Bildungsnotstandsstaat Deutschland: Blöde aus der Wäsche grinsen als Lernziel

Glücklich-verstrahlt in die Zukunft (Foto:Imago/Panthermedia)

Was wie aus einer Vision von Pippi Langstrumpf auf Crack anmutet, ist im Corona-Homeschooling-geschädigten Deutschland bereits Wirklichkeit: An immer mehr deutschen Schulen wird „Glück“ als Unterrichtsfach angeboten. Fünfzig Jahre nach Platzreife der Reformpädagogik, Summerhill und antiautoritärer Erziehung hat die linke Spätdekadenz endgültig die Klassenzimmer geflutet. Unterricht als „radikale Abkehr von Wissen-Pauken und Prüfungsdruck“, so das Selbstverständnis des zunehmenden Trends, verstärkt den gravierenden Niveauverlust im deutschen Bildungssystem weiter.

Wenn die zwölfjährige Maja am Freitag von der Schule nach Hause kommt, weiß sie schon, was ihre Mutter sie fragen wird. ‚Und, was habt ihr heute wieder in Glück gemacht?‘ Das interessiert ihre Mama am meisten – nicht Mathe, Deutsch oder Englisch‚, leitet die „Welt“ einen lesenswerten Beitrag zum Thema ein, wie bereits Schülern der Orientierungsstufen ein abstruser Eindruck von Work-Life-Balance vermittelt werden soll. In einer Gesellschaft, in der es für immer mehr Heranwachsende als erstrebenswertes Lebensziel gilt, entweder staatsalimentiert in den öffentlichen Dienst einzutreten, in die Politik nach dem Prinzip „Kreißsaal-Hörsaal-Plenarsaal“ zu gehen oder auf die Einführung des bedingungslosen Grundeinkommens zu warten, da wird auch „Glück“ als verhaltenstherapeutisches Programm kanonisiert und „gelehrt„.

So wie in frühkindlichen Erziehungsmodellen pädagogische Konzepte aus der kognitiven Verhaltenstherapie zum Einsatz kommen – etwa wird bei der „warmen Dusche“ ein Kind in die Mitte der anderen gesetzt und von diesen unter fachlicher Anleitung gelobt und verhätschelt -, so wird im Fach „Glück“ dann beispielsweise von esoterisch angehauchten Lehrkräften eine Art Sprechyoga betrieben: Die Schüler dürfen sich in einen Sommerspaziergang hineinversetzen, mit blühenden Wiesen recht uns links, und erleben sich als virtuelle Idealversion von sich selbst. Diese autosuggestiven Erfahrungen sollen sie dann aufschreiben. Es geht also nicht um materielles Glück, sondern um inneres Empfinden.

Selbsterfahrungstrips statt Wissensvermittlung

Das Unterrichtskonzept erinnert an die Waldorfpädagogik, es kommt jedoch etwa auch in den „Innovativen Schulen“ zum Einsatz, zumeist privaten Realschulen. Natürlich gibt es für diesen in Unterrichtsblöcke gegossenen Selbsterfahrungstrip dann keine Schulnoten – nur Zuspruch der anderen und der Lehrerin. „Einfach mal den Lernstoff liegen lassen und das tun, was einfach Spaß macht“, so beschreibt eine Lehrkraft diese Form von „Schule“. Dafür mussten frühere Schülergenerationen noch blaumachen; heute ist dies Teil des Unterrichts.

Was sich als Alternative zum Leistungsprinzip, als Stressausgleich eines angeblich zu fordernden Schul- und Bildungssystems definieren will, damit die Schüler nicht resignieren, das ist in Wahrheit Anlass zur maximalen Resignation für alle, die sich um die Zukunft Deutschlands Sorgen machen. Mit dieser verweichlichten, auf inhaltslose Glückseligkeit konditionierten Jugend ist kein Staat mehr zu machen. Einen Gefallen tut man Kindern mit dieser Form von Schule jedenfalls nicht. (DM)