Lukaschenkos „Migrationswaffe“

Gewaltsamer Grenzübertritt (Symbolbild: shutterstock.com/Von Ververidis Vasilis)
Gewaltsamer Grenzübertritt (Symbolbild: shutterstock.com/Von Ververidis Vasilis)

Am Dienstag um 7.00 Uhr früh riegelte der polnische Staat offiziell die Grenze bei Kuznica ab. Seit Wochen spitzt sich die Lage dort zu. Migranten, von Staatschef Lukaschenko eingeflogen, sammeln sich dort in einem Feldlager. Durchbruchsversuche mit Baumstämmen, die als Rammböcke verwendet werden, häufen sich.

Ein Beitrag von Martin Sellner für Sezession

Polnische Beamte reagieren mit Pfeffersprays. Bilder von Migranten mit Schusswaffen kursieren im Netz. Dazu sehen wir minutenlage Aufnahmen von Migrantenkarawanen, die sich in Richtung der Grenze bewegen. Die Reaktion Polens erfolgt rasch und deutlich. 12.000, teilweise berittene, Soldaten bewachen ihr Land Tag und Nacht. Der Bau einer Grenzanlage mit bis zu 5 Meter Höhe wurde vor kurzem beschlossen. Dabei steht Polen den Migranten nur im Weg. Eigentlich, das machen sie in Sprechchören wie diesem klar, wollen sie nach „Germany“.

Die Schizophrenie der BRD wird in dieser Lage wieder überdeutlich. Zwar sprechen mittlerweile Medien wie die WELT und sogar Ursula von der Leyen offen von „Migranten“ statt von „Geflüchteten“. Doch belaufen sich deren Forderungen stets auf ein Ende der
„zynischen Instrumentalisierung von Migranten“ durch Lukaschenko. Dieser „Chef eines staatlichen Schleuserrings“ (Heiko Maas) richtet die Migrationswaffe gegen Europa.

Lukaschenko hat von Erdoğan gelernt. Die Sanktionen und der „Regime Change“, den die EU gegen ihn ins Feld führte, beantwortet er, indem er die Erpressungstaktik vom Bospurus imitiert. Unzählige arabische Migranten – die Medien sprechen von mindestens 14.000 – wurden nach Weissrußland importiert. Indem Lukaschenko sie auf die Außengrenze der EU losläßt, setzt er das linksliberale „antiimperialistische Imperium“ (José Barroso) unter Druck.

Der Staatschef aus Weißrussland agiert natürlich zynisch, aber eben auch nachvollziehbar. Mit den Wanderwilligen hat er das „Kryptonit“ der EU und der BRD entdeckt. Die „Migrationswaffe“ wurde von der BRD geladen und an die eigene Schläfe gesetzt. Lukaschenko muß nur abdrücken. Der wahre Name dieser Waffe lautet: „deutsche Willkommenspolitik“.

Die folgenden drei BRD-Schlagzeilen – allein aus der letzten Woche – wurden sicher auch im Ausland zur Kenntnis genommen:

  1. Der „Seenotretter“ Axel Steier aus dem „Team Umvolkung“ der „Mission Lifeline“, der von der deutschen Gesellschaft verehrt und finanziert wird, sagte in einem Interview, er würde „weitermachen bis es richtig bunt“ sei.

  2. Die BRD verlieh einem Anti-Abschiebungsaktivisten namens Mohammed Jouni für seinen Einsatz das Bundesverdienstkreuz.

  3. Sachsen-Anhalt beschloß einen 3 Millionen Euro „Corona-Bonus“ als Sonderzahlung für Asylwerber.

Weltweit ist bekannt, dass jeder Illegale, der es nach Deutschland schafft, in jedem Fall versorgt und verpflegt, aber in fast keinem Fall konsequent abgeschoben wird. Deutschland ist, wie Rolf Peter Sieferle schrieb, eine „Beutezone“ für Millionen Fremder geworden. Die Anarchotyrannei läßt sie fast ungehindert an kriminellen Netzwerken und islamische Parallelgesellschaften bauen. Sogar Morde und Vergewaltigungen haben oft kaum Konsequenzen.

Daß sie dabei das „nicht beleidigungsfähige“ Gastvolk nach

Kurz : Der Migrationsdruck nach Deutschland ist verständlich. Offiziell freut sich die BRD auch über die neue „Vielfalt“, die sich, „wertvoller als Gold“ (Martin Schulz) über uns ergießt. Gleichzeitig, das macht die Deutsche Schizophrenie aus, will man aber doch nicht „alle auf einmal“ und nicht allzuviel von der ersehnten Multikultur.

Anders ist nicht erklärbar, warum man von Seiten Berlins so auf eine europäische Migrationsquote drängt.

