Leere Regale in England dank Pandemie: Wann bricht auch bei uns die Grundversorgung zusammen?

Foto: Von Hank Shiffman/Shutterstock

Großbritannien ist uns wieder mal „voraus“ – diesmal allerdings nicht was Impfungen, drohende Wellen oder ausgebliebene Ausbruchsszenarien anlangt, sondern diesmal bei massiven Versorgungsengpässen infolge der Corona-bedingten Lieferkrise, die fast alle Wirtschaftsbereiche ergriffen hat. Auf der Insel hapert es inzwischen jedoch schon im Elementarbereich: manche Grundnahrungsmittel werden knapp. Es könnte auch in Deutschland nicht mehr lange dauern.

Noch sind die katastrophalen Auswirkungen von Lieferproblemen, Hafenschließungen in China und pandemiebedingten Störungen des Welthandels in Deutschland, das auf dem Landweg von allen Seiten über die Straße anfahrbar ist, für die breite Masse nicht oder kaum spürbar. Vor allem Industrie und Mittelstand erleben die Verknappung von Zulieferprodukten und die Verteuerung von Rohstoffen, was sich auf dem Bau, in der Autoproduktion und diversen Spezialsegmenten bemerkbar macht. Die Teuerung bildet sich in galoppierender Inflation ab, doch noch sehen kaum Deutsche Anlass zum Hamstern.

Dabei dürfte bald mehr auf dem Spiel stehen als vor anderthalb Jahren zu Beginn der sogenannten Pandemie, als den Deutschen die Sorge um ausgehende Klopapiervorräte den Schlaf raubte. Wer sich die Bilder leergeräumter Supermarktregale und geschlossener Restaurants oder reduzierter Speisekartenangebote in England ansieht, dem muss schon deutlich mulmiger werden – und diesmal ist kein akuter Lockdown schuld. Hier zeichnen sich die Auswirkungen einer hausgemachten politischen Weltenkrise ab, die einem neurotischen Hexensabbat um ein Virus zu verdanken ist.

Hausgemachte Weltenkrise

Natürlich versuchen deutsche Medien die im UK-Inselreich ungleich schlimmere Situation dankbar als angebliche Auswirkungen des Brexit zu deuten, für den das Land jetzt gewissermaßen die Quittung erfahre. Selbst die „Welt„, die ansonsten sehr differenziert über die sich aufstauenden Probleme dort berichtet, kann dieser Versuchung nicht widerstehen – und das, obwohl der EU-Austritt dem Land bislang nur Vorteile gebracht hat, von der frühen und damit effektiveren Beschaffung der Impfstoffe, positiven Reaktionen der Wirtschaft bis hin zu künftigen Einsparungen der Nettozahlungen.

Doch dass Milchprodukte, abgefülltes Wasser, Teile des Fleischsortiments und Getreideprodukte eng werden und Lieferungen ausbleiben, liegt vor allem an stockenden LKW- und Schiffs-Nachlieferungen ins Land – mit der Folge, dass die Lagerbestände fast aufgebracht sind. Den wahren Grund benennt auch die Welt: „Konjunkturumfragen weisen in zahlreichen Ländern auf Probleme mit Lieferungen und Nachschub hin, nicht zuletzt in Deutschland. Zum einen beeinträchtigt die Pandemie weiter den Nachschub. Geschlossene Häfen in China, reduzierte Produktion in Südostasien, knappes Material für Elektronik-Komponenten zeigen weltweit Auswirkungen.“

Und eben diese Probleme werden sich auch in Kontinentaleuropa verschärfen: Der Handel vermutet, dass sich vor dem Weihnachtsgeschäft die Lage nicht entspannen wird, im Gegenteil. In Deutschland wirkt sich Corona auch dadurch aus, dass viele Arbeitsplätze jetzt vakant sind, weil sich viele Entlassene oder Kurzarbeit-Null-Mitarbeiter während des Lockdowns umorientiert haben und jetzt in neuen Berufen tätig sind. (DM)