Expertengruppe verlangt Erleichterungen für Schulkinder

Berlin – Namhafte Gesundheitsexperten fordern eine grundsätzliche Lockerung der Quarantäne- und -Testregelungen für Schüler. Das geht aus einem offenen Brief an Bund und Länder hervor, über den die „Welt am Sonntag“ berichtet.

Darin schreiben Kinder- und Jugendmediziner sowie der Ex-Chefvirologe der Berliner Charité, Detlev Krüger, und der Ex-Epidemiologe der Weltgesundheitsorganisation (WHO), Klaus Stöhr: „Wir brauchen Schulunterricht ohne Beschränkungen, ohne Quarantäne und anlasslose Reihentestungen für gesunde Kinder.“

In dem Schreiben heißt es weiter, nötig sei eine „vorausschauende Strategie“, welche den Kindern und Jugendlichen schnellstmöglich Normalität im Alltag garantiere. Sie sollten generell mit geimpften und genesenen Erwachsenen gleichgestellt werden: „Ihre Teilhabe an Aktivitäten des sozialen Lebens darf nicht vom Vorliegen einer Impfung abhängig gemacht werden.“ „Viren mutieren“, schreiben die Verfasser, das sei „kein Grund, Kinderrechte massiv zu verletzen.“ Gemeint sind die bislang in der Regel praktizierten Klassen- oder gar Schulschließungen, wenn in einzelnen Lerngruppen ein Corona-Fall aufgetreten ist.

Statt „unverhältnismäßiger Quarantäneregeln“ brauche es, so schlagen die Autoren vor, ein „Test to stay“-Programm, wie es etwa in Großbritannien praktiziert werde: Bei einem positiven Fall testen sich dann ausschließlich anlassbezogen die Kontaktpersonen täglich, dürfen allerdings bei negativem Test in der Schule bleiben. „Kinder leiden unter den anlasslosen Routinetestungen, denn wenn eines positiv getestet wird, gilt es als schwarzes Schaf“, sagte Detlev Krüger der Zeitung. Er hatte 27 Jahre lang das Virologische Institut der Berliner Charité geleitet, bevor er das Amt 2017 an Christian Drosten übergab.

Der 71-Jährige ist überzeugt, der Übergang zur Endemie müsse vorbereitet werden: „Es ist sehr wahrscheinlich, dass Omikron sich massiv ausbreitet und die Infektionsrate stark steigen wird – bei einer gleichzeitig niedrigeren Krankheitslast.“ Da Kinder nur sehr selten schwer erkrankten, müssten die Schutzregeln auf die Risikogruppen fokussiert werden. Ob die Politik darauf hört? Das muss bezweifelt werden. (Mit Material von dts)

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