Deutsche Gasspeicher nicht ausreichend gefüllt

Gasspeicher (Bild: shutterstock.com/Cardaf)
Gasspeicher (Bild: shutterstock.com/Cardaf)

Die deutschen Gasspeicher leeren sich schnell. Der Füllstand hat sich Anfang Dezember gegenüber dem Vormonat drastisch reduziert. Die deutschen Erdgasspeicher der Firma Astora, die zum russischen Gazprom-Konzern gehört, waren zum Stichtag 8. Dezember nur noch zu18 Prozent gefüllt. Einen Monat zuvor lag der Füllstand noch bei 22 Prozent. Dabei beginnt der kalendarische Winter erst am 21. Dezember.

Ein Beitrag von Blackout News

Alle deutschen Gasspeicher waren am gleichen Tag noch zu 61 Prozent gefüllt, das sind mehr als 20 Prozent weniger als im Vorjahr, als die Speicher noch zu 83 Prozent gefüllt waren. Damit sind die deutschen Gasspeicher nicht ausreichend genug für einen kalten Winter gefüllt.

Gasspeicher nicht ausreichend gefüllt

Die europäischen Gasspeicher waren zum gleichen Zeitpunkt nach Aussagen des Branchenverband Gas Infrastructure Europe noch zu 64 Prozent gefüllt. Das sind ebenfalls 20 Prozent weniger als zum gleichen Zeitpunkt des Vorjahres. Die Tendenz ist jahreszeitlich bedingt weiter abnehmend. Damit sind die europäischen Gasvorräte zum Beginn des Winters so gering wie noch nie zum vergleichbare Zeitpunkt. Der bisherige Tiefstwert lag im Jahr 2016 bei 74,9 Prozent.

Politik schiebt Schuld auf Putin

Die Politik versucht die Schuld für die unzureichend gefüllten Gasspeicher auf den russischen Präsidenten Putin zu schieben und unterstellt ihm, dass er damit den Betrieb der Gaspipeline Nord Stream 2 erzwingen wolle. Ganz so einfach liegen die Dinge aber nicht.

Probleme haben bereits im letzten Winter begonnen

Die Misere hat bereits im letzten Winter 2020 auf 2021 begonnen. Die erneuerbaren Energien haben aufgrund ungünstiger Wetterverhältnisse bis weit in das Frühjahr hinein sehr wenig Strom erzeugt. Deshalb mussten vermehrt Gaskraftwerke einspringen, um den Strombedarf zu decken. Gleichzeitig war das gesamte Frühjahr außergewöhnlich kalt, so dass die Heizungen bis in den Sommer hinein liefen. In Deutschland heizen mehr als 50 Prozent aller Haushalte direkt mit Gas und viele Weitere indirekt über durch Gas erzeugte Fernwärme.

Historische Tiefststände erreicht

Dabei haben die Gasspeicher im Sommer Rekord Tiefststände erreicht. Durch den erhöhten Gasverbrauch sind die Preise für Erdgas dann von 14 auf 81 Euro für eine Megawattstunde gestiegen. Die extrem gestiegenen Preise haben wiederum bei den Großhändlern zur Zurückhaltung bei neuen Ordern geführt. Man hat darauf gehofft, dass die Preise wieder fallen würden. Mit den georderten Gasmengen war es dann nicht mehr möglich, die Gasspeicher bis zum Winter wieder ausreichend zu füllen.

Russland erfüllt vertragsmäßig geregelte Lieferungen

Die Unterstellung, dass Russland die Gasmengen drosseln würde, um die Inbetriebnahme von Nord Stream 2 zu erzwingen, ist so nicht haltbar, denn Russland hat alle Lieferkontrakte eingehalten und die langfristig vereinbarten Mengen vertragsgerecht geliefert. Allerdings hat Russland die vereinbarten Liefermengen auch nicht erhöht. Das lag zum Teil auch daran, dass Russland zunächst die eigenen Speicher füllen musste.

Politische Situation kann Lage noch verschärfen

Die bereits kritische Versorgungssituation kann durch die politische Situation durchaus noch verschärft werden. So hat der belarussische Präsident Lukaschenko bereits damit gedroht die Durchleitung von russischem Gas durch sein Land zu unterbinden, falls die EU weitere Sanktionen gegen Belarus erlassen sollte.

Auch der Konflikt an der Grenze zwischen Russland und der Ukraine kann die Situation noch weiter verschärfen, Die USA und Europa haben Putin schon mit massiven Maßnahmen gedroht, wenn russische Truppen die Grenzen zur Ukraine überschreiten sollte. Hoffentlich hat man dabei auch bedacht, dass Russland alle Gaslieferungen einstellen könnte, wenn es zu solchen Maßnahmen kommt. Letztendlich sitzt Deutschland und die EU dabei am kürzeren Hebel, denn die EU bezieht mehr als 50 Prozent des Erdgases aus Russland.

Winter kann bei länger anhaltenden tiefen Temperaturen kritisch werden

Der Winter wird jetzt kritisch, denn zum Jahresende gehen drei weitere Atomkraftwerke- und weitere Kohlekraftwerke vom Netz. Die Erneuerbaren liefern im Winter jahreszeitlich bedingt weniger Strom. Das Defizit in der Stromversorgung muss durch Gaskraftwerke gedeckt werden. Diese brauchen extrem viel Gas. Sollten jetzt auch noch die Temperaturen längere Zeit unter den Gefrierpunkt fallen, gehen nicht nur die Gasvorräte zum Heizen aus, sondern dann ist auch die Stromversorgung in Deutschland massiv gefährdet.

Informationen, wie man sich auf einen längeren Stromausfall vorbereiten kann, finden Sie in unseren Ratgebern auf dieser Website.