Katastrophe mit Ansage: Per Elektroauto Richtung Abgrund

Deutschland an der Ladestation (Foto:Imago/Gstettenbauer)

Was die konkrete Umsetzung der – je nach Standpunkt – klimasozialistischen oder klimafaschistischen EU-Zielsetzungen zur CO2-Emissionsreduktion für Deutschland bedeuten, das hat die Bundesregierung nun in schonungsloser Offenheit mitgeteilt; allerdings nicht, um anhand dieser Zahlenspiele die überfällige sofortige Notbremse zu ziehen und den Wahnsinn der Zwangs-Elektromobilisierung zu stoppen, sondern um erst recht ehrgeizig an deren völlig unrealistischen Zielen festzuhalten. Mit CSU-Skandalverkehrsminister Andreas Scheuer ist Deutschland hierbei ja bereits „optimal“ aufgestellt.

Ausgerechnet das Kabinettsmitglied, das mit Beraterskandalen, Maut-Affäre, verpatztem Bußgeldkatalog und infrastrukturellem Investitionsstau (marode Brücken, 850 Baustellen alleine auf Bundesautobahnen, Schwerlastverkehrkollaps) seit Jahren die eigene vollkommene Überforderung und politische Unfähigkeit eindrucksvoll unter Beweis stellt, soll nun einen Strukturwandel in der automobilen Antriebstechnik managen, der vom Anspruch her noch verrückter erscheint als der „Große Sprung nach vorne“ unter Mao – und mindestens krachend scheitern wird.

Denn laut Scheuers gestrigen Darstellungen müssen bis ins Jahr 2030 insgesamt 14 Millionen Elektroautos auf deutschen Straßen unterwegs sein, um die neuen Klimavorgaben der EU im Zuge dessen 9-Jahres-Zerstörungsplans „Fit for 55“ zu erfüllen. „Das geht nur, wenn die Hersteller zügig gute und für alle bezahlbare Angebote machen„, so der Minister zu den Zeitungen der Funke-Mediengruppe. Irrtum: So etwas geht nur mit politischer Erpressung – der Bürger und vor allem der Automobilindustrie, die noch schneller und hektischer an dem bereits brüchigen Ast sägen soll, auf dem sie sitzt. Scheuer bezeichnete die gestrigen Planziele der EU-Kommission „als kaum überraschend, aber herausfordernd„.

Das klingt nicht überzeugend – schon gar nicht aus dem Mund eines Ministers, der bereits mit der verkehrspolitischen „Bestandsicherung“ krachend scheiterte, und nun für den größenwahnsinnigsten und phantastischsten Entwicklungssprung der Nachkriegsgeschichte verantwortlich sein soll, bei dem so nebenbei übrigens nicht mehr auf dem Spiel steht als der Wohlstand, bis zu 5 Millionen deutsche Arbeitsplätze und der Fortbestand der wichtigsten Schlüsselindustrie Deutschlands.

Deutschlands Schlüsselindustrien stehen auf dem Spiel

Dass die neuen Klimaziele Verbraucher und Wirtschaft nicht überfordern, „Mobilität für die Menschen bezahlbar bleiben“ müsse und dass Wohlstand nur mit Arbeitsplätzen funktioniere, schob Scheuer zwar noch „kritisch“ nach, doch offenkundig fehlen ihm Rückgrat, Corones und Charakter, um die Brüsseler Pläne als das zu bewerten, was sie sind: Ein unrealistischer Nonsens, Luftschlösser, die nur mit autoritären Maßnahmen durchgedrückt werden können; ob der Testlauf der Pandemiemaßnahmen und drei Lockdowns hierfür ausreichten, wird sich erweisen.

Fakt ist, dass weder die „verbindlichen“ Ausbauziele für Wasserstofftankstellen und Ladesäulen bis 2030 auch nur im Ansatz realistisch sind, noch zur Sicherstellung des Energiebedarfs für die erforderliche Menge an E-Autos eine Lösung in Sicht ist – und selbst wenn, dann könnte diese nur im Einkauf ausländischen Stroms aus bestenfalls Kernenergie, schlimmstenfalls fossilen Energieträgern liegen (womit dann die Emissionsziele ad absurdum geführt werden). Der „gute Weg„, auf dem Scheuer Deutschland hier steht, beschränkt sich auf die Förderung von solitären privaten, gewerblichen und öffentlichen Ladepunkten – doch dies sind ebenso Tropfen auf den heißen Stein, die von einer flächendeckenden Lade-Infrastruktur weit entfernt sind. Auch die 1.000 Schnellladehubs, „für die wir in Kürze die Ausschreibung starten„, wie Scheuer schwärmt, sind reine Symbolpolitik vor dem Hintergrund der tatsächlich benötigten Kapazitäten.

