Bauernopfer - Foto: Dilok Klaisataporn/Shutterstock

Schockierend: Will Russland die USA zerschlagen?

Stellen Sie sich das vor! Die Russen wollen die USA zerschlagen. Aus den Vereinigten Staaten von Amerika sollen die Unvereinigten Staaten von Amerika werden. Ein ganz finsterer Plan. Erläutert …

von Max Erdinger

Halt! Kommando zurück! Zerschlagung, Russland und Vereinigte Staaten von Amerika stimmen, aber die Richtung ist falsch. Die Neocons in den USA wollten schon lange Russland in handliche Stücke zerteilen. So herum ist es richtig. Auf den Ukrainekrieg hatten sie sich jahrelang vorbereitet – und jetzt klappt das nicht! Panik macht sich breit!

Die „Berliner Zeitung“ brachte ein interessantes Essay von Jeffrey D.Sachs. Recht kenntnisreich breitet Sachs aus, was gewissen Größenwahnsinnigen in den USA schon lange durchs Hirn geistert. Jeffrey D. Sachs ist ein echter Experte. Der US-amerikanische Ökonom ist seit 2002 Sonderberater der Millennium Development Goals. Zudem ist er doppelter Direktor. Erstens beim „Sustainable Development Solutions Network“ der Vereinten Nationen und zweitens beim Earth Institute an der Columbia University. „Die Ukraine ist die neueste Katastrophe amerikanischer Neocons„, schreibt er – und: „Die Deutschen wollen es nicht hören, doch es gehört zur Wahrheit: Die amerikanischen Neocons sind für den Ukraine-Krieg mitverantwortlich.„. Unerhört! Wo man sich doch in Deutschland schon so an den Alleinschuldigen gewöhnt hatte, den aggressiven und gewissenlosen Putin, diesen unaushaltbaren Russen mit seinem „Machokrieg“ (Boris Johnson, GB). Mehr Frauen in verantwortlichen Positionen bräuchte es für weniger Krieg (auch Boris Johnson, GB). – Bullshit.

In der Regierung Biden sitzen dieselben Neokonservativen, die sich für die Kriege der USA in Serbien (1999), Afghanistan (2001), Irak (2003), Syrien (2011) und Libyen (2011) starkgemacht und die den Einmarsch Russlands in die Ukraine erst provoziert haben. Die Erfolgsbilanz der Neocons ist ein einziges Desaster, und doch hat Biden sein Team mit ihnen besetzt. Infolgedessen steuert Biden die Ukraine, die USA und die Europäische Union in ein weiteres geopolitisches Debakel. Wenn Europa einen Funken Einsicht hat, wird es sich von diesen außenpolitischen Debakeln der USA distanzieren.“ – dieser Experte aber auch! Wie kann er nur schreiben, was ich selber schon seit vier Monaten dauernd geschrieben habe? Ich werde ihm doch wohl nicht als Inspirationsquelle gedient haben? Sachs kapriziert sich allerdings auf die Familie Kagan, in welcher sich die Russophobie inzestuös vermehrt haben muß. Eine saubere „Sippe“. Ich hatte es ja eher mit STRATFOR und George Friedman, mit Zbigniew Brzezinski auch.

Los ging es mit der Russophobie laut Jeffrey D. Sachs in den Siebziger Jahren des vergangenen Jahrhunderts mit dem Altphilologen Donald Kagan, damals gegen die Sowjetunion. Inzwischen ist die Sowjetunion zu Russland geworden, was einen richtigen Russophoben aber nicht weiter stört, der in „God’s own country“ wohnt und in God’s own currency, den US-Dollar „trustet“. Sowjets, Russen – egal. Alles Russen. Wer ist mit dabei? Robert Kagan, der Sohn vom alten Donald, Frederick Kagan, auch Sohn vom alten Donald, Victoria „Fuck the EU“ Nuland, die Ehefrau von Robert Kagan – und Kimberley Allen Kagan, die Ehefrau von Frederick Kagan. Klar, daß sie russophobe Freunde haben: Norman Podhoretz, Irving Kristol und Paul Wolfowitz.

