Erdingers Absacker: Gelenkte Demokratie – gelenkte Opposition – Waaahhhh!

Erdingers Absacker; Bild: Collage
Erdingers Absacker; Bild: Collage

+++ Psssst! Wussten Sie das? Dieser Putin da in seinem gräßlichen Russland, wo die Hinterwäldler wohnen … Sie wissen schon, dieser menschenverachtende Diktator, die blutsaufende Bestie, die vermaledeite – der Teufel soll ihn holen – diesen Putin, der … – stellen Sie sich vor, also der hat da in seinem Russland gar keine Demokratie. Das ist eine „gelenkte Demokratie“! Und dann erzählt er überall herum, er sei Demokrat. Der Schröder, Sie wissen schon welcher, der Vaterlandsverräter, dieser deutsche Gasrusse da, der sagte sogar einmal, der Blutsäufer, der russische, sei ein „lupenreiner Demokrat“! Boaaah, dicker Hund, oder? „Lupenreiner Demokrat“ …. Sie und ich, wir wissen, was lupenreine Demokraten sind, die ganz ohne Lenkung der Demokratie lupenrein sind. Wer, wenn nicht wir, wüsste das? – Na eben. Klar gibt es auch in solchen lupenreinen Demokratien wie unserer und der amerikanischen mal kleine Ausreißerchen. Wo demokratisiert wird, da fallen Späne. Das ist ganz normal. So eine Präsidentenwahl, die kann schon mal ein bißchen schiefgehen. Das macht aber nichts. Weil der Präsident sowieso Demokrat ist. Ob jetzt der eine oder der andere Präsident wird, ist ziemlich wurscht für die Demokratie. Oder hier: Thüringen, Ministerpräsidentenwahl im Februar 2020. Astreines Ergebnis, demokratisch ermittelt. Dann kommt die damalige Zonenkanzlerin, die sich mit der Demokratie natürlich noch nicht so ausgekannt hat, sagt, daß das Wahlergebnis unverzeihlich ist – und schwupps – ist die Wahl ungültig. Das sind so kleine Ausreißerchen. Da muß man einfach eine demokratische Fehlertoleranz haben, damit die lupenreine Demokratie schön menschlich bleibt. An der Lupenreinheit unserer Demokratie und derjenigen der Demokraten ändern so kleine Fehlerchen gar nichts. Da bleibt nicht mal ein Kratzerchen. Daß wir eine lupenreine Demokratie haben, das kann man schon an unserer sagenhaften Meinungs- und Redefreiheit sehen: Außer den falschen Meinungsäußerungen werden kaum welche gelöscht oder verboten. Sie müssen ja das N-Wort nicht verwenden. Sagen Sie einfach „Nager“, Plural „die Näger“. In der Demokratie können Sie Wörter durchaus auch einmal falsch schreiben: Donbass (Donbas) mit zwei „n“ z.B. – Donnbass (Donnbas). Das geht. Nur bei „Nigeria“ sollten Sie aufpassen, daß Ihnen kein zweites „g“ rausrutscht. Das überleben Sie nicht in der lupenreinen Demokratie. Aber sonst? – Tollerants so weitt das Augggge reicht. Die Kommentarbereiche unter Zeitschriftenartikeln werden nur geschlossen, wenn viel falsche Meinung zu erwarten ist. Und was soll das Gejaule wegen eines verbotenen Buchstabens? Sie dürfen mit dem Buchstaben „Z“ eben kein Tseichen mehr setzen. Da muß man nicht so kleinlich sein. Es bleiben ja noch 25 Buchstaben übrig, die sich zum Tseichensetsen verwenden lassen für die Demokratie. Aber die Russen sind schon fies, ehrlich. Schauen Sie sich mal das Bild hier unten an. Da glaubt man doch glatt, die russischen Blutsäufer nähmen einen als lupenreinen Demokraten nicht richtig ernst, oder? +++

Russischer Buchstabenangriff auf die Demokratie – Screenshot Facebook

