Russische Yachten und Flugzeuge beschlagnahmen? Die sind längst weg

Noch vor wenigen Tagen spuckte Thüringens Ministerpräsident Bodo Ramelow (Linke) große Töne: Er wolle die Jachten russischer Oligarchen beschlagnahmen und in der Seenotrettung für Luxus-Überfahrten einsetzen. Doch die Jachten und Flugzeuge sind längst weg und „auf der Flucht“ vor europäischen Beschlagnahmungsphantasien.

„Ich bin dafür, dass man die Luxusjachten der Oligarchen einkassiert und an Sea Watch überträgt“, hatte Ramelow gegenüber der Zeit verkündet und auch die 27 EU-Staaten möchten ihre Sanktionen ausweiten, Vermögenswerte weiterer Oligarchen aus Russland und Belarus einfrieren und ihnen Einreiseverbote erteilen.

Das könnte sich schnell als Luftnummer entpuppen, denn die Superreichen haben ihren schwimmenden und fliegenden Luxusbesitz längst in sichere Gefilde gebracht. Mindestens vier Yachten und ein Privatjet, die sanktionierten Russen oder ihren Familien gehören, sind in den letzten Wochen dem Zugriff der europäischen Behörden entgangen, ergibt eine Recherche der MailOnline. Insgesamt soll es sich um ein Vermögen von mehr als 2 Milliarden Euro handeln. Eine fünfte Yacht, die zu einem mit Sanktionen belegten Unternehmen gehört, sei ebenfalls auf dem Weg, so das Blatt.

Zu den bemerkenswertesten Beispielen gehört die 445 Millionen Pfund teure Superyacht von Roman Abramowitsch, die Wochen vor Beendigung der Reparaturen aus einer Werft in Barcelona geholt wurde.

Die Mitarbeiter der Solaris, die mit einem eigenen Hubschrauberlandeplatz und einem Raketenortungssystem ausgestattet ist, wurden am Dienstag, weniger als 48 Stunden bevor der Milliardär und Besitzer des FC Chelsea vom Vereinigten Königreich sanktioniert wurde, angewiesen, kurzfristig die Gerüste abzubauen, damit das Schiff auslaufen konnte. Letzte Woche verließ das größte Schiff in Abramowitschs Flotte – die 533 Fuß lange Eclipse im Wert von geschätzten rund 800 Millionen Euro  – die Karibikinsel St. Martin, die zur Europäischen Union gehört, und entging so den Sanktionen.

Ein 180-Millionen-Pfund-Privatflugzeug, das der Familie von Alisher Usmanov gehört, durfte den Münchner Flughafen verlassen, 24 Stunden nachdem Deutschland den Luftraum für russische Flugzeuge gesperrt hatte. Der ehemalige Arsenal-Anteilseigner wurde am 28. Februar von der EU mit Sanktionen belegt.

Das Flugzeug, ein speziell lackierter Airbus A340, der nach dem Vater des Metallmagnaten benannt ist, befindet sich den Flugdaten zufolge in Usbekistan, wo es für die Behörden unerreichbar ist.

Am 27. Februar erklärte die Präsidentin der EU-Kommission, Ursula von der Leyen, die EU verbiete „jedes Flugzeug, das einer russischen Person gehört, von ihr gechartert oder anderweitig kontrolliert wird“. Usmanow erklärte, er habe das Eigentum an den Flugzeugen an seine Familie übertragen und behauptete, es gebe „keine Rechtsgrundlage“ für die Beschlagnahme der Flugzeuge.

Die EU beobachtete auch, wie die 437 Millionen Pfund teure Jacht von Andrej Kostin, dem „Jedi-Meister“ der russischen Finanzwelt, wenige Tage vor dem Einmarsch in die Ukraine am 24. Februar von Barcelona auf die Seychellen segelte. Die 269 Fuß lange Superyacht Graceful, die vermutlich dem russischen Präsidenten Wladimir Putin gehört, verließ Hamburg in Richtung des westlichsten russischen Hafens Kaliningrad, als sich die Truppen an der ukrainischen Grenze formierten.

Experten sind sich einig, es bestehe keine Aussicht auf eine Beschlagnahmung der Vermögenswerte, sobald sie Europa verlassen haben, was bedeutet, dass ihre Besitzer ihren Luxusbesitz auch weiterhin genießen können. „Es gibt kein Auslieferungsgesetz für Boote“, erklärte Ross Denton von der britischen Anwaltskanzlei Ashurst.

Vagit Alekperov, Präsident des von den USA sanktionierten Ölkonzerns Lukoil, verlegte sein Boot vor zwei Wochen von Barcelona aus. Er wurde nicht persönlich sanktioniert.

