Ganz Deutschland genießt den Sommer – nur Lauterbach sieht schon wieder schwarz

Foto: Karl Lauterbach (über dts Nachrichtenagentur)

Einige Wochen lang war es erfrischend still um den sogenannten SPD-„Gesundheitsexperten“ Karl Lauterbach, den wohl die meisten Deutschen inzwischen dorthin wünschen, wo der Pfeffer wächst. Kaum noch Talkshowauftritte, kaum noch Interviews, und mit den Inzidenzen sank auch sein Mitteilungsdrang merklich. Doch kaum hat die vom schnellen Abflauen des Infektionsgeschehens brüskierte Politik in der „Delta-Variante“ wieder einen neuen Aufhänger für die Fortsetzung ihres Pandemie-Schwanks entdeckt, wittert Lauterbach Morgenluft – und findet ratzfatz in seine Paraderolle als Angstmacher der Nation zurück.

So etwas wie Zweifel oder Unsicherheit, keinesfalls aber Reue oder Selbstkritik bzw. -reflexion glaubte mancheiner Anfang der Woche bei Lauterbach auszumachen, als er einräumen musste, dass nicht er, sondern der Bonner Virologe Hendrick Streeck mit seiner optimistischen Prognose über ein sommerbedingt rasches Abebben der „dritten Welle“ richtig lag. „Streeck hatte recht„, so Lauterbach reichlich zerknirscht. Das war, bevor dann die für die bisherigen Hardcore-Lockdowns verantwortlichen Regierungsberater und das RKI in einer augenscheinlich abgesprochenen Aktion am Freitag gezielt zu Wort meldeten, um den Deutschen ihre Freude und Erleichterung über die zumindest gefühlte Renormalisierung des Alltags gleich wieder madig zu machen.

Die Mahnung vor zu schnellen Öffnungen und Lockerungen steht völligem Widerspruch zur Entwicklung der Zahlen, die im freien Fall begriffen sind und trotz zunehmender Kontaktdichte und riesiger Menschenmassen von früh bis spät in Innenstädten, Schwimmbädern, Fitnessstudios oder auf Partys nicht etwas wieder ansteigen, sondern weiter sinken – und das, obwohl doch die dominierende Mutante B.1.1.7 so sagenhaft ansteckender sein sollte als das „klassische“ Sars-CoV2. Und die „Delta-Variante“, die in Indien deutschen Medien zufolge für apokalyptische Zustände verantwortlich war, ging dort erstaunlicherweise massiv zurück, obwohl in Indien gerade mal 3,5 Prozent der Bevölkerung geimpft sind.

Dass sie in Portugal, etwa Lissabon, und England derzeit „grassiert“ und „stark steigende Zahlen“ verursacht, die nicht etwa in klinischen Fällen, sondern wie üblich nur PCR-Tests manifest werden (und das wohlgemerkt bei einer fast komplett durchgeimpften Bevölkerung!), nehmen Deutschlands Lockdown-Lobbyisten zum Aufhänger, gleich schon wieder die Handbremse zu ziehen. Und Medien, die es ohnehin gar nicht abwarten können, bis hier endlich wieder alles dicht macht, mähren nun die nächste angeblichen Covid-Horrorszenarien in der dritten Welt aus: Diesmal ist es, nach Brasiliens P.1-Variante und wie gesagt Indien selbst, der afrikanische Kontinent. Die Zustände, die dort jetzt der Delta-Variante zugeschrieben werden, unterscheiden sich zwar in nichts von den humanitären Abgründen, die es in Afrika schon immer gab (wo auch ganz ohne Corona massenhaft gestorben wird) – doch wer wäre denn Karl Lauterbach, wenn er nicht dieses Thema dankbar aufgriffe:

(Screenshot:Twitter)

Man beachte: „Auch Jüngere„, wieder mal, soll Corona dort also hart treffen. Das, was der TV-Wirrologe fast ein Jahr lang auch für Deutschland behauptete und von der Realität wieder und wieder Lügen gestraft wurde – die besondere Gefährdung von Kindern und Jugendlichen -, wird nun auf Afrika transponiert; freilich um hier die Menschen zu verschüchtern (und die Impfbereitschaft in den Generationen zu steigern, in denen die Vakzine weit mehr Risiken als Nutzen bringen). Dass in Afrika ohnehin die wenigsten Menschen so alt werden wie die Bevölkerungsmehrheit (und damit Hauptrisikogruppen) im gerontischen Deutschland, blendet Lauterbach dabei natürlich listig aus.

Überhaupt ist es ein Unding, dass diesem Berufspolitiker – der sich als medizinische Kapazität geriert, obwohl er seit Jahrzehnten so gut wie keine Berufspraxis hat, da er nur in Plenarsälen, Ausschüssen oder TV-Studios herumlungert – von Journalisten und fatalerweise auch Regierenden ein durch nichts gerechtfertigtes Vertrauen entgegengebracht wird, denn Lauterbach ist prinzipiell immer schlechter als sein Ruf: Niemand lag in dieser Pandemie mit seinen Prognosen und Einschätzungen so krumm und schief wie dieser Nervtöter; niemand irrte sich öfter. Es liegt an uns allen, dazu beizutragen, dass die Politik nicht noch einmal einen solch schädlichen Einfluss auf unser Leben erlangt wie in den vergangenen acht Monaten – und dazu gehört es zwingend, Lauterbach zu ignorieren. (DM)