Warum will man die Fachkräfte und die „qualifizierteste Einwanderung die es je gab“ nicht für sich alleine haben? Warum karrt man die Illegalen aus Lukaschenkos Epressungszone nicht längst auf deutsches Staatsgebiet? Warum geht man auf den Vorschlag Orbáns, einen Korridor für Migranten bis nach Berlin zu legen, nicht ein? Weswegen wirft man diesem vor, „Schleuser“ zu sein, während die „Seenotschlepper“, die effektiv dasselbe tun, als Helden gefeiert werden?

Wie kann man überhaupt von einer „Migrationswaffe“ sprechen, wenn es doch nur um Flüchtlinge geht, die für unser Land ein Segen sein sollen? Einerseits betreibt die BRD ganz offiziell eine Politik der Neubesiedlung, der Ersetzungsmigration und des Bevölkerungsaustausches und feiert es als „einzigartiges soziales Experiment“, das alle umliegenden Länder mitmachen sollen.

Belieben beschimpfen und demütigen können, rundet das Bild ab. Gleichzeitig wird jeder Deutsche, der es wagt, sie zu „diskriminieren“ von einem brutalen Überwachungs- und Strafapparat zur Rechenschaft gezogen.

Andererseits sieht man in dieser ethnischen Transformation ein Opfer, einen nationalen Kraftakt und eine schmerzhafte Lektion, die man sich zur historischen Buße auferlegt. Erst lädt man de facto die halbe Welt ein. Dann beschwert man sich, daß sie sich auf den Weg macht. In einem Atemzug wirft man Ländern wie Polen und Ungarn vor, dass sie Migranten abwehren. Lassen sie die Migranten jedoch durch, ist man ihnen auch gram.

Keiner versteht mehr die BRD. Dieser Staat weiß selbst nicht, was er will. Seine herrschende Ideologie ist rational nicht mehr zu begreifen. Sein Handeln gleicht einem infantilen Amoklauf gegen die Realität.

Kein normaler Staat wäre durch vor seiner Grenze ausgesetzte Migranten „erpressbar“. Jeder normale Staat würde wie Polen einen Zaun bauen, seine Soldaten an die Grenze verlegen und jeden Invasoren wieder hinauswerfen. Täte Deutschland das konsequent, gäbe es den Migrationsdruck und den Exodus nach Europa, unter dem die anderen Länder leiden, schlichtweg nicht.

Die „Migrationswaffe“ ist nichts anders als eine deutsche Neurose. Daß sie wirkt, liegt ausschließlich an der verdrehten Psyche des damit Bedrohten. Die „Epressungszone“ von Erdoğan und Lukaschenko gibt es nur aufgrund der moralischen Erpressbarkeit der BRD.

Kann man Lukaschenko vorwerfen, dass er diese deutsche Geistesschwäche ausnutzt? Ist es Putins Fehler, wenn er von dieser Situation für seine geopolitischen Interessen, namentlich das Northstream-Projekt, profitiert? „Wer sich zum Wurm macht, kann nachher nicht klagen, wenn er mit Füßen getreten wird“, wie schon Immanuel Kant wußte.

Es ist begrüßenswert, daß in der öffentlichen Debatte eine gewisse Verschiebung vom „Flüchtling“ zu „Migranten“ stattfindet und die Migration selbst erstmals als demographische Waffe mit gefährlichen Folgen wahrgenommen und benannt wird. (Der Grund dafür ist, daß bei den transatlantisch getrimmten Verwaltern der Bundesrepublik gegen den „putinnahen“ Lukaschenko jede Zurückhaltung fällt.)

Die AfD, die rechte Gegenöffentlichkeit und rechte Bewegungen werden die Lage hoffentlich für sich zu nutzen wissen und die „konservativen“ Rosstäuscher von „The Republic“, die sich urplötzlich migrationskritisch gerieren, entlarven.

Doch die schizophrene deutsche Bevölkerungspolitik ist kein Missverständnis und kein Fehler im System. Sie ist das systematische und gezielte Ergebnis der bundesrepublikanischen Identitätspolitik. Es gibt bekanntlich per Dekret des Verfassungsschutzes kein autochthones deutsches Volk, und jeder, der etwas anderes behauptet, wird als Verfassungsfeind zum modernen Vogelfreien.

Dieses Diktum wirkt als selbsterfüllende Prophezeiung. Egal wie und unter welchen abenteuerlichen Widersprüchlichkeiten – die 14.000 Migranten werden, geht es nach den Machthabern in Deutschland, am Ende in Berlin landen, um Deutschlands historische Schuld in ihrer „Buntheit“ zu tilgen.