In einem weiteren Fall wurde eine Superyacht, die mit dem sanktionierten russischen Ex-Präsidenten Dmitri Medwedew in Verbindung gebracht wird, von einer Werft in Finnland nicht beschlagnahmt, da sie angeblich „keine Informationen darüber haben, dass das Schiff ihm gehört“. Abramowitschs zwei größte Yachten im Gesamtwert von einer Milliarde Pfund sollen auf dem Weg in sichere Gewässer im östlichen Mittelmeer sein. Am Donnerstag wurden gegen ihn britische Sanktionen verhängt.

Doch schon Tage zuvor wurde das Personal der 461 Fuß langen Solaris angewiesen, das Schiff so vorzubereiten, dass es Barcelona „plötzlich“ verlassen konnte. Die acht Decks sollten eigentlich noch gestrichen und das Teakholz behandelt werden – eine Renovierung, die weitere zwei Wochen in Anspruch genommen hätte, wie die Arbeiter der MailOnline mitteilten.

Die Solaris befand sich gestern südlich von Italien und schien den Daten von Marine Traffic zufolge die sicheren Gewässer von Montenegro anzusteuern. Die Eclipse wird voraussichtlich morgen die Straße von Gibraltar passieren.

Zwei Superyachten im Besitz russischer Oligarchen liegen noch in derselben MB92-Werft in Barcelona, in der auch die Solaris von Abramowitsch lag, bevor sie plötzlich in See stach.

Eine davon ist die 106 Millionen Pfund teure Valerie, die dem ehemaligen KGB-Offizier Sergej Tschemesow gehört, gegen den die USA Sanktionen verhängt haben. Diese Woche wurde der Name des Schiffes mit schwarzen Laken verhüllt.

Die Tango, das dem mit US-Sanktionen belegten Viktor Vekselberg, dem Gründer eines russischen Energiekonglomerats, gehört, wurde zuletzt auf Mallorca gesehen.

Die Yachten können nur beschlagnahmt werden, wenn die EU Sanktionen verhängt, bevor sie ablegen und im Fall von drei Superyachten, die Gennadi Timtschenko, dem Stahlmagnaten Alexej Mordaschow und Igor Setschin, Putins „rechter Hand“, gehören, ist es der EU auch gelungen. Sie wurden in der vergangenen Woche beschlagnahmt. Doch die meisten der Luxusyachten, die nun sanktionierten Russen gehören, befinden sich außerhalb der Reichweite der europäischen Behörden.

Die Clio, die Oleg Deripaska gehört, liegt auf den Malediven. Die Rahil, die Putins Judopartner Arkadi Rotenberg gehört, wurde zuletzt in der Türkei gesehen, während die Nord, die dem Stahlmagnaten Alexej Mordaschow gehört, auf den Seychellen liegt.

Auch die Jagd nach Privatjets ist ins Stocken geraten. Mindestens zwei Flugzeuge, die mit superreichen Russen in Verbindung gebracht werden, sind in den letzten Tagen über Basel (Schweiz) geflogen, was offensichtlich einen Verstoß gegen das EU-Flugverbot darstellt.

Eine Boeing 767, die zuvor von Abramowitsch genutzt wurde, landete am Dienstag in Basel, wurde aber nicht beschlagnahmt. Das Hauptflugzeug des Oligarchen, eine 264 Millionen Pfund teure Boeing 787 Dreamliner, befindet sich in Dubai.

Das Vereinigte Königreich hat am Dienstag in Farnborough ein Privatflugzeug beschlagnahmt, das vermutlich dem Ölbaron Eugene Shvidler gehört, konnte aber noch nicht nachweisen, dass das in Luxemburg registrierte Flugzeug tatsächlich russisch ist. Obwohl Shvidler, ein enger Freund von Abramowitsch, selbst nicht sanktioniert wurde, haben neue, von der Regierung verabschiedete Gesetze dazu geführt, dass Flugzeuge, die Russen gehören oder von ihnen gechartert wurden, den britischen Luftraum nicht mehr benutzen dürfen.

Ein Vertreter Usmanovs sagte, er habe das Eigentum an seinem Flugzeug auf seine Familie übertragen und fügte hinzu, er sei „überzeugt, dass es keine rechtliche Grundlage für eine Sperrung oder andere Einschränkungen“ seines Vermögens gebe: „Das Vermögen wurde vor langer Zeit auf einen unwiderruflichen Trust übertragen, dessen Begünstigte die Verwandten von Herrn Usmanov sind. Von diesem Zeitpunkt an besaß er sie nicht mehr, sondern konnte sie nur noch auf Mietbasis nutzen“, heißt es.

Weder die Werft MB92 noch der Flughafen Basel Europort wollen einen Kommentar abgeben. Auch drei Vertreter von Abramowitsch reagierten nicht auf Bitten um Stellungnahme. (MS)

 

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