Plastik "Der Denker" von Auguste Rodin vor der Kunsthalle, Bielefeld - Foto: Imago

Erdingers Absacker: Das Franken-Special

Der Denker – Screenshot Facebook

Mir ist heute ein Text untergekommen, den ich vor drei Jahren im fränkischen Dialekt verfasst – und kurz danach schon wieder vergessen hatte. Es wird ihn vielleicht nicht jeder verstehen, aber mit ein bißchen Mühe und Kombinationsgabe müsste es eigentlich gehen. Die Franken verstehen ihn auf jeden Fall. Für die Nichtfranken sollte ich vielleicht das Adjektiv „oardli“ erklären. „Oardli“ steht gleich am Anfang und heißt so viel wie „putzig“ oder „possierlich“. Als ich den Text heute nach drei Jahren zum ersten Mal wieder gelesen habe, musste ich selber schallend lachen. Es geht um die Idee, daß sich nicht Menschen im Tiergarten die Tiere anschauen, sondern die Tiere im Menschengarten die Menschen. Ein Text aus dem Jahr 2019, weswegen auch Merkel und Altmeier noch vorkommen. Viel Vergnügen!

IM FRÄNKISCHEN TIERGARTEN
– „De senn scho oardli, die Berberaffn, odder?“
– „Ja, oardliche Viecher senn des. Su schnell wäi die an ihre Nüss rumknabbern. Oardli.“
– „Su oardli wie die Berberaffn senn die Gieraffen ned.“
– „Wos für Gieraffen?“
– „Ner, die do drüm mid ihre langa Häls. Gieraffen hald. Woahrscheinli walls´n Hals ned voll gnuch grieng kenna. Braux ja an haffn Zeich, bis´d an su an langa Hals voll hosd.“
– „Des senn Giraffen ohne a „e“ hinder´n „i“. Mid Affn homm die goar nix zum do. Des senn ganz andere Viecher.“
– „Wassd, wos er mer grod denk´?“
– „Naa, woher soll ich des wissn?“
– „Ich denk mer grod, ob´s ned fier die Viecher indressander wär´, wenn ned mir die Viecher oschaua dät´n, sondern die uns.“
– „Wäi maanst etz?“
– „Ner schau: Wenn´s an Menschengarten gebert, kennerdn si die Viecher an haffn verschiedne Menschn oschaua. Gibt´s ja aa alles. Eskimos, Indioner, Schwatze, Weiße, Gelbe, Glanne und Große, Männli und Weibli …“
– „Des stimmt. In´ Tiergarten senn obber die Affn es indressandeste. Do kennerd mer also statts an Menschengarten glei an Bolidigergarten machn. Wall under die Menschn ist der Bolidiger der Aff´.“
– „A weng a Abwexlung braucherdns obber scho aa, die Viecher. Do konnsd ned bloß Bolidiger nehma.“
– „Wennsd maanst, dät´ mer hald nu a boar Schonalisdn derzou wecher der Abwexlung.“
– „Aff jeden Fall. A boar Bischöf´und a boar Feminisdinna wär´n aa ned schlechd.“
– „Genau. A boar Talkshow-Weibli derzou – und scho hätt´ mer a Abwexlung, wo die Viecher gfällt.“
– „Des musst´der amol vurstelln: Stessd als Viech vur su an Gehege, wie mir grod bo die Berberaffn – und dann hockt do a fedds Bolidigerbäärla drin. Die Mergl und der Aldmaier zon Beischbill und waddn drauf, daß´ gfüdderd wern. Des wär´ bestimmt indressand fier die Viecher. Do dätn´s an Eindridd zohln derfier.“
– „Wemmer´s midn Fudder a weng knapp haldn dät – aff jeden Fall. Do kennerdn si die Viecher oschaua, wäi si die Mergl und der Aldmaier die Kepf eischlong drum, wer z´erschd a Nuß fressn derf.“
– „Und wenn ser si´s nemmer mid oschaua kennerdn, die Viecher, vielleichd, wall´s a weng sensibl wärn, dann gennerdn´s eimpfach weider zon nexdn Gehege.“
– „Desweng wär´a weng a Abwexlung aa goar ned schlechd.“
– „A su a Bolidigergarten wär´ ja etz aa indernationol wos Neis. Do kummerdn Viecher vo der ganzn Weld her. Vo ganz andere Viecherkulturn. Dene misserd mer aa a weng wos biedn.“
– „Ka Broblem. Do machsd a Fitnessgehege, wo zon Beischbill die Roth drinnahockd – und schüddsd an Stahaufn fier die ausländischn Viecher vur ihrn Gehege hi. Dann kenna die Viecher vo Arabien odder su wo her mit Staner nacherer werfn, sie muß dauernd ausweing und bleibd fit.“
– „Geniol. Fitnessgehege is eimpfach geniol.“
– „Genehmichd grichsders´n hald ned, des is des Broblem. Ieberhapts griecherds an Bolidigergarten ned genehmichd, außer du däd´s vorher butschn.“
– „Fier an Butsch hob´i etz heit ka Zeid. Bis ummer halber sieme mecherd i dahamm sei, wall do die Schboddschau losgedd. Wivill Uhr is´n scho?“
– „Dreiverdl sechse.“
– „Allmächt, do mäimer schaua, dass mer nauskumma, sunsd derwisch´ mer´n Bus nemmer.“
– „Also hopp, gemmer. Schboddschau is scho aa wichtich.“
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Lagertha am 18. März 2022 – Foto: Privat
Lachend zwar, aber dennoch mit einem traurigen Auge gewidmet der Ente „Lagertha“, die am 18. Januar 2022 auf Gran Canaria geschlüpft ist und von Menschen großgepäppelt wurde, auf die sie dann völlig geprägt gewesen ist. Ich habe den Werdegang von Lagertha dem Schnäbelchen voller Zuneigung verfolgt. Sie ist heute in den Armen ihres Lieblingsmenschen  verstorben, offenbar an einer Infektion, gegen die selbst Antibiotika nicht mehr geholfen haben. Enten können zwischen fünf und zehn Jahre alt werden. Lagertha wurde leider nur ein halbes Jahr alt. Ruhe in Frieden, Lagertha Schnäbelchen.)

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