„Terror-Experte“ und Linksradikaler tingelt mit falschem Doktortitel durch die Medien

(Foto: Screenshot France 24)

Eine exzellente Wahl: Der kanadische „Anti-Terror-Experte“ Yan St-Pierre war immer wieder ein beliebter Interviewpartner, auch in den deutschen Mainstreammedien. Der Medienliebling hat jedoch jahrelang einen gefälschten Doktortitel genutzt und verbreitet als linksradikaler Aktivist unter falschem Namen sein Gedankengut. 

Immer wieder, wenn es um „Einschätzungen“ ging, wurde er von „Le Monde“, „France 24“ oder der „Welt“ interviewt, wurde er von der „Washington Post“ zitiert und von der „Tagesschau“ nach Einschätzungen gefragt. Das Geschäft lief gut für den kanadischen „Anti-Terror-Experten“ Yan St-Pierre, der über seine Internetseite Mosecon GmbH kund tat, auch Staats- und Regierungschefs zu beraten. Seit Jahren sucht St-Pierre zudem die Nähe von Bundestagsabgeordneten und trat immer wieder bei hochkarätig besetzten Sicherheitskonferenzen von Berlin bis Moskau auf.

Nun berichtet die „Welt am Sonntag“, die offensichtlich ebenfalls auf St-Pierre hereingefallen ist, dass schon vergangenen Herbst Behörden den Herrn Experten wegen unberechtigten Führens eines akademischen Titels einen Strafbefehl zugestellt haben. Ermittler der Staatsanwaltschaft Berlin fanden heraus: Nicht nur gegenüber Medien und Geschäftspartnern hatte St-Pierre in Bezug auf seinen Doktortitel gelogen. Auch hatte er der Berliner Ausländerbehörde für seinen Aufenthaltstitel eine gefälschte Bestätigung der Universität Genf vorgelegt. In Wahrheit hatte der Dekan St-Pierres Exposé für eine Doktorarbeit im Bereich Politikwissenschaften 2007 abgelehnt.

Zudem ist St-Pierre bis 2021 unter einem anderen Namen bei Twitter als Linksradikaler präsent gewesen. Als Martin Deranleau soll er u.a. zu gewalttätigen Protesten im Rahmen der Occupy-Bewegung aufgerufen haben. Auf Nachfrage erklärt St-Pierre, er habe den Account zu Recherchezwecken angelegt – Fotos von einer Occupy-Demo in Berlin seien in einem Theaterprojekt entstanden.

„Alles in allem festigt sich ein trauriges Bild: Ein charismatisches Auftreten reicht offenbar aus, um in einer Welt Gehör zu finden, in der es nicht zuletzt um Krieg und Frieden, um Leben und Tod geht“, resümiert die „WamS“. In Zeiten, in welchen mäßig begabte politische Akteure keine Sachkompetenz mehr nachzuweisen haben und talentfreie  Politiker sich auf ihre eigene mediale Präsens und die geschickte Präsentation vermeintlicher persönlicher Fähigkeiten konzentrieren, passt diese Gestalt bestens ins links-grüne Gefüge. (SB)