+++ Weil „wir“ nun schon einmal dabei sind: Die Russen haben also eine gelenkte Demokratie, und weil wir das exakte Gegenteil zu diesen gräßlichen und furchteinflößenden Hinterwäldlern sind, haben wir eine gelenkte Opposition. Das glauben Sie nicht? Schauen Sie mal nach, wie diejenigen sich zum Ukrainekrieg äußern, die Sie bisher im Verdacht hatten, Oppositionelle in unserer lupenreinen Demokratie zu sein. Ich nenne Ihnen einmal ein paar Namen: Karlheinz Weißmann, Henryk M. Broder, Monika Maron, Roland Tichy, um es bei vier gelenkten Oppositionellen zu belassen. Wie die es alle auf einmal haben mit der Freiheit, der Toleranz, der Unabhängigkeit und der Souveränität samt sämtlichen westlichen Werten, die hier bei uns … äh … in der Ukraine verteidigt werden. Da kann man viel lernen. Bei uns wäre ja Nationalismus schon unerträglich, ganz egal, von welcher Nation man redet. Aber den Nationalismus der Ukrainer würde unsere gelenkte Opposition noch nicht einmal dann Nationalismus nennen, wenn er in Wahrheit Nationalchauvinismus wäre. Nein, nein, unsere gelenkte Opposition redet lieber von Patriotismus. Das kommt von „patria“, lateinisch für Heimat. Das Dumme daran ist, daß eine geographische Entität namens Ukraine auf einer Landkarte erstmals 1918 aufgetaucht ist, also vor gut hundert Jahren. Für die einen reichen 100 Jahre, um von einem zusammengewürfelten Haufen zu Patrioten zu werden, bei uns reichen 100 Jahre bloß für einen saftigen Antipatriotismus. Die Ukrainer haben’s einfach drauf. Sagenhafte Nation. Und von den hundert Jahren, in denen sie jetzt sowas von Nation geworden sind, daß einem schier schwindlig wird, waren sie über siebzig Jahre lang russische Nation. Da tendiert man als lupenreiner Demokratielogiker doch glatt zu der Vermutung, bei den ukrainischen Patrioten könnte es sich um Vaterlandsverräter handeln, oder nicht? Schauen Sie sich doch diesen Melnyk da an, oder diesen Selenskyi. Schwingen Patrioten vielleicht solche Reden? Oder machen das dann doch eher fürchterliche Nationalchauvinisten?  Betonung auf „Chauvinisten“. Als souveräner Staat gilt die Ukraine erst wieder seit 1991. Und damit das so bleibt, gab es das Budapester Memorandum im Jahr 1994. Damals haben die USA, Großbritannien und Russland die Eigenständigkeit und die Unverletzlichkeit der ukrainischen Grenzen im Gegenzug dafür garantiert, daß die Ukraine die sowjetischen Atomwaffen abgab, die auf ihrem Staatsgebiet stationiert gewesen waren. Daran hätten sie sich wohl besser gehalten – und zwar alle drei: Russland, die USA und Großbritannien. Daran gehalten hat sich tatsächlich niemand. Die USA verwandelten die Eigenständigkeit der Ukraine in eine Abhängigkeit von den USA und rüsteten das eigenständig abhängige Land auf bis unter die Nasenspitze. Außerdem hielten es sie noch für eine gute Idee, sich in die Eigenständigkeit der Ukraine insofern einzumischen, als daß sie 5 Mrd. Dollar für einen Staatsstreich gegen den von den Ukrainern total eigenständig gewählten Präsidenten finanzierten. Amis halt. Wer diese geldgeilen Bombenfetischisten zum Freund hat, der braucht keinen Feind mehr.  Das wissen viele Nationen auf der Welt, nur unsere gelenkte Opposition darf nicht sagen, daß sie das ebenfalls weiß. So. Und dann hätte die Ukraine auch noch NATO-Mitglied werden sollen, obwohl sie längst schon – wiederum total eigenständig – agiert hat, als sei sie bereits eines. Das alles darf unsere lupenrein demokratisch gelenkte Opposition nicht thematisieren, weil sie sonst für eine grundehrliche Opposition gehalten werden würde. Und dann dürfte der Broder z.B. nicht mehr nett im ZDF plaudern oder launige Artikel für die „Welt“ schreiben. Der Broder ist mehr so ein Oppositionsfolklorist. Darf er ja sein. Er ist nämlich unterhaltsam. Oppositionscomedy, sozusagen. Apropos Comedy: Der Selenskyi wurde wahrscheinlich deshalb als Präsidentschaftskandidat