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Lasst Euch nur nicht moralisch erpressen!

Wenn Bundeswirtschaftsminister Robert Habeck oder andere Mitglieder der Berliner Ampel-Regierung in diesem Sommer durch die deutschen Lande ziehen, dann werden sie immer wieder auf die negativen Folgen der Sanktionen gegen Russland angesprochen – mal schüchtern, mal bohrend, mal aggressiv.

Von Wolfgang Hübner

Doch dann holen Habeck und andere ihre Moralkeule hervor und schwadronieren von „Prinzipien, Werten, Freiheit, Frieden, Rechtsstaatlichkeit, Völkerrecht“ und behaupten, all das sei doch mehr wert und wichtiger als ökonomische Verluste und einige künftige Unbequemlichkeit fürs Volk.

Ein geübter Schönschwätzer wie der akademisch ausgebildete grüne Minister weiß das wohlformuliert und mit sorgenzerfurchtem Gesicht zu kommunizieren. Und massenhaft lassen sich die braven arbeitsamen Deutschen von solcher Demagogie in sensiblem Gewand beeindrucken.

Dabei handelt es sich beim Gebrauch der Moralkeule schlicht um eine ebenso unmoralische, unverschämte wie auch zutiefst verlogene moralische Erpressung. Da selbst unter manchen kritischen Zeitgenossen, sogar in konservativ-patriotischen Kreisen, diese Erpressung erfolgreich ist, muss mit einigen nicht zu bestreitenden Fakten dieses dreiste Betäubungsgewerbe der grünrotschwarzgelben Moralblockwarte in die Schranken gewiesen, noch besser aber zum Teufel gejagt werden.

Also werden wir mal konkret:

Wie war es um „Frieden, Freiheit, Völkerrecht“ bei den vielen amerikanischen Kriegen der letzten 50 Jahre bestellt?
Sind tote oder verstümmelte Vietnamesen, Iraker, Libyer, Afghanen, Syrer, Serben menschlich weniger wert gewesen als nun tote Ukrainer?
Wollte irgendeine deutsche Regierung irgendwann die USA mit Sanktionen belegen, weil die Deutschen nicht teilnahmslos zuschauen konnten, wie hunderttausende Zivilisten „Kollateral-Leichen“ der amerikanischen Bombenstrategie wurden?
Wo waren die westlichen „Werte, Prinzipien“ beim opferreichen Beschuss der abgespaltenen Ostgebiete der Ukraine durch die Kiewer Regierungen unter den Präsidenten Poroschenko und Selenskyj?
Wo gab es im Sozialstaat Deutschland Proteste gegen die für viele deutsche und internationale Unternehmen und Konzerne hohen Profit bringenden Hungerlöhne in den ukrainischen Fabriken?
Wer in der SPD oder bei den Grünen, wer in der EU hat sich bislang empört über den gesetzlichen Mindestlohn in der Ukraine, der seit 2021 gerade einmal 1,21 Euro beträgt, zuvor sogar nur 78 Cent?
Hat es irgendeine deutsche oder westliche Regierung im Namen von „Freiheit und Rechtsstaatlichkeit“ gestört, dass nach dem Maidan-Putsch in den letzten acht Jahren 170.000 Quadratkilometer wertvollstes Ackerland der fruchtbaren Ukraine von deren hochkorrupten Regierungen an US-Großkonzerne verkauft wurden, hinter denen Vermögensverwalter wie Blackrock stehen, früherer Arbeitgeber von CDU-Chef Friedrich Merz?
Interessiert es einen unserer „Moralisten“, dass die Bevölkerungzahl der Ukraine seit dem Maidan-Putsch von 51 auf nun 41 Millionen Menschen gesunken ist und an erster Stelle in Europa bei den Todesfällen infolge Unterernährung steht – in dem fruchtbarsten Staat des Kontinents?
Die Liste dieser Fragen ließe sich leider fast endlos fortsetzen. Aber schon eine der oben aufgeführten Fragen reicht aus, die moralischen Erpresser in Schwierigkeiten zu bringen. Es besteht deshalb nicht der allergeringste Grund, sich von diesen ins Bockshorn jagen zu lassen.

Ja, wir beklagen diesen Krieg, wir beklagen seine Opfer, wir fürchten uns auch vor einem noch viel schrecklicheren Krieg. Und ja, wir sind moralisch-ethisch nicht unempfindlich. Aber wir lassen uns nicht einschüchtern von den Propagandisten der Doppelmoral im Dienste imperialer westlicher Kreise und ökonomischer Interessen des Finanzkapitals. Dafür wurden unzählige Menschen in der Ukraine schon vor dem russischen Einmarsch geplündert und geopfert. Habeck und andere haben das schweigend und tatenlos hingenommen. Jetzt werden wir das verlogene Gesülze von Habeck und anderen aber keineswegs schweigend und tatenlos hinnehmen!

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