Abstürzende Inzidenzzahlen bringen die Regierung in Erklärungsnöte

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Dieselben Medien, die noch vor wenigen Wochen Inzidenzen im vierstelligen Bereich befürchteten und das Wüten der „Briten-Mutante“ als Grund anführten, warum sich dieser Corona-Sommer vom Vorjahr so eindeutig unterscheiden werde, kommen selbst aus dem Staunen nicht mehr heraus und ringen nach Erklärungen, wieso die Zahlen nun so schnell abstürzen. Doch was immer sie – ebenso wie die Bundesregierung – hier als Grund identifizieren, ist nicht überzeugend: Weder kann es sich nämlich um eine Folge der Bundesnotbremse handeln noch um das Ergebnis der Impfkampagne.

Denn die Trendwende war bereits vor gut vier Wochen, bei Beginn der „Bundesnotbremse“, absehbar – und stellte vermutlich auch den Hauptgrund dar, warum die Bundesregierung diese noch schnell durchdrücken wollte, ehe die Inzidenzwerte dafür zu gering gelegen hätten. Da der Hauptrückgang bis zur ersten Maiwoche bereits in einer Zeitspanne erfolgte, die von seit der Ausgangssperre und Bundesnotbremse erfolgten Infektionen noch gar nicht betroffen sein konnte und das frühere Geschehen vor diesen Maßnahmen abbildete, kann keine Kausalität bestehen.

Hinzu kommt: Es hieß im Frühjahr doch stets, die „britische Mutante“, die bei uns bald die Hauptlast aller Infektionen darstellen würde, wäre weitaus (bis zu sechsmal) ansteckender, weshalb sich immer mehr Menschen immer schneller anstecken würden. Erstaunlicherweise gehen die Zahlen trotz des zunehmenden Anteils der B.1.1.7-Mutante rapide zurück.

Und auch die Impfungen, die in diesem Zeitraum zwar weiterliefen, können diesen Rückgang nicht erklären – denn nach wie vor sind 70 Prozent der Bürger nicht geimpft (und von den Geimpften die Mehrheit auch nur einfach); und da mit jedem „geöffneten“ Landkreis – nach Logik der Lockdown-Vertreter – die Infektionsrisiken wieder steigen,  hätte in den letzten drei Wochen eher wieder eine Zunahme statt ein weiterer Rückgang der Inzidenzen verzeichnet werden müssen. Das genaue Gegenteil ist der Fall: Von 170 Ende April auf jetzt noch 50 im Bundesschnitt rauschten die Zahlen in den Keller.

Absturz der Inzidenzen

Der Grund hierfür ist erkennbar ein anderer: Wie schon im letzten Jahr, kommen und gehen die „Wellen“ auf natürliche Weise und ganz offensichtlich völlig unbeeinflusst von den Maßnahmen. Eben diese Entwicklung deckt sich auch mit der in Ländern, die überhaupt keine oder weitaus moderatere Corona-Schutzvorkehrungen trafen. Das Infektionsgeschehen nimmt im Herbst zu und geht im Frühsommer zurück – und wie nennen wir dieses Phänomen schon immer, lange bevor findige Gesundheitsglobalisten und Panikvirologen auf die Idee verfielen, gesunde Populationen auf ein bestimmtes Einzelvirus zu testen: Saisonale Grippewelle.

Um nichts anderes scheint es sich in der Tat, rückschauend betrachtet, bei Corona zu handeln – verstärkt und uminterpretiert zu einer „Pandemie“, indem die Grippetoten zweier kompletter Saisons zusammengefasst wurden und als „Covid-Todesfälle“ ausgewiesen wurden. Natürlich war Sars-CoV2 das dominante Virus dieser Welle – doch hätte man, wie bei allen früheren, unter dem saloppen Oberbegriff „Grippe“ subsumierten respiratorischen Atemwegsinfektionen, auf seine Identifikation verzichtet, dann wäre Corona eben nur „die Grippe“ gewesen. Dafür spricht auch, dass diese Grippe schlagartig ausgestorben ist, seit Corona in der Welt ist. Es handelt sich um ein Alias.

Dafür spricht auch der Zeitpunkt des Rückgangs: Während es 2020 schon Ende April sommerlich wurde und die Zahlen mit Ende des ersten Lockdowns Anfang Mai wirklich signifikant in den Keller rauschten, passiert dies 2021 eben exakt einen Monat später. Doch diese Kausalitäten klar zu benennen, ja gar einen Irrtum einzugestehen, verbietet sich für die politischen und wissenschaftlichen Verantwortlichen eines bald achtmonatigen Dauerlockdowns ebenso wie ein sofortiger Politikwechsel hin zu sofortigen flächendeckenden Komplettöffnungen. Es würde nicht nur eine narzisstische Kränkung bedeuten, sondern könnte auch die ungemütliche Frage nach Verantwortung und Haftung für das angerichtete Jahrhundertdesaster aufwerfen.

Milde Verläufe und Genesene lebenslang geschützt?

In diese Situation platzt nun noch eine weitere Meldung mit Brisanz: Einer neuen Studie der Washington University School of Medicine im US-amerikanischen St. Louis zufolge, die die im renommierten Fachmagazin „Nature“ veröffentlicht wurde, sollen Genesene mit einem milden Corona-Verlauf ein Leben lang vor dem Virus geschützt sein. Demnach hätten von Corona genesene Patienten mit milden Symptomen fast ein Jahr später noch Antikörper, die vor einer erneuten Infektion schützen; Die Forscher gehen davon aus, dass dieser Schutz lebenslang anhalten könnte, so der „Tagesspiegel„. Ursprüngliche Berichte, wonach Corona-Antikörper nach einer Infektion schnell wieder abklingen, hätten sich nicht bestätigt: tatsächlich würde zwar die Anzahl der Immunzellen, die Antikörper bilden, nach der Gesundung zurückgehen – aber nie ganz verschwinden.

Es handelt sich hier also um den normalen, natürlichen Funktionsmechanismus des menschlichen Immunsystems, der bei der übergroßen Mehrzahl aller Coronafälle offenbar erfolgreich anschlug. So erklärt sich dann auch, wieso nur ein verschwindender Anteil an Patienten außerhalb hochbetagter, immungeschwächter und vulnerabler Gruppen schwer erkrankte und für die allermeisten Corona einfach so „durchlief“, oftmals unbemerkt durch sogenannte „stille Feiung“.

Wenn die Studienautoren recht behalten, dann ist Corona erst recht nichts anderes als eine „Grippe“ gewesen – und gegen dieses eine, saisonal eben dominante Virus dieser „Grippewelle“ besteht dann eben bei den meisten Immunität, wobei es immer wieder neue „Grippeviren“ geben wird, auf die das Immunsystem dann ebenfalls anschlägt. Das geht bei der übergroßen Masse der Bevölkerung gut – und bei einem Bruchteil eben nicht, der dann schwere Verläufe oder auch Langzeitschäden entwickelt. Alles genau so, wie es immer schon – bei deutlich reduzierterer Aufmerksamkeitsökonomie eben, weil sich dafür niemand interessierte – bei der Grippe der Fall gewesen ist. Was wiederum die Frage nach dem generellen Nutzen von Impfungen (und Einschränkungen für Ungeimpfte oder nicht Freigetestete) aufwirft. (DM)