„wurde nun berichtet, dass es mittlerweile alleine in Hamburg über 300 solcher Stellen gibt; fast überall in Mittel- und Großstädten eröffnen provisorische Testcenter so schnell und zahlreich wie bisher nur Dönerläden, Shishabars und Handyshops – und sie scheinen auch überwiegend von derselben Klientel betrieben zu werden, wie der hohe Anteil „südländischer“ Mitarbeiter und verschleierter Frauen in den Zentren beweist. Die Geschäftemacherei hat Methode: Zum einen werden die von Spahn mit ähnlicher Besessenheit wie die Masken durchgepeitschten Tests – ohne Rücksicht auf Gesundheitsschäden und vor allem ohne die Frage nach ihrer Sinnhaftigkeit – endlich unters Volk gebracht – und so mancher lockdowngeschädigte „Koofmich“ macht sich auf Staatskosten die Taschen voll. Corona-Sozialismus statt Marktwirtschaft: Diese Melodie kennen wir bereits auswendig. Die machen einen Reibach und der Steuerzahler zahlt die Investition. Sozialismus pur, eine glänzende Geschäftsidee.

Und auch die Machthaber des Corona-Regimes haben etwas davon: Da die Idiotie der willkürlichen, aussagelosen Inzidenzschwellen mit ihrem sturen Ampelsystem weiterhin gilt, sorgt mit Beginn der Lockerungen der Run auf die Testzentren automatisch dafür, dass aus dem riesigen Dunkelfeld der ungetesteten Gesamtbevölkerung wieder entsprechend viele „positive“ Fälle aufgedeckt werden, die sonst nie auf den Radar der Gesundheitsbehörden gelangt werden – wodurch die Vortestwahrscheinlichkeit für PCR-Tests massiv gesteigert wird und bald schon wieder die Inzidenzen automatisch nach oben schießen werden. Dieses negative Rückkopplungsprinzip ist aus Sicht der Lockdown-Lobby geradezu genial – und ist das einzige, was das System der Testungen und Inzidenzen wirklich „atmen“ lässt: Die Freiheiten sorgen für ihre eigene Einschränkungen. Wer heute öffnet, kann morgen bereits wieder ans Zumachen denken – und die vom Staat geköderten Testprofiteure leisten hierbei ganze Vorarbeit. (DM)