Erdingers Absacker; Bild: Collage
Erdingers Absacker; Bild: Collage

Erdingers Absacker: Kompetenz so weit das Auge reicht

+++ Versprochen: Sie wundern sich nicht mehr, wenn Sie in Deutschland 2022 kein Anschreiben etwa folgenden Inhalts mehr zur Kenntnis nehmen: „Sehr geehrte Verstorbene, Sie haben Gelegenheit, sich zu Ihrem leistungsbezugswidrigen Ableben zu äußern. Wir warten mit unserer Entscheidung über die Leistungseinstellung bis zu Ihrer Stellungnahme. Wenn wir nichts mehr von Ihnen hören sollten, nehmen wir an, daß sie lieber ohne Leistungsbezug tot sein wollen. Mit freundlichen Grüßen – Deutschland 2022.“ +++

Machen Sie von Ihrem Äußerungsrecht Gebrauch! – Screenshot Facebook

+++ Wer hat es so oder so ähnlich nicht schon selbst erlebt? – „Über Ihren Genehmigungsantrag konnten wir bislang nicht entscheiden, weil Sie die Unterlagen XYZ noch nicht eingereicht haben.“ – „Die habe ich Ihnen vor vier Wochen schon gemailt.“ – „Besser wäre gewesen, Sie hätten die Unterlagen ausgedruckt und mit der Post an uns abgeschickt. Dann hätten wir sie eingescannt und hätten sie jetzt digital.“ +++

Deutschland 2022: Wo der Meeresspiegel steigt – Foto: Imago

+++ Tom Buhrow, ARD, hat das höchste aller Intendantengehälter – und zwar beim WDR. Es liegt bei über 400.000 Euro. Das ist nur gerecht. Warum ist das gerecht? – Weil bei der „Konkurrenz“, dem „Zentrum der Finsternis“ (ZDF), schon ein Nachrichtenmoderator 200.000 Euro mehr bekommt als der Intendant des WDR. Und der muß nicht so schrecklich viel schwitzen bei der Arbeit wie ein fleißiger Intendant. Die „Süddeutsche Zeitung“ am 30.12.2021: „Claus Kleber gilt als einer der bestbezahlten Moderatoren Deutschlands. Recherchen der Süddeutschen Zeitung zufolge, verdient Kleber für die Moderation des heute-journals 600.000 Euro jährlich.“ – Claus Kleber war also nur einer unter mehreren Bestbezahlten, wenn man der „SZ“ glauben darf. Da scheint es auch noch andere Bestbezahlte zu geben. Gut, Claus Kleber war – oder ist – auch Mitglied beim „Aspen Institut“, einem transatlantischen Verein, dessen einstiger Chef, Walter Isaacson, vorher CNN-Boss gewesen ist. Weswegen es auch gar keinen besseren Nachrichtenmoderator als Kleber für das „heute-journal“ gegeben hätte. Wer die totale Moderatorenqualität will, muß eben ein wenig tiefer in die Tasche greifen.

Einerlei: Der Bestbezahlte unter den ARD-Intendanten, besagter Herr Buhrow, hat dem „Kölner Stadtanzeiger“ ein Interview gegeben, nach dessen Lektüre einem klar wird, wie voreingenommen sich der normalverdienende Teilhabende an der sozialen Neidgesellschaft solchen tadellosen Herren wie Tom Buhrow gegenüber verhält, seit die Affäre um die überaus gierige RBB-Intendantin Patricia Schlesinger in aller Munde ist. Auch die Geschichte um die zwei Chauffeure und die beiden Dienstwagen der Technik-Direktorin vom Bayerischen Rundfunk, Frau Birgit Spanner-Ulmer, zeichnet ein völlig verkehrtes Bild von der angeblich fehlenden Genügsamkeit bei den öffentlich-rechtlichen Sendeanstalten. Frau Spanner-Ulmer könnte schließlich auch drei Chauffeure und drei Dienstwagen haben. Das Geld wäre ja da.

Herr Buhrow ist aber ein bescheidener Mensch. Zwar hat auch er einen prächtigen Dienstwagen, einen 7er-BMW mit solchen raffinierten Massagesitzen, auf welchen sich auch Frau Patricia Schlesinger vom Chauffeur zur Massage hat fahren lassen, aber es gibt einen bedeutsamen Unterschied: Nach eigener Auskunft hat Herr Buhrow die Massagefunktion seiner BMW-Sitze noch nie benutzt. Noch nicht einmal gewußt hat er, daß sie eine Massagefunktion haben. Über die Frau Patricia Schlesinger, seine Kollegin, hat er praktisch auch nichts gewußt. Eine entsprechende Interviewfrage beantwortete er so: „Wir haben alles aus der Presse erfahren und dann natürlich die Unschuldsvermutung gelten lassen. Und weil es keine ARD-Themen waren, die Patricia Schlesinger vorgeworfen wurden, haben wir auch in den ersten Wochen das Gefühl gehabt, es wäre jetzt voreilig, einer Person, die sagt ‚Das stimmt alles nicht, ich streite das rundherum ab, und wir haben jetzt eine unabhängige Untersuchung‘, zu sagen: ‚Ist uns egal, das Vertrauen ist erschüttert.‘ Das kam dann erst in den Wochen danach.“ – Hätten Sie gedacht, daß man sich beim WDR aus der Presse informiert? Ich hatte immer angenommen, daß sich die Presse beim WDR informiert. So kann man sich täuschen.

