Erdingers Absacker; Bild: Collage
Erdingers Absacker; Bild: Collage

Erdingers Absacker: Merkt er was?

+++ Die Frau Tanya Valenczyk hat im „Spiegel“ eine wenig geistreiche Rechtfertigung für die geschissene Cancel-Culture abgeliefert. Das ist die zweitblödeste Erklärung, die der Absackende in der jüngsten Zeit hat lesen müssen. Die blödeste war die von Broder, warum er für die „Weltwoche“ nicht mehr schreiben will. Allmächt. Die junge Frau Valenczyk, hoffentlich noch nicht am Limit ihrer geistigen Kräfte: „Ja, wir Jungen wollen nichts Falsches mehr sagen – und das ist auch gut so.“ – Frau Valenczyks Richtigkeiten, oder was? Sie schreibt: „Junge Menschen trauten sich nicht mehr, Witze auf Kosten anderer zu machen, sagte Thomas Gottschalk kürzlich in einem Interview. Das hat er falsch verstanden: Wir treten nur einfach nicht mehr nach unten.“ – wie auch, vom Boden aus? Die Jungen treten allerdings auch nicht mehr nach oben. Sogar ihre Abistreiche legen sie vorher der Schulleitung zur Genehmigung vor. Und noch keine Generation zuvor war dermaßen geil darauf, eine Anstellung beim Staat zu ergattern. Oder sie wollen „irgendwas Soziales“ mit Menschen oder Medien machen. Ein inexistenter Experte für Realität & Heulsusigkeit erklärte, daß die Jungen nicht mehr nach unten treten wollten sei eine Schutzbehauptung, von der sie sich eine Art Welpenschutz erhoffen, dessentwegen dann niemand mehr nach ihnen selbst treten soll. Das allerdings sei völlig unrealistisch. Den „Schwachen dieser Erde“ sei völlig egal, für wie schwachstark sich deutsche „die Jungen“ halten. Die Haltung der Frau Valenczyk sei nichts anderes, als eine dekadent zur Schau gestellte Pseudo-Demutshaltung zur Vermeidung von Konflikten, die sich aus ihrer eigenen Bequemlichkeit ergeben können – und von denen „die Jungen“ ahnen, daß sie die nicht gewinnen könnten gegen diejenigen, die sie für schwach halten wollen. Die würden sich ihren Geldbeutel von jedem „schwachen Kongolesen“ klauen lassen, um nicht fies werden zu müssen. Auf einem charakterlosen, hinübergeschlechtlichen und intriganten Behinderten im Rollstuhl müsse man selbstverständlich herumhacken dürfen. Es sei ja nicht so, daß solche Typen nicht denkbar wären. +++

Dumme Nuß? – Foto: Imago

+++ Allerweil gibt es die ersten Meldungen von Stadtwerken, die den Heißwasserverbrauch rationieren. Duschen von Montag bis Freitag nur noch zwischen Uhrzeit sowieso und sowieso. Freibäder senken die Wassertemperatur in den Becken um zwei Grad, das Waldbad (ausgerechnet!) in Kronberg beheize das Wasser gar nicht mehr, hieß es in einer Zeitungsmeldung. Bislang blieb es aber in Deutschland – wie üblich – noch friedlich. Im italienischen Parlament gab es einen fast gewalttätigen Aufstand gegen Mario Draghi wegen der fortgesetzten Waffenlieferungen an die Ukraine. In den Niederlanden legen die Bauern allerweil das ganze Land lahm, blockieren Flughäfen und Autobahnen. Die Fischer unterstützen sie inzwischen und blockieren die Hafeneinfahrten. Das alles läßt sich auf einen Urgrund zurückführen: Die Bürger haben die Nasen gestrichen voll von arroganten, völlig abgehobenen Regierungen, die sie nach Strich & Faden belügen, betrügen, enteignen und ausnehmen. Es geht eigentlich um eine Attitüde, welche sich europäische Regierungen und die EU-Kommission selber angewöhnt haben, die ihnen ganz deutlich wieder ausgetrieben werden muß: Sie sind nicht der Vormund des Souveräns, sondern dessen Diener. An der Energieknappheit in Deutschland ist nicht Wladimir Putin schuld, sondern die westliche Sanktionspolitik einerseits und die völlig hirnrissige Energiewende andererseits. Beides ergänzt sich im AUgenblick zu einer tödlichen Kombi. Was die Ampelkoalition gerade abliefert, hätte man in früheren Zeiten umstandslos als Hochverrat bezeichnet. ALlein dafür, daß die niederländische Regierung das Militär gegen die eigene Bevölkerung in Alarmbereitschaft versetzt, reicht schon aus, um ihr in Zukunft den Prozess zu machen. Kein Bürger braucht sich von diesen Figuren in Geiselhaft für einen Pseudomoralismus nehmen zu lassen, mit dem lediglich das eigene politische Vollversagen der Vergangenheit samt der Kläglichkeit eines politischen Vassallenstatus‘ per Verantwortungsverschiebung nach Russland kaschiert werden soll. Die Politiker in Washington, Kiew, Brüssel, London, Paris, Rom und Berlin sollten auf gar keinen Fall noch länger damit durchkommen, sich als Löser von Problemen darzustellen, die ohne sie kein Mensch hätte. +++