von den Amis ausgewählt, weil sie sich dachten, der würde es werden, nachdem ihn die Ukrainer wegen seiner Filmrolle in der erfolgreichen Fernsehserie „Diener des Volkes“ für einen liebenswürdigen Präsidenten gehalten hatten. Das Kalkül ging auf. Die Ukrainer wählten tatsächlich den amerikanischen Lieblingspräsidenten für die Ukraine. Und der entpuppte sich dann als gräßliche Null – für die Ukrainer, für die Amis hingegen nicht – und als wirtschaftlicher Blutsauger der Ukrainer, der sich die Taschen schamlos vollstopfte und brav die Tänzchen aufführte, die ihn seine oligarchischen Marionettenspieler und deren, zur Herausbildung eines „Patriotismus“ genannten Nationalchauvinismus nützliche Nazis, eben vortanzen ließen. Das wiederum war dann auch unserem Presse-Mainstream aufgefallen, der an Selensky noch vor Jahresfrist kein gutes Haar ließ. Völlig zu Recht nicht, übrigens. Was hat unser Presse-Mainstream vor Jahresfrist noch auf dem Selenskyi herumgehackt! Postsowjetische Machenschaften, korrupt wie eh und je, hieß es bspw. in der „Süddeutschen Zeitung“. Und diese Nazis erst in der Ukraine! Entsetzliche Gestalten! So war das noch vor einem Jahr in unseren lupenrein demokratischen Medien. Heute: Oh heiliger Selenskyi! Einen Medienpreis für die Freiheit bekommt er verliehen! Die vollgeronzheimerte „Bild“ als deutsche Dependance der „Voice of America“ kriegt (sic!) sich gar nicht mehr ein vor Begeisterung für den genialen Wolodymyr, das lupenreine Politgenie, das volldemokratische. Und unsere gelenkte Opposition, diese lupenreinen Demokraten, hält brav den Mund dazu und applaudiert dem widerlichen Schmierenstück sogar ein bißchen verschämt, so, daß es möglichst nicht allzu sehr auffällt. Ukrainischer Patriotismus in der „souveränen Nation Ukraine“, der eigenständigen mit den unverletztlichen Grenzen: Wir, die Westukrainer sind die eigentliche Nation, wir verbieten der russischen Minderheit innerhalb der Grenzen unserer eigenständigen Nation ihre Sprache, nennen sie abfällig „Orks“, bombardieren und beschießen sie acht Jahre lang, scheißen auf die Minsker Abkommen 1 und 2, und wenn dann statt nationalem Krieg der internationale Krieg kommt, dann sagen wir einfach, er habe erst am 24. Februar 2022 begonnen. Schon haben wir einen nützlichen Aggressor, einen hundsgemeinen, dem wir alles, alles in die Schuhe schieben können. Das können wir uns erlauben, weil die ganze EU und sämtliche NATO-Länder sich vor den Amis mindestens so in die Hosen scheißen wie wir selber, weshalb wir uns darauf verlassen können, daß die, genau wie wir, schön brav tun werden, was ihnen die lupenreinen Demokraten-Amis auftragen. Alle miteinander sind wir eigenständig wie die Sau, friedfertig, unschuldig und totaaal lupenreine Demokraten. Ganz ehrlich. Und jetzt alle zusammen: Waffen, Waffen und nochmal Waffen! Und für unsere lupenrein vertragstreuen und lupenrein demokratischen ausländischen Freunde aus der EU, diversen NATO-Ländern und den USA, die ohne Munition und Verpflegung im Bunker unter dem Stahlwerk Azovstal in der Falle sitzen, erbitten wir beim russischen Blutsäufer im zuckersüßesten Tonfall eine Feuerpause, um sie diskret in ein Drittland ausfliegen zu können. Wenn sie nämlich den blutsaufenden Russen in die Hände fallen, dann würden sie die der Weltöffentlichkeit präsentieren. Dann würde womöglich noch jemand hellhörig werden im lupenrein friedfertigen und demokratischen Westen und uns die ganze schöne Geschichte von unserem total eigenständigen Patriotenkampf gegen den bösen Aggressor nicht glauben.  – Pack. +++