Diese Neocons pflegen laut Sachs eine obsessive Vision von der einzigen Weltmacht USA. Das stimmt. Mitte der Neunziger Jahre, als die Rührung wegen des Zusammenbruchs der Sowjetunion etwas nachgelassen hatte und der Schnack von der weltfriedensstiftenden Auflösung der NATO im Gegenzug für das Verlöschen des Warschauer Paktes an Popularität verlor, wurde in Austin/Texas STRATFOR gegründet, ein sogenannter „Think Tank“ der Neocons. Am Weltfrieden war STRATFOR – in dem Kürzel steckt das Wort „Strategie“ – nicht mehr interessiert, sondern daran, die Tatsache der verschwundenen zweiten Supermacht auf Erden für die USA geostrategisch zu nutzen. Jeffrey D. Sachs: „Die Hauptbotschaft der Neocons lautet, dass die USA in jeder Region der Welt die militärische Vormachtstellung innehaben und den aufstrebenden regionalen Mächten entgegentreten müssen, die eines Tages die globale oder regionale Vorherrschaft der USA herausfordern könnten, vor allem Russland und China. Zu diesem Zweck sollte das US-Militär in Hunderten von Militärstützpunkten auf der ganzen Welt in Stellung gebracht werden, und die USA sollten darauf vorbereitet sein, bei Bedarf Kriege nach Wahl zu führen. Die Vereinten Nationen sollen von den USA nur dann genutzt werden, wenn dies für ihre Zwecke nützlich ist.“ – und partout will mir das nicht so vorkommen, als hätte ich das zum ersten Mal gehört. Schon lange sage ich, daß diese Neocons in ihrer Abgehobenheit ein wenig „dabbisch“ sein müssen. Schließlich haben die USA seit bald 70 Jahren nirgendwo auf der Welt auch nur einen regionalen Krieg für sich entscheiden können. Unvergessen sind die Bilder des letzten Hubschraubers, der 1975 vom Dach der US-Botschaft in Saigon abhob. Hunderte von vietnamesischen „Kollaborateuren“ mit den USA wurden von ihren amerikanischen Freunden zurückgelassen und fielen den Vietcong in die Hände, was wohl ihr sicherer Tod gewesen ist. Afghanistan 2021 – ziemlich dasselbe. Wer die Neocons aus dem fernen Amerika zum „Freund“ hat, kann sich eigentlich gleich selbst die Kugel geben. Wolodymyr Selenskyj in der Ukraine macht seit einigen Tagen ein Gesicht, als ob ihm das inzwischen klar geworden wäre.

Robert Kagan im April 2006, also satte 16 Jahre vor der russischen „Intervention“ (Broder) in der Ukraine: „Die Russen und Chinesen sehen in [den „farbigen Revolutionen“ in der ehemaligen Sowjetunion] nichts Natürliches, sondern nur vom Westen unterstützte Putsche, die den westlichen Einfluss in strategisch wichtigen Teilen der Welt stärken sollen. Haben sie so unrecht? Könnte die erfolgreiche Liberalisierung der Ukraine, die von den westlichen Demokratien vorangetrieben und unterstützt wurde, nicht nur das Vorspiel für die Eingliederung dieses Landes in die Nato und die Europäische Union sein – kurz gesagt, für die Ausweitung der westlichen liberalen Hegemonie?“ – Zur Erinnerung: Noch 1990 hatten James Baker, der amerikanische Außenminister, und Hans-Dietrich Genscher, deutscher Außenminister, im Gegenzug für die russische Zustimmung zur deutschen Wiedervereinigung versprochen, daß es keine NATO-Osterweiterung über die deutsche Ostgrenze hinaus geben würde. Als die dann dennoch erfolgte, wurde russischer Protest dagegen mit der vagen Inaussichtstellung einer NATO-Mitgliedschaft Russlands selbst besänftigt. Den Russen musste die NATO-Osterweiterung ab etwa Mitte der Neunziger bis Anfangs der Nullerjahre vorgekommen sein wie ein einstweiliger Lückenschluß. Man hatte doch mit westlichen „Ehrenmännern“ gesprochen und verhandelt. Putin sagt heute selbst, daß er westlichen Politikern nie wieder auch nur ein Wort glauben wird. Das hat er mit mir gemeinsam.