Die Industrie selbst scheint sich entweder mit ihrem Schicksal abgefunden zu haben – oder sie verfolgt ganz andere Pläne; anders lässt sich der rätselhafte Gleichmut, mit der sie ihrer kompletten klima-dirigistischen Umkrempeln begegnet, nicht erklären. Die Chefs der Branche kriechen den linken Klima-Jüngern geradezu in den Enddarm – wohl aus schierer Angst, dass sie keine Verbrenner mehr verkaufen dürfen. Oder aber man hat sich in der Industrie bereits auf die künftige Staatswirtschaft eingestellt – und die schielt auf staatliche Subventionen und EU-Fördergelder statt auf erfolgreiches autonomes unternehmerisches Wirtschaften. Sozialismus voraus, am Verbraucher vorbei, am Reißbrett eines grünen Utopias – dafür soll Bewährtes, Etabliertes und Funktionierendes geopfert werden. Das Volk wurde übrigens in keiner Abstimmung je gefragt, ob es dieses Experiment mitmachen will.

Staatswirtschaft statt Wettbewerb

So sieht Volkswagen den geplanten neuen Klimavorschriften der EU gelassen entgegen: „Auf die weitere Absenkung der CO2-Werte von Pkws und leichten Nutzfahrzeugen sind wir vorbereitet„, sagte CEO Herbert Diess dem „Handelsblatt„. „Es ist fast schon irrelevant geworden, ob die Reduktion um ein paar Prozentpunkte mehr oder weniger ausfällt.
Dass Brüssel de facto ein Aus für Benzin- und Dieselautos anstrebt, beunruhigt ihn nicht. „Fahrzeuge mit Verbrennungsmotor werden von allein auslaufen. Das wird der Markt richten. Die Zukunft gehört heute schon den Elektroautos„, so der VW-Chef. Bei Batterietechnik ist Europa bisher jedoch stark auf Lieferanten aus Asien angewiesen. „Die wahre Herausforderung ist die Industrialisierung der Fertigung von Batteriezellen, also die Produktion in großem Stil„, glaubt Diess.

Auch Siemens-Energy-Chef Christian Bruch begrüßt das „Fit for 55“-Paket als wichtigen Schritt. Immerhin verweist er – fast schon ketzerisch – auf bürokratische Hürden: „Wichtiger als einzelne Prozentpunkte ist aber, dass die Umsetzung von Projekten und vor allem die Genehmigungsverfahren beschleunigt werden.“ In Deutschland etwa vergingen bis zur Fertigstellung einer Stromtrasse bis zu zwölf Jahre: „Das ist viel zu lange.“ Energieintensive Branchen fürchten international einen Wettbewerbsnachteil, wenn in der EU der Ausstoß von CO2 verteuert wird. Covestro-Vorstand Klaus Schäfer wird hier deutlicher: „Wenn es nicht gelingt, die Versorgung mit grünem Strom für die nächsten Jahrzehnte zu sichern, droht eine Deindustrialisierung.

Und Daimler-Chef Ola Källenius, dessen Unternehmen 70 Milliarden Euro in die politisch gewollte E-Mobilität investiert, zeigt sich laut“ dts Nachrichtenagentur“ zwar optimistisch, dass sein Konzern den Abschied vom Verbrennungsmotor gut bewältigen werde; man stehe „hinter dem Systemwandel, den das Pariser Klima-Abkommen verlangt.“ Doch ohne genügend grüne Energie werde dies nicht klappen. Källenius klingt mit seinem diesbezüglichen Lösungsvorschlag schon wie ein Grünen-Wahlkämpfer: „Wir brauchen mehr Energie aus Wind und Sonne und dürfen nicht zu jedem Windrad vor der eigenen Haustüre nein sagen.“ Gleichzeitig will Källenius den Diesel erhalten: „Aktuelle Diesel sind absolut top.“ Daimler werde auch noch mehr tun und die Stickstoff-Werte um weitere 50 Prozent senken. Will sich der Mann hier vielleicht ein Hintertürchen offenhalten, wenn – absehbar – alle Räder hierzulande stillstehen? (DM)