Protest Niederlande – Foto: Screenshot/Twitter

+++ „Wasch mir den Pelz, aber mach mich nicht naß“ scheint das Motto von Rüdiger Lucassen gewesen zu sein, als er erklärte: „Die Mitgliedschaft in der NATO ist für Deutschland eine realpolitische Notwendigkeit.„. Der Oberst a.D. war AfD-Landesvorsitzender in NRW von Oktober 2019 bis 2022 und ist Mitglied der AfD-Bundestagsfraktion. „Die Mitgliedschaft in der NATO entspricht den außen- und sicherheitspolitischen Interessen Deutschlands, soweit sich die NATO auf ihre Aufgabe als Verteidigungsbündnis beschränkt„, schrieb er. Genau darauf beschränkt sie sich aber nicht, woraus folgen müsste, daß die NATO-Mitgliedschaft Deutschlands eben keine realpolitische Notwendigkeit ist. Notwendig ist die Mitgliedschaft allenfalls aufgrund einer selbstverschuldeten militärischen Schwäche Deutschlands.

Lucassen: „Die NATO ist eine Militärallianz aus 30 (bald 32) souveränen Nationalstaaten. Sie ist das mit Abstand stärkste Verteidigungsbündnis der Welt.“ – Nein. Erstens läuft die geopolitische Entwicklung gegen den souveränen Nationalstaat als solchen – und zweitens ist die NATO kein konsequent defensives Verteidigungsbündnis, sondern eben eine Militärallianz. Angeführt wird sie von den USA, die in den ca. 250 Jahren ihrer Existenz etwa 20 Jahre hatten, in denen sie keinen Krieg irgendwo auf der Welt geführt hätten. Allein schon das Wort „Verteidigungsministerium“ ist im Fall der USA ein dreister Euphemismus. Das ist ein Kriegsministerium seit jeher. „Die Militärinterventionen der USA und besonders die NATO-geführten Einsätze außerhalb des Bündnisgebiets haben wir als AfD immer vehement abgelehnt„. Gut für die innere Schönheit der AfD, aber konsequenzenlos in der Sache. „Nach dem Afghanistan-Debakel und unter dem Eindruck der russischen Invasion der Ukraine besinnt sich die Allianz nun auf ihren eigentlichen Zweck: Die Souveränität und territoriale Unversehrtheit jedes Mitgliedstaates zu verteidigen. Das ist im Interesse Deutschlands und gilt es zu begrüßen.“ – Nein. Es droht keine Verletzung der territorialen Unversehrtheit von NATO-Mitgliedstaaten. Vielmehr stänkert die NATO pausenlos gegen Russland, obwohl sie der Ukrainekrieg gar nichts anzugehen hätte – und obwohl er ohne die westlichen Interventionen und Sanktionen längst zu Ende wäre. Nicht Russland ist den NATO-Staaten auf den Pelz gerückt, sondern die NATO ist Russland auf den Pelz gerückt – und zwar unter Ignorierung sämtlicher russischer Warnungen und dem Bruch eines mehrfach gegebenen Versprechens. Die Quittung dafür wird sein, daß ein großer Teil der Ukraine russisch bleiben wird und daß es zu einer friedlichen Vereinigung von Weißrussland mit Russland kommt. Das wäre ganz leicht zu vermeiden gewesen. Die NATO ist ein Militärbündnis, das sich gern in die eigenen Knie schießt, um sich für heldenhaft zu halten. Auch die serbisch-russische Allianz hätte es so ohne die NATO nicht gegeben.