Jeffrey D.Sachs: „Kagan räumt ein, dass die Nato-Erweiterung verheerende Folgen hat“ – Bingo! Und sowohl in den USA als auch in der EU hat man das Mitte der Neunziger Jahre das Risiko auch glasklar selbst noch so prognostiziert. „Er zitiert einen Experten mit den Worten: ‚Der Kreml bereitet sich allen Ernstes auf die ‚Schlacht um die Ukraine‘ vor.‘ Die Neocons haben diese Schlacht gesucht. Nach dem Zusammenbruch der Sowjetunion hätten sowohl die USA als auch Russland eine neutrale Ukraine anstreben sollen, als vorsichtigen Puffer und Sicherheitsventil. Stattdessen strebten die Neokonservativen die ‚Hegemonie‘ der USA an, während die Russen den Kampf teils zur Verteidigung, teils aus eigenen imperialen Ambitionen heraus aufnahmen.“ – Nichts anderes behaupte ich seit dem US-gestützten Euro-Maidan-Putsch 2014, der 20 Jahre nach dem Budapester Memorandum von 1994 stattfand, in welchem die USA, Großbritannien und Russland Sicherheistgarantien nicht für „irgendeine“ Ukraine, sondern für eine „souveräne und neutrale Ukraine“ abgegeben hatten. Bereits zehn Jahre später (spätestens!) dachten die US-amerikanischen Neocons gar nicht mehr daran, die Neutralität der Ukraine zu respektieren, sondern begannen damit, sie in ein amerikanisches Aufmarschgebiet gegen Russland zu verwandeln. Vorher schon hatte Zbigniew Brzezinski, der ehemalige US-Sicherheitsberater, dafür plädiert, die Aufteilung Russlands in einen europäischen, einen sibirischen und einen fernöstlichen Teil anzustreben.

Der deutsche „Deppenspin“ im Ukraine-Narrativ 2022: Die Ukraine ist eine souveräne Nation, die sich ihre Bündnispartner selber aussuchen darf. Daß die Ukraine aber nicht nur souverän ist nach dem Völkerrecht, sondern vertraglich dazu verpflichtet gewesen wäre, neutral zu bleiben, lassen sie aus durchsichtigen Gründen einfach unter den Tisch fallen. Die amerikanischen, britischen und russischen Sicherheitsgarantien für die Ukraine im Budapester Memorandum erfolgten außerdem unter der Bedingung, daß die Ukraine die sowjetischen Atomwaffen, die sich 1994 noch dort befanden, an Russland zurückgibt. Was machte Selenskyj bei der Münchener Sicherheitskonferenz 2021? – Er forderte rotzfrech die Stationierung westlicher Atomwaffen in der Ukraine! Minsker Abkommen? – Interessiert doch eine ukrainische Regierung nicht. Die haben schließlich die USA als Schutzpatron. In Kiew dieser Tage: Das böse Erwachen. Interessant ist übrigens auch, wer Selenskyjs Wahlkampf 2019 organisierte: ein Politstratege der US-Demokraten. Und das ist das nächste, was ich seit Monaten behaupte: Selenskyj ist nichts weiter, als eine total korrupte US-Marionette, ein Schauspieler, der einen ukrainischen Präsidenten mimt. Der tatsächliche ukrainische Präsident ist allerdings Joe „Brandon“ Biden der Demente, den sich die Amerikaner wiederum als Präsidentendarsteller vor die Augen hängen lassen müssen, nachdem der tatsächlich gewählte Präsident, Donald Trump, 2020 um seinen Wahlsieg betrogen wurde. Um die Ukrainer, das Volk also, ging es bereits seit Jahren niemandem mehr. Mir tun diese Leute unendlich leid. So verraten, so verarscht und verkauft wie das ukrainische Volk ist meiner Kenntnis nach seit dem Zweiten Weltkrieg niemand mehr.

Und es kann mir keiner erzählen, daß die deutsche Bundesregierung nicht ganz genau wüsste, welches intrigante Spiel in der Ukraine seit bald drei Jahrzehnten läuft. Spätestens nach der Unterzeichnung des Budapester Memorandums 1994 ging das Täuschungsmanöver gegen Russland los. Und aus der Tatsache, daß die Bundesregierung dennoch und entgegen ihrem Amtseid deutsche Interessen mit Füßen tritt und auch noch das Verhältnis zu Russland schrottet, obwohl sich die US-Neocons schon wieder als die Loser der Geschichte erweisen, ergibt sich dann auch die korrekte Bezeichnung für die Mitglieder dieser Bundesregierung. Welche das ist, darf sich jeder selber ausdenken. Der „Berliner Zeitung“ gebührt Dank für den Abdruck des Essays von Jeffrey D. Sachs. Nehmt endlich die Tomaten von den Augen!

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