Aber es ist alles gar nicht so schlimm, wenn man Herrn Buhrow glauben darf, -was man ganz-ganz bestimmt darf – weil:  „Das Publikum schätzt uns und vertraut auch unseren Programmangeboten. (…)  Dieses Klischee, dass die Intendanten und Intendantinnen machen können, was sie wollen, ist ein Zerrbild. Wir haben alle jeweils zwei Aufsichtsgremien. Jeder hat einen Verwaltungsrat und einen Rundfunkrat. Ich möchte irgendeine Institution in Deutschland sehen, die auch nur annähernd so viel Aufsicht hat wie wir. (…) Wir müssen die Menschen überzeugen, dass wir Diener der Gesellschaft sind, dass wir unvoreingenommen die Menschen informieren und dass wir sie mit unserem Programm auch unterhalten wollen. (…) Meistens – nicht immer, aber meistens – wird dann deutlich, dass das, was wir den Menschen an Programm bieten, sowohl quantitativ als auch qualitativ sehr geschätzt wird.

Aus dem ARD-Jahrbuch 2008: „Das Durchschnittsalter der ARD- und ZDF-Zuschauer ist auf gut 60 Jahre gestiegen. Tendenz weiter steigend. Es droht ein Generationenabriss.“ Das war vor vierzehn Jahren. Da nun aber Vertrauen der Anfang von allem ist: Der Herr Buhrow wird schon wissen, wovon er redet im Jahr 2022. Die Kritik an den Öffentlich-Rechtlichen, die allerweil ertönt, und bei der es – salopp ausgedrückt –  heißt, die dortige Journaille sei eine total einseitige Ansammlung devoter Katzbuckler vor der Regierung, ist ganz-ganz gemein. Da wird mir der aufrichtige Herr Buhrow ganz-ganz bestimmt Recht geben. +++

Tomn Buhrow: Sein Name ist Hase – Screenshot Facebook

+++ Julian Reichelt wies bei Twitter auf unseren überaus honorigen Herrn Bundesjustizminister hin. Marco Buschmann hatte bemerkt, daß heute der 13. August ist – und daß er an einem solchen Tag ein paar salbungsvolle Worte zu Freiheit & Demokratie hervorzuwürgen hat. Sie wissen schon: 13. August 1961 – die „DDR“ fängt mit dem Mauerbau an, obwohl kurz zuvor niemand die Absicht dazu hatte. Damals gab es eben noch keine Smartphones für die Bürger, die es dem Politbüro erlaubt hätten, mit QR-Codes Zutritte oder Austritte der Bürger zu erlauben resp. zu versagen. Das ist heute anders. Der Bundesjustizminister von der Partei „Fußpilz der Parlamente“ (FDP) findet Gefallen an der Idee, QR-Codes je nach Impfstatus farblich unterschiedlich zu gestalten (grün: braver Bürger, rot: renitenter Boosterverweigerungsbürger, Unmensch, asoziale Drecksau, Wissenschaftsleugner etc.pp.) – oder die Bürger gleich mit farblich unterschiedlichen Bändchen und Aufklebern zu markieren. Der Mann denkt eben innovativ. Wo er’s nur her hat? Der gelbe Buschmann bei Twitter am 13. August: „Einigkeit und Recht und Freiheit“ – geeeiiilll! – „dass das nicht selbstverständlich ist, zeigen mehr als 28 Spaltung in Ost und West“ – genau: 28 Spaltung, Fahrenheit 451 und Area 51 machen zusammen 42 – „Heute vor 61 Jahren begann der #Mauerbau. Mehr denn je mahnt der heutige Tag, dass wir Freiheit und Demokratie verteidigen und neue Gräben verhindern müssen.“ – Wie breit soll nochmal der Graben vor dem Reichstagsgebäude werden? – Na egal. Ein inexistenter Experte für Wortgeklingel & Glaubwürdigkeit sagte, der Ermahnungsversuch Buschmanns sei ungefähr so sinnvoll, wie ein Versuch von Ricarda Lang, Vorstand bei den äthiopischen Weightwatchers zu werden. Diesem Buschmann – und nicht nur dem – so der inexistente Experte, dürfe man nicht ein Wort glauben, es sei denn, es wären ganz einfache Sätze wie zum Beispiel: „Ich finde den Weg zur Toilette nicht“ oder „Ich habe meine Mama lieb.“ Und daß er mit dem untenstehenden Bild eindrücklich belegen könne, weshalb dem so sei. +++

13. August 2022: „Niemand hat die Absicht, eine Mauer zu bauen“ – Screenshot Facebook

 

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