Lucassen: „Weder die NATO, noch die Ukraine haben die Russische Föderation angegriffen. Präsident Putin hat durch seine Invasion am 24.02. den Rubikon überschritten und Krieg als Mittel der europäischen Beziehungen zurückgebracht. Er hat Tod und Zerstörung über eine souveräne europäische Nachbarnation gebracht und damit die europäische Friedensordnung zerstört.“ Das nennt sich geopolitische Prophylaxe. Aber egal, wie sich das nennt: Die Ukraine hätte laut Budapester Memorandum eine souveräne und neutrale Nation gewesen zu sein. Von Neutralität konnte aber zuletzt überhaupt keine Rede mehr sein. Die USA haben die Ukraine in ein Aufmarschgebiet gegen Russland verwandelt, die Ukrainer haben das mit sich machen lassen. Und die Russen sind keine Schlafmützen, die nicht wüssten, was man bei STRATFOR in Austin/Texas ausheckt und daß die Dreiteilung Russlands in einen europäischen, einen sibirischen und einen fernöstlichen Teil eine geostrategische Vision jener „Falken“ in Washington ist, welche Biden (anders als Trump) als Berater der US-Administration erneut ins Spiel brachte. Niedergeschrieben hatte diese Dreiteiligkeitsdoktrin der ehemalige Sicherheitsberater der US-Regierung, Zbigniew Brzezinski. Washington hatte zuvor schon in Georgien und in Kasachstan gezündelt. Der Euro-Maidan 2014 ist ebenfalls wesentlich auf dem Mist des US-amerikanischen Kagan-Clans gewachsen. Victoria „Fuck the EU“ Nuland ist Mitglied dieses Clans. Hätte den NATO-Mitgliedstaaten der EU tatsächlich etwas an Lucassens „europäischer Friedensordnung“ gelegen, dann müssten sie heute nicht die große Jammerarie anstimmen, weil sie dann vor Jahren schon dem großen Verbündeten jenseits des Atlantiks in den Arm gefallen wären. Sie haben es bleiben lassen. Der Ukrainekrieg ist wesentlich ein Resultat feigen politischen Totalversagens der europäischen NATO-Mitgliedsstaaten – und Lucassens salbungsvolle Reden vom unaushaltbaren Putin und dessen Verachtung für eine europäische Friedensordnung ist nichts weiter, als der Versuch, dieses Totalversagen aus der Welt zu schwätzen. Es war Putin, der seit zwanzig Jahren (!) immer und immer wieder genau diese europäische Friedensordnung beschworen hatte – und ein ums andere Mal dafür in den Arsch getreten wurde von denen, die jetzt ihre selbstexkulpatorischen Krokodilstränen über das absolut skandalöse Resultat vergießen.

Lucassens Gipfel: „Der russische Eroberungsfeldzug ist inakzeptabel und bedroht europäische Verbündete unmittelbar – besonders die baltischen Ex-Sowjetrepubliken mit russischer Minderheit. Dass die NATO nun ihre Verteidigungsbereitschaft und Bündnissolidarität unterstreichen muss, ist ein unvermeidbares und direktes Ergebnis der russischen Aggression. Wer eine Bedrohung Deutschlands durch dieses Russland ausschließt, ist bereit, unser Land aufzugeben. Das ist unpatriotisch.“ – unpatriotisch wäre etwas ganz anderes: Sich auf den Schnack von den ach-so-souveränen Nationalstaaten einzulassen, um sich als nächstes die Alleingänge bspw. von Polen und Litauen bieten zu lassen. Es gibt drei Millionen Litauer, und weiß der Teufel, was die geritten hat, den russischen Transit nach Kaliningrad zu unterbinden und dadurch gleich den nächsten Vertrag zu brechen. Was für ein Segensreichtum soll das sein in einem Bündnis, in dem jeder regionale Hanswurst machen kann, was er will, um sich im nächsten Moment auf die Bündnisverpflichtungen aller anderen zu berufen? Inwiefern wäre es patriotisch, Wohl und Wehe Deutschlands an die Entscheidungen irgendwelcher litauischen Schwachköpfe zu knüpfen?

Und von wegen „russische Aggression“: Es gibt nichts fieseres und infantileres, als einen anderen bis zur Weißglut zu reizen, um sich als nächstes darüber zu beschweren, daß er zugeschlagen hat. Von einem Ex-Oberst der Bundeswehr erwarte ich, daß er seinen Preußenkönig kennt. Friedrich der Große: „Angreifer ist, wer seinen Gegner zwingt, zu den Waffen zu greifen“. Erwachsene greifen sich erst einmal an die eigene Nase, ehe sie daran denken, die Schuld bei Anderen zu suchen. In Deutschland ist Erwachsensein inzwischen „total out“. Weswegen man dann, so wie Lucassen, eine Einerseits-Andererseits-Pseudodifferenzierung abliefern kann im Vertrauen darauf, daß sie schon gefressen werden wird, und hinter der sich dann die letztliche Schuldzuweisung an den Anderen gar trefflich verstecken läßt. Meinereiner steht aber nicht hinter der AfD, um sich aus dieser Partei heraus von einem Funktionär für blöde verkaufen zu lassen. Es reicht jetzt. Absolut. +++

Pink Panza – Screenshot Facebook

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