Sylter Märchenstunde geht weiter: Lambrecht landete im Nirgendwo-Antennenfeld

Foto: Christine Lambrecht (über dts Nachrichtenagentur)

Flog Verteidigungsministerin Christine Lambrecht vorsätzlich ein Antennenfeld der Bundeswehr-Aufklärung (EloKaBtl 911) im nordfriesischen Bramstedtlund an, um zusammen mit ihrem Sohn den Bundeswehrhelikopter für ihren anschließenden Osterurlaub auf Sylt nutzen zu können? Es sieht ganz danach aus. Die Rechnung für ihren Sohn an Bord hat die Helikopter-Mutter auch beglichen: Sie überwies knapp 300 Euro – ein Schnäppchenpreis, von dem Normalsterbliche nur träumen können.

Am Mittwoch brach Lambrecht mit ihrem 21-jährigen Sohn zu einem ungewöhnlichen Truppen-Besuch auf. Es ging zu einem Antennenfeld der Bundeswehr-Aufklärung (EloKaBtl 911) im nordfriesischen Bramstedtlund mit Anschluss-Termin für die Osterferien auf Sylt. EloKaBtl 911 – ein Ort im Nirgendwo, so unbedeutend, daß keine ihrer beiden Vorgängerinnen jemals dort waren. Doch das Antennenfeld liegt praktischerweise direkt vor Lambrechts Oster-Insel Sylt, die sie regelmäßig besucht und nur 21,5 km vor der Verladestation für den Insel-Autozug.

„Das EloKaBtl 911 ist ein Verband mit aktuell starker Einsatzbindung im Bezug zur Krise an der Nato-Ostflanke“, lautet die offizielle Begründung für den Steuerzahler finanzierten Antennen-Ausflug.
Wäre es der Ministerin wirklich um das Thema gegangen, hätte ihr Ziel laut Bild eigentlich ein anderes sein müssen – zum Beispiel die Auswertezentrale Elektronische Kampfführung in Rheinland-Pfalz, wo die Informationen aus Nordfriesland verarbeitet werden. Ungünstigerweise ist Rheinland-Pfalz weit weg von der „Lieblingsinsel“ Sylt.

„Der Besuch der Antennen ist so sinnvoll wie eine Dienstreise des Verkehrsministers zu einer Maut-Kamera, um sich dort über das Mautsystem zu informieren“, lästert ein Militär.

Mittlerweile soll die 56-jährige SPD-Politikerin die Kosten für den privaten Mitflug ihres Sohnes beglichen haben – sie überwies schlappe 261 Euro für anderthalb Stunden im Bundeswehr-Heli.

„Bei Truppenbesuchen wird für Gäste an Bord der marktübliche Preis zum nächsten Flughafen am entsprechenden Wochentag ermittelt. Hier: Berlin–Sylt mit Zwischenstopp, 261 Euro. Doch bei diesem Preis landet man nur mit einem regulären Linienflieger – und nicht im teuren Helikopter“, erklärt Bild den Traumpreis . „Zum Vergleich: Ein Heli-Taxi von Berlin nach Sylt für vier Personen kostet Normalsterbliche 10 500 Euro!“, stellt das Blatt weiter fest. Für den verteidigungspolitische Sprecher der Unionsfraktion Florian Hahn ist das eindeutig „ein Schnäppchen“.

Es soll nicht die einzige offizielle Reise sein, bei der das erwachsene „Mama-Söhnchen“ seine Mutter begleitete. Mehrfach postete er offenbar selbst Fotos von sich im Regierungsflieger in sozialen Netzwerken wie Instagram. Fotografiert vielleicht sogar von der eigenen stolzen Mama?

Antworten auf die Fragen, warum der Antennen-Besuch so wichtig war, das er nur mit dem Bundeswehrhelikopter angeflogen statt mit dem Dienstwagen vonstatten ging, sowie ob die Über-Mama die Fotos von ihrem Filius vielleicht sogar selbst schoss, würde Lambrecht nicht beantworten wollen, so die Bild.

Schnell ist die Ministerin jedenfalls, wenn es um Kritik und „falsche Berichterstattung“ geht. Sie kündigte „Konsequenzen“ an und drohte mit rechtlichen Schritten im Falle einer  „falschen“ Berichterstattung. Sie behalte sich bei allen Äußerungen, die über sie oder ihre Familie getroffen werden, vor, entsprechend darauf zu reagieren, wenn es zu falschen Tatsachenbehauptungen kommt, so die Schuh-Närrin Lambrecht. (MS)